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Ben Aaronovitch, Star der Urban Fantasy, kommt am 1. März nach Lüneburg. Foto: Sabrina Aaronovitch

Scotland Yard und die Flussgeister von London

Lüneburg. Scotland Yard ist weltberühmt, nicht zuletzt durch Krimi-Literatur und -Film. Eigentlich gilt der Metropolitan Police Service in London als eine ganz normale Polizei – mit einem winzigen Unterschied: Neben den üblichen Abteilungen für Betrug, Mord, Rauschgift und so weiter gibt es auch eine für Zauberei. Denn in London hausen allerhand düstere Gestalten, die der Magie mächtig sind. Die Antwort vom Yard heißt Peter Grant, Police Constable und Zauberlehrling. Er ist der Held des Romans „Der Galgen von Tyburn“, Ben Aaronovitch stellt ihn am Mittwoch, 1. März, 20 Uhr bei Lünebuch als Gast der British Book Week vor.

Zauberei im modernen England

Der Schriftsteller und Drehbuchautor Ben Aaronovitch, 1964 in London geboren, ist bei uns vor allem für seine Reihe „Die Flüsse von London“ bekannt. „Der Galgen von Tyburn“, 2017 in deutscher Übersetzung erschienen, ist der sechste Teil der Urban-Fantasy-Reihe und schaffte es auf Platz eins der Taschenbuch-Bestsellerliste des „Spiegel“. Stichwort Urban Fantasy: Es geht um Zauberei im modernen England, was natürlich an Harry Potter erinnert.

Tatsächlich ist Peter Grant zwar ebenfalls Zauberlehrling, aber eben kein Teenager, sondern ein ausgewachsener Polizist. „Die üblichen Verdächtigen“, mit denen er es zu tun hat, sind Flussgeister, die sich recht konkret in Grants Leben einmischen – Cecilia Tyburn Thames (alias Lady Ty) beispielsweise, die Göttin des Flusses Tyburn. Der Tyburn wiederum ist ein vollständig unterirdisch verlaufender Bach in London, der als Teil des Londoner Abwassersystems verläuft. Er ist zugleich Namensgeber des Dorfes Tyburn.

Er schrieb Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie „Doctor Who“

Eine Gruppe unternehmungslustiger Teenager bricht in eine luxuriöse Londoner Wohnung ein und feiert eine wilde Party, mit Sex und reichlich Drogen. Am Ende gibt es eine Tote, anscheinend das Opfer einer Überdosis. Ein Fall für Peter Grant, denn eine der Jugendlichen ist die Tochter einer sehr magischen Kreatur – eben von Lady Ty. Für Police Constable Grant gilt es nun, den Todesfall aufzuklären, mit Lady Ty auszukommen und zu vermeiden, selbst von Geistern gekillt zu werden.

Ben Aaronovitch, der auch die Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie „Doctor Who“ schrieb, ist eigentlich Buchhändler. Er hat die Arbeit im Buchladen aber inzwischen (ohne großes Bedauern, „zu anstrengend!“) aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Peter Grant wird ihn wohl noch eine Weile beschäftigen. Aaronovitch im Interview mit dem dtv-Verlag: „Ich habe vor weiterzuschreiben, bis ich a) keine Ideen mehr habe, b) die Leute die Bücher nicht mehr kaufen oder c) ich tot bin.“ Auf die Frage nach seinen literarischen Vorbildern führt der Londoner einmal quer durch sein Genre: „Schwierig… Sir Terry Pratchett, Louise MacMaster Bujold, CJ Cherryh, Toni Cade Bambera, Iain Banks, Stuart McBride, Len Deighton – vor allem seine Geschichtsbücher, Jack Vance, Michael Moorcock, Toni Morrison und viele andere“.

Antje Freudenberg und die deutschen Reviere

Die Lesung von Ben Aaronovitch bei Lünebuch wird moderiert von Antje Freudenberg, die Oberkommissarin erscheint in der LZ sonst vor allem als Sprecherin der Polizei Lüneburg. Antje Freudenberg hatte den Bestseller-Autor als Follower über Twitter kennengelernt, sich schließlich mit ihm im vergangenen Jahr im Rahmen eines Urlaubs in London getroffen: „Ich dachte, das wird eine halbe Stunde, aber dann haben wir vier Stunden lang im Café gesessen.“ Aaronovitch interessierte sich unter anderem – mit Blick auf künftige Krimis – für den Alltag der deutschen Polizei. „Ich habe ihm beispielsweise unsere Büros beschrieben, die viel kleiner und persönlicher ausgestattet sind als die Londoner Großraumbüros. Dort hat nicht einmal jeder Kollege einen eigenen Schreibtisch.“ Das Gespräch drehte sich um Dienstwaffen, auch um das Hijab, das Kopftuch, das auch muslimische Polizistinnen tragen, was bei uns wiederum unbekannt ist. Die Lesung ist einer von nur zwei Lese-Terminen des Autors, der andere ist in Berlin.

Von Frank Füllgrabe