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Claudia Kröger (links) und Kathrin Hanke bringen ihren sechsten Krimi auf den Markt, haben den siebten fast abgeschlossen und den achten im Kopf. (Foto: Studioline)

Neuer Lüneburg-Krimi: Die tödliche Heide

Lüneburg. Das Krimigeschäft ist ein sehr verlässliches. Es bringt dem Buchhandel erheblichen Umsatz. Gleichzeitig verkürzt sich das Haltbarkeitsdatum der Bücher , denn zu viele Autoren drängen ins Regal. Methoden, Menschen aus dem Leben zu bringen, scheint es eben unfassbar viele zu geben. Menschen, die das gern lesen, ebenfalls. Als Genre innerhalb des Genres behauptet sich seit rund 30 Jahren der Regionalkrimi. Alte Städte, urige Landschaft eignen sich für das Fach besonders gut. Lüneburg ist eine alte Stadt, die Heide bietet nicht nur im November und im Februar großartige Schaurigkeitswerte. Am besten kennt sich ein Autorenduo mit dem Morden rund um Lüneburg aus. Band sechs erscheint.

Die Kommissarin wurde im Café geboren

Vor fünf Jahren wurde in einem Lüneburger Café Katharina von Hagemann geboren. Die glücklichen Eltern heißen Kathrin Hanke und Claudia Kröger. Kathrin Hanke studierte in Lüneburg Kulturwissenschaften, arbeitet in Hamburg als Werbetexterin. Claudia Kröger lebt bei Lüneburg als freie Autorin. Die ins Leben gerufene Katharina von Hagemann ist wie die Autorinnen so in den frühen 40ern, sie ist eine Zugezogene. In München ist ihr Schlimmes passiert, das trieb sie in den Norden. Nun also ermittelt sie in Lüneburg – mit Erfolg.

Bevor die Autorinnen zueinanderfanden, waren sie nicht befreundet. Das erleichtert die Zusammenarbeit, sie wird nicht von Persönlichem überdeckt. Natürlich funken Hanke/Kröger beim Schreiben auf einer Wellenlänge. Sie treiben ihre Romane im Wechsel voran, telefonieren darüber täglich. Längst haben sich zur Fehlervermeidung Karteikasten und Datenbanken mit Infos zu den Personen, ihrer Wohnsituation, ihren Gewohnheiten gefüllt. Es soll nicht so sein, dass aus dem schwarzen Ledersofa plötzlich ein rotes wird. Hanke/Kröger haben sich seit dem „Blutheide“-Debüt einen treuen Leserstamm in der Region erschrieben, da gibt es sofort Protest, wenn etwas nicht stimmt.

Band sechs erscheint am 7. Februar, die Autorinnen haben das fertige Buch noch nicht in Händen gehalten. Wie die Vorgänger erscheint „Mordheide“ im Gmeiner Verlag. Das ist der Top-Verlag für Regionalkrimis. Die Gmeinersche Deutschlandkarte ist längst gespickt mit Orten und Regionen, in denen mörderisches Geschehen in genau recherchiertem Umfeld zu Tage tritt. Der Verlag will mehr von den beiden Autorinnen. „Der siebte Band muss im April abgegeben werden“, sagt Kathrin Hanke. „Den achten haben wir schon in den Köpfen“, ergänzt Claudia Kröger.

Katharina von Hagemann bekommt es aktuell mit dem Mord an einem zehnjährigen Pflegesohn einer Architektin zu tun. Es folgen viele Verdächtige, keine Spur. Handlungsort ist weitgehend St. Dionys – ohne Golfplatz. Was ist anders als zuvor? „Wir haben am Ende einen richtigen Cliffhanger eingebaut, das haben wir bisher nicht gemacht“, sagt Kathrin Hanke. Cliffhanger bedeutet: Eine Sache ist nicht auserzählt, soll zum Lesen des nächsten Bands verlocken. Sollte die sympathische Katharina von Hagemann in Gefahr sein? Gibt es einen unerkannten Schurken? Die Autorinnen verraten nichts, das Buch liegt nicht vor – keine Chance, etwas anzudeuten.

Die Region lockt viele Autoren an

Besonders freuen sich die Autorinnen darüber, dass alle ihre Krimis neu als Hörbuch eingelesen werden. Sie erscheinen nach und nach mit 500 Minuten Hördauer und mehr. Besser als Sprecherinnen wie Saskia Kästner oder Beate Rysopp zuzuhören, ist es natürlich, zu den Lesungen der Autorinnen zu gehen. Die Premierenlesung zu „Mordheide“ findet am Donnerstag, 15. Februar, um 20 Uhr bei Lünebuch statt. Eine zweite folgt am Dienstag, 20. Februar, um 19.30 Uhr in der Dörpschün Salzhausen.

Hanke/Kröger haben sich zwischen Heide, Elbmarsch und Wendland mit nun einem halben Dutzend Krimis an die Spitze der Regionalkrimis geschrieben. Im Kriminetz zappeln aber so einige weitere Autoren mit Lüneburger Ermittlern. Sehr präsent ist mit Lesungen der frühere Lüneburger Kripomann Ulrich W. Gaertner („Rot macht tot“, „Trilogie des Mordens“). Frank Goykes „Lüneburger Totentanz“ führte ins Mittelalter. Die heute in Italien lebende frühere LZ-Redakteurin Brigitte Kanitz schrieb einen „Mord mit Schnucke“. Auch Meike Dannenberg („Blumenkinder“) lebte über ihr Studium hinaus lange in der Stadt. Zu den Wiederholungstäterinnen zählen – mit einigem Erfolg – Angela L. Forster („Heidefeuer, „Heidegift“) und die auch in anderen Genres unter anderen Namen schreibende Petra Mattfeldt aus Verden („Sekundentod“, „Tod und Spiele“). Beide haben einen Verlag im Rücken.

Es gibt noch einige mehr, die sich mit Regionalkrimis melden, die meisten aber müssen ihre Schreibe in Selbstverlagen unterbringen. Einige weitere Autoren: Gerhard Nattler bittet zum Mord in die Lüneburger Heide („Der Rosensplitter“), Hans-Felix Trunkwalter lässt einen Jäger vom Hochsitz fallen („Die Todesleiter“) und eine bulgarische Prostituierte im Kreis Lüneburg erstechen („Blut, Schweiß und Tränen“). Michael Thode rückt in einem Heidedorf ein autistisches Mädchen ins Zentrum der Ermittlungen („Das stumme Kind“). Auch Robert Marten („Im dunklen Holz“), Barbara Kolbe, Bernd Storz, Christian Oehlschläger („Der Neunwürger“) und weitere finden die Heide mörderisch gut.

Ranking der Regionalkrimis

Erfolg ist relativ

Nimmt man Amazon und sein Bestseller-Ranking zum Maßstab, dann zeigt sich, dass mit Lüneburg-Krimis niemand reich wird. Hier eine Auswahl aus den oben genannten Büchern in den laufend sehr stark schwankenden Platzpositionen innerhalb Amazons, Stand 31. Januar, 18 Uhr:

„Heidefeuer“ 92 244
„Der Neunwürger“ 179 566
„Blutheide“ 188 879
„Mord mit Schnucke“ 219 369
„Sekundentod“ 242 828
„Blumenkinder“ 408 767
„Rot macht tot“ 720 105
„Die Todesleiter“ 909 993
„Lbg.er Totentanz“ 1 122 130
„Im dunklen Holz“ 1 335 000

Von Hans-Martin Koch