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Nicht ohne die knallrote Federboa: Jan Harrington als Diva im T.NT. Foto: t&w

Ein Leben voller Musik

Lüneburg. Die großen Bühnen der Welt sind ihr seit Mitte der Sechziger vertraut. Und seit dreißig Jahren belebt Janice Harrington auch die großen und kleineren in Lüneburg. Fast so lange ist die temperamentvolle Entertainerin, Sängerin und Produzentin, die Gründerin des ersten Lüneburger Gospelchors und Organisatorin mannigfaltiger Konzerte und Workshops mit dem Lüneburger Posaunisten und Klavierexperten Werner Gürtler verheiratet. Nicht wenige ihrer Fans, die ihr Life-Story- Konzert mit dem Titel ihrer Eigenkomposition „What My Eyes Have Seen“ im ausverkauften T.NT verfolgten, waren schon dabei, als sie Anfang der 1990er ihr Lüneburger Debüt gab, mit dem ersten von vielen unvergesslichen Gospelabenden in der überfüllten Nikolaikirche.

Damals wie heute sprüht Janice vor Temperament und Lebensfreude, nutzt ihre tiefe Stimme, immer noch eine „Röhre“, für authentische Interpretationen. Ihre Begeisterungsfähigkeit für die tanzbare Musik ihrer Kindheit und Jugendzeit ist ungebrochen, ebenso ihr Respekt, den sie ihren großen Vorbildern zollt, Stars der Gospel- und Spiritual-Szene, des Blues, Boogie, Rock`n`Roll oder Jazz. Manche berühmten Künstler traf sie persönlich, darunter Sammy Davis Junior und B. B. King.

Zwischen Jazz, Gospel und Rock`n`Roll

Wie intensiv von ihr verehrte Musiker ihre Laufbahn und ihr Privatleben prägten, ließ sich während Janice Harringtons dreistündiger Performance erahnen. Gospel-Hits wie Edwin Hawkins „Oh Happy Day“, Traditionals wie „Didn’t It Rain“, Songs wie Billie Holidays „Mamma Says“, Ella Fitzgeralds „I Got Rhythm“, Irving Belins „You Can Have Him“ oder Perren/Fekaris‘ „I Will Survive“ baute sie samt feschem Rock’n’Roll-Medley mit gepfeffertem Hüftschwung in ihr Solo ein.

Begleitet wurde sie von einer virtuos agierenden Band mit Hans-Malte Witte am Saxophon, Boogie-Queen Amelie Protscher am Piano, Ullrich Maletschus am Schlagzeug und Jens Balzereit (Bass). Nicht zuletzt zeigte Janice Harringtons humorvoller Ehemann Werner Gürtler auf der Posaune seine Soloqualitäten.
Die 75-jährige Künstlerin illustrierte ihr Solo mit eigenen Videos und Fotografien ihrer Vorbilder und Freunde und natürlich auch ihrer großen Familie, inklusive ihrer fünf Kinder, 19 Enkel und acht Urenkel. Sie genoss es, und mit ihr das Publikum, sich in Baptistenrobe zu zeigen, in grauem Rock und Küchenschürze, sich dann mit knallroter Federboa oder Diadem zu schmücken wie Dinah Washington oder Billy Holiday auf deren Starfotos, und schließlich als gold- und schwarzglitzernde Diva mit verschiedenen Perücken aufzutreten.

Als Teenager Mutter von Zwillingen

Meist in ihrer Muttersprache gab sie Episoden aus ihrem Leben zum Besten, erzählte, wie sie mit 14 fünf Mal die Woche in die Kirche ging, noch als Teenager heiratete und Zwillinge bekam, wie sie in Las Vegas auftrat, in Europa und als Wahl-Hamburgerin in Deutschland. Wie immer, wenn sie auftritt in Lüneburg, nahm das Konzert erst nach mehreren Zugaben ein Ende, diesmal nach dem „Basin Street Blues“, „Down By The Riverside“, dem vom Publikum mitgesungenen „Glory Hallelujah“ und schließlich „Bye Bye Blackbird“.

Von Antje Amoneit