Mittwoch , 26. September 2018
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„Das tragikomische Labyrinth: Hohe Schule“, geschaffen zwischen 1944 und 1946. Foto: Christoph Irrgang
„Das tragikomische Labyrinth: Hohe Schule“, geschaffen zwischen 1944 und 1946. Foto: Christoph Irrgang

Es geht immer um alles

Jesteburg. Das Gute an Gesamtkunstwerken ist, dass sie sich nie zur Gänze entschlüsseln lassen und jede Zeit eine neue Perspektive auf das hat, was da Rätsel aufwirft. „Schlummernde Schätze“ hebt jetzt die Kunststätte Bossard im Wald hinter Jesteburg. Die Schätze schuf Johann Bossard, der mit seiner Frau Jutta von 1911 bis 1950 in der Abgeschiedenheit ein Anwesen bzw. ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst schuf. Die Stiftung, die sich heute um den Erhalt kümmert, zeigt nun Teile der Sammlung, die bisher nicht an die Öffentlichkeit kamen.

Der erste Teil der schlummernden Schätze dreht sich um Bossards „Kreise“. Sie stammen aus der letzten großen Schaffensphase des Künstlers zwischen 1944 und 1949 – Bossard starb 1950 im Alter von 75 Jahren. Wie in allem, was Bossard schuf, strebt er nach etwas Allumfassendem, über das Irdische Hinausweisende. Bossards „Zwölf Kreise der Weltgeschichte“ umfassen Darstellungen von Kulturepochen, mythologischen Themen, vom Jahreslauf, aber auch von Facetten der jüngsten Zeitgeschichte wie Technokratie und Atomzeitalter. So umreißt die Kunststätte das Konglomerat von 200 Grafiken und Gemälden.

Zwölf Kreise der Weltgeschichte

Die Auseinandersetzung mit spirituellen Fragen durchzieht das gesamte Schaffen von Johann Bossard. Er schuf sich einen „Kunsttempel“ im Wald, befasste sich mit den Weltreligionen, mit Theosophie und Anthroposophie, mit nordischen und anderen Mythologien. Alles verfließt in seinem Schaffen zu einem persönlichen, in seiner Bildsprache überbordenden Kosmos, verbunden mit spirituellen Botschaften. Das im Detail aufzudröseln, ist bisher nicht grundlegend angegangen – vielleicht aber auch nicht nötig.

Die „12 Kreise der Weltgeschichte“ bilden einen großen Zyklus, der sich wiederum in zwölf kleinere Zyklen unterteilen lässt. Es geht dem späten Bossard, so ist es zu lesen, um das Werden und Vergehen, „den Aufgang und Niedergang ganzer Kulturepochen“. Es geht also ums große Ganze, ein stets gewaltiger und nicht abschließend zu bewältigender Anspruch. „Wenn das ganze Werk auch einheitlich zusammenhängt, zwar sehr verschieden in Technik & Gehalt, so sollen die einzelnen Abteilungen jeweils ein Ganzes für sich darstellen“, erklärte Johann Bossard 1946.

Für die Ausstellung ausgewählt wurde eine Auswahl von fünf der zwölf Kreise, ein Großteil wurde bisher nie öffentlich gezeigt. Der Kreis „Götter und Menschen“ umfasst 14 Tafeln, die einen Bogen von der antiken griechischen Mythologie über Buddhismus, christliche Glaubenslehre bis zur nordischen Mythologie spannen.

Überraschende Karikaturen

Der Kreis „Das Tragikomische Labyrinth“ überrascht mit humorvollen karikaturistischen Darstellungen, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten sollen. Der Kreis „Gartensaal“ zeichnet einen idyllischen Charakter aus. Der Kreis „Die Blauen Duette“ ist der mit sechs Tafeln kleinste Kreis und ganz auf Farbwirkung ausgelegt. Der Kreis „Bänkelsängers Weltgeschichte“ ist der Größte der zwölf Kreise, zwei der 32 Tafeln sind zu sehen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 25. Februar, um 11 Uhr eröffnet, mit einer Einführung von Janina Willems. Die Kunststätte öffnet bis 28. Februar sonntags 11-16 Uhr, dann mittwochs bis sonntags 11-18 Uhr.

Von Hans-Martin Koch