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Auch das Besuchergewusel in Venedig wird mit vielen kleinen Szenen im Miniatur Wunderland nachgestellt. Foto: Miniatur Wunderland

Mit Liebe zum Detail

Hamburg. Italien entstand in fünf Jahren. Eigentlich in drei, aber Venedig fehlte noch. Die Stadt muss sich nun mit neun Quadratmetern begnügen. Die aber haben es in sich wie alles, was im Miniatur Wunderland in Hamburgs Speicherstadt zu bestaunen ist. Man muss kein Freund von Modellbau sein, um sich von den Ideen und dem Reichtum an Bildern der Wunderland-Macher anstecken zu lassen. Nun also ist „La Serenissima“, die allerdurchlauchtigste Stadt, fertig, zum Quadratmeterpreis von 100.000 Euro – „rekordverdächtig“, sagt Frederik Braun, der mit seinem Bruder Gerrit die größte Modelleisenbahnanlage der Welt schuf – auch wenn durch Venedig keine Bahn fährt.

Das Miniatur Wunderland ging im Jahr 2000 mit der fiktiven Stadt Knuffingen in Betrieb. Mittlerweile wuchs die Ausstellungsfläche auf knapp 1500 Quadratmeter Fläche. Immer neue Themen kamen hinzu: Skandinavien samt Ebbe-Flut-Simulierung, Österreich und die Schweiz, die USA und natürlich Hamburg. Die Elbphilharmonie war nach einem Jahr Bauzeit abgeschlossen, was in den Medien viele Berichte auslöste. Das Dach der Miniatur-Elbphilharmonie kann aufgeklappt werden, sodass der Blick in den großen Konzertsaal fällt.

21 Millionen Euro für eine Mini-Welt

Alles in allem wurden bisher rund 21 Millionen Euro in die kleine Welt investiert. 360 Mitarbeiter sind im Einsatz für Technik, Bau, Betrieb, Besucher und Bewegung – zum Beispiel auf dem Flughafen Knuffingen. Fast alles wurde und wird im Maßstab 1:87 erstellt, bei großen Gebäuden wie der Elphi oder Schloss Neuschwanstein gibt es aber Abweichungen.

Die Popularität des Hauses ist riesig: Zweimal wählten ausländische Touristen das Miniatur Wunderland zur Top-Attraktion Deutschlands. Mehrere „Großstadtrevier“-Folgen wurden in de Kulissen gedreht, Popmusiker wie Samy Deluxe und Carsten Pape nutzten den Ort für Videos bzw. CD-Präsentationen.

Zurück nach Venedig. In mehr als 35.000 Stunden entstanden Gassen, Kanäle, Gondeln und Palazzi. Eine Herausforderung war es, den Verfall der reich verzierten Gebäude durch das regelmäßige Hochwasser realitätsgetreu abzubilden. Bis zu 60 Mitarbeiter schufen mehr als 280 Häuser und Brücken, installierten 4000 LEDs, verlegten rund fünf Kilometer Kabel, um zum Beispiel Tag- und Nachtstimmungen zu realisieren. Allein der berühmte Dogenpalast, erstellt aus 2700 Einzelteilen, zeigt die Präzisionsbesessenheit der Modellbauer.

Hamburg-Touristen betrachten Venedig-Touristen

„Es ist der mit Abstand detailreichste Abschnitt geworden“, sagt Frederick Braun. Nun also können Hamburg-Touristen den Venedig-Touristen zuschauen. Mehr als 30 Millionen Besucher verstopfen Jahr um Jahr Venedig. Im Miniatur Wunderland freuen sich jährlich weit mehr als eine Million Menschen über das Spiel mit Schauwerten. Mehr will das Haus nicht bieten, davon aber sehr, sehr viel. oc