Donnerstag , 22. Februar 2018
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Die magischen Kugeln
Philip Richert, der gemeinsam mit Gregor Müller Regie führt, als "Stelzfuß". (Foto: t&w)
Philip Richert, der gemeinsam mit Gregor Müller Regie führt, als "Stelzfuß". (Foto: t&w)

Die magischen Kugeln

Lüneburg. Es war das Theaterereignis des Jahres 1990, geboren im Hamburger Thalia Theater. Zu bestaunen waren rätselhafte Gestalten auf Stelzen, irritierende Bilder, zeitlupenhafte Bewegungen, Rockmusik, der tiefe Wald und eine düstere Geschichte um Liebe, magische Kugeln und Tod. Robert Wilson schuf „The Black Rider“ – sehr frei nach dem „Freischütz“ und mit einer bis dahin in Europa kaum gesehenen Ästhetik. „The Black Rider“ wurde ein Welthit, und nun erreicht das Stück mit den Songs von Tom Waits das Theater Lüneburg. Es wird anders als das, was sonst hier auf die Große Bühne kommt.

Die Geschichte ist die der alten Sage aus einem Gespensterbuch, die schon Carl Maria von Weber für seine Oper „Der Freischütz“ ausweidete. Webers so romantisches wie unheilvolles Werk, 1821 uraufgeführt, wurde zur ersten deutschen Nationaloper hinaufgelobt. „Der Freischütz“ steht nach wie vor auf den Spielplänen deutschsprachiger Theater.

Worum geht es? Der Schreiber Wilhelm möchte die Förstertochter Käthchen heiraten. Doch bevor der Förster sein Ja-Wort gibt, muss Wilhelm sich beweisen und einen Probeschuss abgeben. Trifft er das Ziel, bekommt er Käthchen. Wenn nicht, kann er gehen. Wilhelm aber kann nicht schießen, sein Nebenbuhler Robert, ein fescher Jägerbursche, der kann das. Wilhelm verzweifelt, aber da trifft er im Wald Stelzfuß, einen dämonischen, teuflischen Magier, der ihm Zauberkugeln anbietet – „magic bullets“. Sie treffen immer, aber sie werden am Ende ein Ziel finden, das die Geschichte ins Tragische wendet.

Robert Wilson stieß per Zufall auf die Geschichte vom Teufelspakt und zäumte die Geschichte neu auf. Der amerikanische Theatermacher holte für das Libretto den Beatnik-Autor William S. Burroughs, einen Mann, der alle Tiefen durchmessen hat. Burroughs (1914-1997) erschoss einst im Suff seine Frau, der Vorfall wurde als Unfall deklariert. Für „Black Rider“ war Burroughs der richtige Mann.

Musik von Tom Waits

Die Musik zu „The Black Rider: The Casting of the Magic Bullets“ schrieb Tom Waits, einer der eigenwilligsten Musiker der USA. Waits kam im Mai 1989 nach Hamburg, lebte bei Greg Cohen, der, das nebenbei, am 26. Februar in der Lüneburger Musikschule auftritt. Die „Black Rider“-Musik wurde auch auf CD eingespielt.

Die Songs werden in der Lüneburger Fassung auf Englisch gesungen, die Handlung werde deutlich, sagt Hilke Bultmann, die als Dramaturgin die Produktion begleitet. Regie in Lüneburg führt das Duo, das im Foyer des T.NT einen ähnlich schrägen Hit hatte: „Struwwelpeter“, die schaurige, rockige „Junk Oper“ nach dem ohnehin schaurigen Buch von Heinrich Hoffmann (2018/19 wieder zu sehen). Nun packen Gregor Müller und Philip Richert den „Black Rider“ an, führen gemeinsam Regie und spielen mit – Müller als Unglücksschütze Wilhelm, Richert als Stelzfuß. „Wir sind unserem Intendanten Hajo Fouquet sehr dankbar, dass wir das Stück auf der Großen Bühne machen dürfen“, sagt Richert.

Die Produktion bringt eine eher ungewöhnliche Farbe in den Spielplan. Täuschen die Proben nicht, wird es ziemlich dunkel – von der Geschichte her und auch vom Licht. Für Bühne und Kostüme ist Swana Gutke zuständig. Dazu kommen große Masken und Puppen, die Egon Buttschaft gebaut hat.

Premiere schon ausverkauft

Vom Ballett stößt Júlia Cortés zum Team, sie ist als Käthchen zu sehen und wird neben dem tänzerischen einen artistischen Einsatz haben. Stefanie Schwab wird als Wilhelms Nebenbuhler Robert zu sehen sein, die Maske macht es möglich. Außerdem sind Nils Bannert, Silvan Hahn und Dominik Semrau, alle in mehreren Rollen, zu erleben.

Die Band leitet Keyboarder Benjamin Albrecht. Gitarre spielt Jan Hellberg, am Schlagzeug sitzt Henning Thomsen, Bass und Horn bedient Robert Schulz, außerdem wird Gregor Müller zur singenden Säge greifen, Philip Richert zur Gitarre und Dominik Semrau Posaune und Trompete spielen.

Die Premiere am Freitag, 9. Februar, ist ausverkauft, die magischen Kugeln fliegen wieder am 14., da gibt es noch Karten, die Vorstellung am 16. Februar ist wiederum ausverkauft.

Von Hans-Martin Koch