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Ein Regen aus selbstgebastelten Metallsternchen; Ankabuta und Rudolf Ludewig proben schon einmal für die Performance im Thomasburger Kunstfenster. (Foto: ff)

Das Sammelsurium der koreanischen Spinne

Thomasburg. Es ist noch gar nicht so lange her, da schickte Ankabuta einen riesigen Ameisenschwarm durch die Galerie des Heine-Hauses. Jetzt ist die in Wiesbaden lebende Südkoreanerin zurückgekehrt, um im Thomasburger Kunstfenster „ZwischenLinden“ einen Sternenregen zu inszenieren: Sonntag, 14. Januar, 15 Uhr. Nebenan, bei Jutta Brüning und Rudolf Ludewig, zeigt Ankabuta einen Querschnitt ihres Schaffens, das von winzig kleinen bis zu groß angelegten Arbeiten reicht, ein „Sammelsurium“.

Der Begriff ist ein wenig negativ besetzt, im Sinne von Kramladen. Hier ist aber wirklich eine Sammlung gemeint, im doppelten Sinne. Ankabuta (arabisch für Spinne), 1980 als Songie Seuk geboren, studierte an der Chung-Ang Universität und an der Kunsthochschule Kassel Freie Kunst. Seither hat sie eine Reihe von Preisen und Stipendien gewonnen.

Wenn Ankabuta nichts zu tun hat, also etwa in der Straßenbahn, dann bastelt sie Sternchen aus Silberpapier oder eben – aus Draht – eine Heerschar Ameisen. Kommen einige tausend zusammen, lässt sich damit allerhand anfangen, als Basismaterial für Installationen und Performances. Dabei begreift die Künstlerin die Sterne auch als Facetten des eigenen Lebens, vielleicht wie bei Mosaiksteinchen, die schließlich ein Bild ergeben.

Ausstellung bis Ende März

Ein wichtiges Material ist der dünne Draht, den die Künstlerin wie einen Bleist auf Papier einsetzt: Geflochten werden fragile, flächige Gebilde, die Bäume darstellen, Häuser (unter anderem Lüneburger Giebel), ganze Landschaftspanoramen, die auch mal zwei Dutzend Meter messen. In Thomasburg sind die Exponate natürlich kleiner – „Zeichnungen“ sagt Ankabuta dazu, aber weil sie mit kleinem Abstand vor der weißen Wand hängen, kommen faszinierende Schatteneffekte dazu.

Als Installation zieht sich ein „Sternenfangnetz“ unter der Decke des Ausstellungsraumes entlang. Zu entdecken ist ein Notausgangs-Schild, das Männchen rennt zu einer offenen Tür, hinter der die Sonne und ein Glas Bier warten – Spaß und Nachdenklichkeit liegen bei Ankabuta dicht beisammen, es gibt Video-Performances (mit selbst gespielter Klaviermusik) und zwei parallele Uhren mit den Zeiten von Deutschland und Südkorea, acht Stunden auseinander. Das „Sammelsurium“, von der Sparkasse unterstützt, ist bis Ende März (Kirchring 6) zu sehen.

Von Frank Füllgrabe