Dienstag , 25. September 2018
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Preisträger, Preisgeber, Laudatoren: Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Manfed Besser, Udo Lindenberg und Carsten Junge. Foto: t&w
Preisträger, Preisgeber, Laudatoren: Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Manfed Besser, Udo Lindenberg und Carsten Junge. Foto: t&w

Der Meistermaler und sein Freund

Lüneburg. Diesen Rummel um seine Person, den kann Manfred Besser gar nicht gut ertragen. Gestern aber, da ging es nicht anders, da bekam der Künstler und Kurator den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis der Stadt Lüneburg – der Preis, mit dem die Stadt herausragende Künstler ehrt. Oberbürgermeister Ulrich Mädge überreichte den Preis, Carsten Junge von der Sparkassenstiftung übernahm die Laudatio. Die Show aber stahl allen ein alter Freund von Manfred Besser: Udo Lindenberg, er kam als Überraschungsgast, was Manfred Besser riesig freute.

Panikrocker im Glockenhaus

Die Verbindung Besser/Lindenberg geht zurück ins Jahr 1994, als Besser in Hamburg das Kontor feiner Künstlerwerkstoffe betrieb. Carsten Junge erinnerte an die Geschichte: Im Kontor orderte direkt nach Weihnachten jemand per Telefon Bilderrahmen, 50 bis 60 an der Zahl und bitte möglichst schnell, es solle ja noch zu Weihnachten sein. Alles klappte, und Tage später schneite Udo Lindenberg herein und fragte, ob das „hier der Bilderladen Fix und Foxi“ sei. Besser/Lindenberg kamen ins Gespräch, und kurz darauf wechselte Udo Lindenberg mal das Mikro mit dem Pinsel – und tat das dann immer wieder.

Es ließen sich ohne Ende Anekdoten über Lindenberg, Besser und die Malerei erzählen, aber das müssen die Beteiligten übernehmen. Manfred Besser richtete für Lindenberg beratend und kuratierend eine Fülle von Ausstellungen ein und zählt nach wie vor zum inneren Ring des Lindenberg-Kosmos.

Aber es ging am Dienstag Abend ja nicht um Udo, sondern um Manfred Besser, der 1945 bei Danzig zur Welt kam. Besser studierte ab 1965 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und blieb dem Norden treu. Neben dem Kontor in der Hamburger Bundesstraße, in dem auch Künstler von Horst Jassen bis Gerhard Fietz einkauften, betrieb Manfred Besser seine eigene Kunst. Er malte mit kraftvollen Flächen- und Farbkontrasten immer wieder das Wasser und den Hafen, später auch das Ufer der Elbe – flussaufwärts. Stilistisch, wenn es eine Schublade geben soll, ist das Werk als eine Art abstrakter Realismus anzusehen.

Lange schon lebt der Künstler in Ellringen

Die Bedeutung der Künstler, die den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis erhalten, gehe über die Region Lüneburgs hinaus, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Das gilt für Manfred Besser, der sich zugleich stark für das kulturelle Leben im Lüneburger Raum einsetzt. Lange schon lebt der Künstler in Ellringen mit einem Atelier in Barskamp. Manfred Besser kuratierte mehr als 30 hochkarätige Ausstellungen im Göddinger Gerhard-Fietz-Haus und kümmerte sich bis ins Detail um Hängung, Licht etc. Auch das von der Sparkassenstiftung in Neuhaus eingerichtete

Kunstarchiv wurde mit seinem Wissen und Engagement aufgebaut.
Carsten Junge charakterisierte Manfred Besser als Menschen „mit unglaublicher Kreativität, Ausdauer, Weitsicht und Hilfsbereitschaft – ein Mann der nie eine Bühne bespielt hat, sondern viele gleichzeitig und das immer in höchster Qualität.“ Bei alledem stehe er lieber am Rand, habe aber immer alles im Blick und im Griff.

Noch eine Besser-Seite ist die des Sammlers: Er besitzt eine laut Caresten Junge „gigantische“ Sammlung afrikanischer Kunst. Einen großen Teil daraus, dazu eigene Werke überließ Besser mittlerweile dem Kunstarchiv. Eine Ausstellung dazu folgt in der KulturBäckerei.

Von Von Hans-Martin Koch

Hintergrund

Der unerwartete Preis

Seit 2002 vergibt die Stadt Lüneburg den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis, eine Auszeichnung für herausragende Lüneburger Kulturschaffende. Gestiftet wurde der Preis von der 1997 gestorbenen Lüneburger Juristin und Sozialdezernentin Dr. jur. Hedwig Meyn. Aus den Erträgen ihres Vermächtnisses, das mit der Stadt nicht abgesprochen war, wird ein Preisgeld vergeben. Laut Testament geht der Preis an Maler, Grafiker, Bildhauer, Architekten, Dichter und Schriftsteller im Lüneburger Raum. Nicht geehrt werden können mit Lüneburgs einzigem Kulturpreis Musiker und Vertreter der Darstellenden Kunst. Diskutiert wird in der Politik zurzeit, ob es im Wechsel mit dem Meyn-Preis einen zweiten geben könnte – mit Blick auf Musik/Theater. oc

Alter steht für Radikalität und Meisterschaft

Foto: t&w

Lüneburg. „War lange nicht mehr in Lüneburg, zu lange“, sagt Udo Lindenberg, nippt am O-Saft. Kurz drauf am Rednerpult erzählt er von seinem Tages- bzw. Nachtrhythmus – und was läuft, wenn er aufwacht, gerade in der Glotze? „Rote Rosen“. Ins Gästebuch der Stadt malt er sich mit den Worten: „Keine Panik in Lüneburg – öfter mal besuchen kommen.“

Vor allem aber ehrt Udo Lindenberg den Künstler Manfred Besser, durch den er ans Malen kam, als „wunderbaren Freund und Begleiter“. Der Künstler und Kurator nahm im Glockenhaus den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis der Stadt Lüneburg entgegen.

Nächstes Jahr hätten sie ja Silberhochzeit, sagt der Panikrocker. Bei Besser habe er in Sachen Malerei bemerkt: „Das ist auch mein Ding.“ Lindenberg erinnerte an ein paar Episoden wie die tagelangen Malsessions im Hotel Miramar auf Sylt, die zufällige Erfindung der Likörelle und einiges mehr. „Wir haben viele verrückte Dinge gemacht, wir werden weiter viele verrückte Abenteuer erleben“, so Lindenberg, der gerade an einem neuen Album arbeitet. Auch Ein Wort der Erinnerung baut er für seinen Bruder ein, den 2006 gestorbenen Maler Erich Lindenberg.

Es gibt kaum Künstler, die im Umgang so unkompliziert und offen sind wie Udo Lindenberg. Für jeden ein Wort, mit jedem ein Foto, alles im speziellen „Lindiismus“. Und dann sagt der 71-Jährige noch einen Satz wie ein Motto: „Alter steht für Radikalität und Meisterschaft.“ oc