Donnerstag , 20. September 2018
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Duell mit dem Florett in der KulturBäckerei
Probe für die Premiere: Joana und Valentin (Birgit Becker und Raimund Becker-Wurzwallner) versuchen es mit einer Therapie, Lebensberater Harald (Frank Hangen) gibt alles.
Probe für die Premiere: Joana und Valentin (Birgit Becker und Raimund Becker-Wurzwallner) versuchen es mit einer Therapie, Lebensberater Harald (Frank Hangen) gibt alles. (Foto: ff)

Duell mit dem Florett in der KulturBäckerei

Lüneburg. Harald ist Lebensberater, und als solcher mit so ziemlich allen Katastrophen des real existierenden Ehe-Alltags vertraut. Bis jetzt jedenfalls hat er noch jedes Paar, das bei im Rat suchte, wieder hinbekommen. Dann aber betreten Joana und Valentin seine Praxis, beide so Anfang, Mitte vierzig, beruflich nicht ohne Erfolg, zwei Kinder, heillos zerstritten natürlich, nichts Besonderes eigentlich. Aber im Laufe der Sitzung muss Harald erfahren, dass auch er hier an seine Grenzen getrieben wird.

„Die Wunderübung“ in der KulturBäckerei

Das ist das Theaterstück „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer, und wie alles, was der Dramatiker schreibt beziehungsweise auf die Bühne bringt, wird nun auch die neue Komödie landauf, landab ein Erfolg. Birgit Becker und Raimund Becker-Wurzwallner vom „Theater zur weiten Welt“ haben mit „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ hinreichend Erfahrung mit dem ins Böse abkippenden Humor des Österreichers gesammelt. Frank Hangen spielt den Lebensberater (das ist in Österreich eine offizielle Berufsbezeichnung), Regie führt Laura Remmler, sie hat sich in Lüneburg bereits mit zwei Arbeiten für das Thomas Ney.Theater vorgestellt, mit „Kunst“ und „Kaspar Häuser Meer“.

Nun also die Wunderübung, die hier natürlich nicht verraten wird. Joana und Valentin haben es mit ihren Wortgefechten in die höchste Liga geschafft, Florett statt Säbel, elegant und gnadenlos. Die Grundpositionen sind klassisch. „Du redest ja nie mit mir“, sagt sie, „weil ich nie zu Wort komme“, sagt er. Typisch auch, dass sie den Therapeutenbesuch angeschoben hat, er hält das Gerede für eher verzichtbar. „Sind Sie sicher, dass Sie zu mir wollen?“ Und: „Was, glauben Sie, wäre das perfekte Ergebnis der Beratung?“, fragt Harald, das ist sein bewährter Einstieg.

Paare im Publikum erkennen sich wieder

Tja, was eigentlich? Er kümmert sich zu wenig, um die Kinder, aber sie fängt ja immer gleich Streit an. „Viele Paare im Publikum erkennen sich da wieder“, sagt Raimund Becker-Wurzwallner, „das haben wir als Zuschauer erlebt“. Harald trägt ein sanftgrünes Jackett, das beruhigt und schafft Vertrauen, er ist ein routinierter Vetreter einer Branche, die bestens von Rat und Glück suchenden Zeitgenossen lebt. Daniel Glattauer selbst hat auch einmal ein wenig Erfahrung in dieser Zunft gesammelt.

Premiere ist am Freitag, 19. Januar, um 19.30 Uhr in der KulturBäckerei, dann beginnt die Paartherapie annähernd in Echtzeit. Die Bühne besteht hauptsächlich aus Stühlen, Sitzgruppen. Joana und Valentin sollen sich ihre Schlachtfelder, auf denen es um „Gefühle und Gefrierbeutel-Dynastien, um Herzen und Sardinenbüchsen“ geht, je nach Stimmung (meistens ist sie schlecht) aussuchen können. Und immer lastet diese Frage schwer im Raum: „Können wir das so stehen lassen?“ Natürlich nicht. Geplant sind für die vom Landschaftsverband und der Sparkasse geförderte Produktion bis zum 25. Februar neun weitere Vorstellungen.

Von Frank Füllgrabe