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Vor den Toren des etablierten Kunstbetriebs

Dahlenburg. Rückschläge gab es im Leben von Kate Diehn-Bitt genug: Die Nazis verboten die Ausstellungen der jungen Malerin, und in den Galerien der gerade gegrü ndeten DDR musste Kate Diehn-Bitt ihre Bilder auch wieder abhängen, weil ihre Darstellungen nicht mit den geforderten Idealvorstellungen vom Arbeiter- und Bauernstaat in Einklang zu bringen waren. Erst posthum gelangen die Arbeiten der mit psychischen Problemen kämpfenden Künstlerin zurück ins Blickfeld, dazu gehört auch eine Ausstellung im kunstFleck Dahlenburg; Vernissage: Sonntag, 21. Januar, 11.30 Uhr.

„Klasse für sich“ heißt das Jahresthema des Kunstvereins Region Dahlenburg. Es geht um Künstlerinnen, die unbeirrt ihren Weg gingen, obwohl sie sich gegen heftige Repressialien wehren mussten, gegen institutionalisierte Vorurteile und Unterdrückung, gegen Diktatoren und Machos, Sexisten und Intriganten. Louise Rösler (1907-1993) war so ein Fall, eine Bildende Künstlerin, die nach 1933 mit „Farbenverbot“ belegt wurde und nach 1945 von angesagten Kollegen wie Ernst Wilhelm Nay drangsaliert wurde. Sie wird im April Thema des Kunstvereins sein, später folgt ein Dokumentarfilm über die US-Fotografin Vivian Dorothea Maier, die ihre Bilder zeitlebens unter Verschluss hielt. Das weitere Programm steht noch nicht fest.

Werke von Kate Diehn-Bitt

Jetzt aber geht es um Kate Diehn-Bitt, geboren 1900 in Schöneberg, gestorben 1978 in Rostock. Kunstvereins-Vorsitzende Christiane Kause entdeckte das Werk der Malerin in Ahrenshoop, dort verwaltet das Kunstmuseum ihren Nachlass. „Und gerade habe ich in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt bei einer Ausstellung über die Weimarer Republik sechs große Arbeiten von ihr gesehen.“

Die Malerin heiratete bereits mit 19 Jahren (einen Zahnarzt), wurde kurz darauf Mutter und musste sich immer wieder vom etablierten, offiziellen Kunstbetrieb, von der Hochschule wie von Galeristen, abweisen lassen. Ihr Mann immerhin unterstützte sie wohl nach Kräften. Ihre Bilder – Gemälde, Zeichnungen, Mischtechniken, Collagen – drehen sich meistens um die eigene Erlebniswelt. Es gibt viele Selbstporträts, explizit oder anonym. Die Dahlenburger Ausstellung legt den Schwerpunkt auf Kohle- und Tusche-Zeichnungen, die in ihrer Grundstimmung ein wenig an Otto Dix erinnern, und auf knallbunte Collagen, in denen ein impulsiver Expressionismus zutage tritt: naiv gehaltene Stricheleien, in denen ein bedrohtes Individuum im Mittelpunkt steht.

Ausstellung läuft bis zum 25. Februar

Die Ausstellung „Nahsicht“ läuft bis zum 25. Februar (jeweils sonnabends/sonntags 14 bis 18 Uhr). Auf der Vernissage, zugleich Neujahrsempfang des Kunstvereins, spricht zur Einführung Dr. Katrin Arrieta vom Kunstmuseum Ahrenshoop.

Von Frank Füllgrabe