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Das Team des Theaters Rampenlicht läuft, vier vom Vorstand lassen laufen: vorn Gunnar Jargstorff (li) und Jürgen Baumgarten, hinten Christian Baumgarten und Susanne Ganter. Foto: t&w
Das Team des Theaters Rampenlicht läuft, vier vom Vorstand lassen laufen: vorn Gunnar Jargstorff (li) und Jürgen Baumgarten, hinten Christian Baumgarten und Susanne Ganter. Foto: t&w

Verraten wird nix

Lüneburg. Sie schleppen Podeste, rücken ein Sofa, da kommt noch wer mit „Hallooo“, es wuselt im Theatersaal der KulturBäckerei. Gleich ist Probe. Also zum Gespräch besser raus in den Kunstsaal, wo die Rixdorfer Drucke schweigen. Stühle reihen sich um einen Fernseher. Er hat ein Problem: „Neues Software­up­date verfügbar. Möchten Sie jetzt aktualisieren?“ Okay. Das passt sogar, denn um ein Update geht es ja. Ums Aktualisieren sowieso, nämlich um 20 Jahre Amateurtheater Rampenlicht. Da rundet sich einiges.

Zum Beispiel „schließt sich ein Kreis. Wir haben mit einem Krimi von Agatha Christie angefangen, spielen jetzt wieder einen“, sagt Jürgen Baumgarten. Er ist das Rampenlicht-Urgestein. Mitgründer, Autor, Regisseur, Darsteller, Motivator, Organisator, Lobbyist, Dokumentar und sicher noch einiges mehr. 1998 spielte Rampenlicht zum Start „Der ungebetene Gast“, zum 10. März stellen sie „Die Mausefalle“ auf.

Sämtliche Vorstellungen sind ausverkauft

Sie ist allerdings schon zugeschnappt: Sämtliche Vorstellungen im 90 Plätze fassenden Theatersaal sind ausverkauft. „So schnell ging es noch nie“, sagt Gunnar Jargstorff, der zweite Vorsitzende. „Wir können keine weiteren Termine anbieten, da wir ja alle auch ein Leben neben dem Theater haben“, ergänzt Baumgarten. Mal sehen, ob er nicht doch noch ein Mauseloch im Kalender findet. . .

Ein weiterer Kreis schließt sich. Denn ein Baumgarten kommt bei Rampenlicht selten allein. Jürgen Baumgarten: „1998 führte ich Regie und mein Bruder Christian spielte den Mörder. Jetzt führt er Regie und ich bin verdächtig.“ Neben den Baumgartens sind fünf der elf Gründer nach wie vor dabei. Alles in allem zählt die Bühne zurzeit 38 Aktive und Passive. Die Zahl schwankt, „wir haben leichten Zuwachs. Es ist aber nicht so, dass Menschen, die spielen wollen, uns überrennen“, sagt Jargstorff. Wachsen um des Wachsens willen ist allerdings auch nicht angesagt. „Einen gewissen Qualitätsstandard wollen wir halten“, sagt Baumgarten. Vier Mitglieder haben mittlerweile eine Ausbildung zum Theaterpädagogen absolviert.

Kontinuität und Verlässlichkeit bei der Qualität

Rampenlicht hat sich auf der Lüneburger Amateurtheater-Ebene mit Krimi und Komödie eine Art Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Das geht nur durch Kontinuität und Verlässlichkeit bei der Qualität. Die Rampenlichter besitzen mittlerweile so viel Stammpublikum, dass neun Aufführungen eben nicht ausreichen.

Über die 20 Jahre kann Jürgen Baumgarten 13 abendfüllende Rampenlicht-Produktionen auflisten, darunter vier Agatha-Christie-Stücke und drei Uraufführungen. Die hat er selbst geschrieben. 95 Mitspieler habe es gegeben, weist Baumgartens Statistik aus. Die muss stimmen, denn das mit den Zahlen hat der Theatermann beim Finanzamt gelernt.

Alle stehen plötzlich unter Mordverdacht

Es existieren heute in Lüneburg mehrere freie, von Profis betriebene Bühnen. Das Theater zur weiten Welt und das Thomas.Ney-Theater zum Beispiel nutzen ebenfalls die Bühne in der KulturBäckerei, auch das vor allem pädagogische Stücke zur Prävention präsentierende Schauspielkollektiv. Gegen dieses Profi-Angebot zu bestehen ist nicht leicht für Amateurtheater. Rampenlicht aber steht glänzend da. Der Kontakt mit den Profis läuft in der KulturBäckerei reibungsfrei, „kollegial“, sagt Jürgen Baumgarten.

Nun also Agatha Christies „Mausefalle“, das Stück mit dem unfassbaren Rekord: Es wird seit 1952 täglich im Londoner West End aufgeführt. Im Berliner Kriminal Theater wurde der Krimi auch schon mehr als 1300-mal gespielt. Das so ungeheuer beliebte Stück führt in eine von der Außenwelt abgeschnittene Pension, in der alle plötzlich unter Mordverdacht stehen. Nach jeder Aufführung wird das Publikum in London gebeten, die Lösung nicht zu verraten. Winston Churchill, so ist zu lesen, habe schon zur Pause gewusst, wer es war. Verraten hat er nix.

Von Hans-Martin Koch