Aktuell
Home | Kultur Lokal | McCabe hat es rausgerissen
Ganz konzentriert im Hier und Jetzt: Mirjam Werner probt daheim eines ihrer Lieblingsstücke, John McCabes kurvenreiches Stück „Canto for Guitar“. (Foto: ff)

McCabe hat es rausgerissen

Betzendorf. Als sie mit John Dowland durch war und mit dem Villa-Lobos, da hatte Mirjam Werner durchaus den Eindruck, dass da noch Luft nach oben gewesen wäre – „aber der McCabe hat wohl alles rausgerissen“. Die Jury dagegen war ohnehin der Meinung, dass es nichts zu mäkeln gab: 25 Punkte. Damit ist die 15-jährige Gitarristin eine von nur zwei Musikern, die bei dem vier Landkreise umfassenden Regionalwettbewerb Jugend musiziert am Wochenende in Lüneburg die Bestnote bekam.

Zunächst nur ein bisschen herumgeklampft

Mirjam Werner lebt mit musikalischen Geschwistern: Die drei Schwestern spielen Klavier, Harfe und Klarinette, der Bruder Querflöte. Zu ihrem eigenen Instrument kam sie eher per Zufall – eine irgendwo aufgestöberte Gitarre mit nur noch fünf Saiten. „Da habe ich ein bisschen drauf herumgeklampft“, sagt Mirjam Werner. Sie probierte die üblichen Akkorde, die bei Liedbegleitungen notwendig sind, nicht etwa für aktuelle Popsongs, sondern für so Gassenhauer wie das „Knallrote Gummiboot“. Aber das junge Mädchen war von der Gitarre mit den Nylonsaiten infiziert und hatte schon bald Erfolg: Vor drei Jahren holte sie in der Solowertung 23 Punkte, was bereits für die Qualifikation zum Landeswettbewerb reichte, und das Jahr darauf gab es – im Duo – das gleiche gute Ergebnis. Dann war ein Jahr Contest-Pause, „ich hatte zwischenzeitlich mal etwas die Lust verloren“, sagt Mirjam.

So etwas ist also auch mal möglich, und dann kehrte die Lust offensichtlich mit Macht zurück. Natürlich hat sie heute ein angemessenes Instrument, eine handgefertigte Meistergitarre aus einer Berliner Werkstatt. Mirjam Werner wurde im Wettbewerb, obwohl sie in Betzendorf wohnt, unter den Preisträgern des Landkreises Lüchow-Dannenberg aufgeführt. Tatsächlich fährt sie einmal die Woche nach Lüchow, zu ihrem Lehrer Jan Erler – „das ist anstrengend, lohnt sich aber.“

Drei Stücke aus drei Epochen waren bei Jugend musiziert gefordert. Sie suchte sich also ein Stückchen Alte Musik von John Dowland (1563-1626) aus, dazu das berühmte Prelude No. 1 in E-Moll des Brasilianers Heitor Villa-Lobos (1887-1957), und eben den „Canto for Guitar“ des Zeitgenossen John McCabe – ein wendungsreiches Neun-Minuten-Stück mit ausgeprägter Dynamik, das allerhand Spieltechniken erfordert. Mirjam kommt das zupass, „da kann ich richtig musizieren“, Klassik ist ihr zu süßlich. Am Daumen-Anschlag müsse sie noch ein wenig arbeiten, und die Nervosität in den Griff bekommen, da helfen dann Konzerte ohne Jury, zum Beispiel das D-Dur-Gitarrenkonzert von Vivaldi, das sie kürzlich mit Orchester in einer Kirche in Lüchow spielte.

Keine Zeit für Kickboxen

Geübt wird täglich, vor Wettbewerben mit verschärftem Pensum. Und sonst? Im Bücherregal stapeln sich Fantasy-Romane, Harry Potter zum Beispiel, dazu kommen Krimis. „Kickboxen würde ich gern machen, ich stehe auf Kampfsportarten.“ Aber dazu müsste sie dann wieder fahren, und auch der Tag von Mirjam Werner hat nur 24 Stunden. Jetzt freut sie sich auf den Landeswettbewerb. Vorher aber stehen noch die Preisträgerkonzerte von Jugend musiziert an: Sonnabend, 10. Februar, 17 Uhr im Elbschloss Bleckede, dazu am 11. Februar um 11 Uhr im Marstall Winsen und um 17 Uhr im Rathaus Uelzen.

Von Frank Füllgrabe