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Regina Pätzer singt und spielt die Titelrolle in Hajo Fouquets „Carmen“-Inszenierung. Foto: t&w

Große Oper im Theater

Lüneburg. Das Theater hat auch in diesem Jahr einen guten Lauf. Nach jetzigem Stand werden die Besucherzahlen wieder sehr gut ausfallen. Aber noch kann viel pas sieren. Die nächste Premiere allerdings wird den guten Trend verstärken: „Carmen“ von Georges Bizet ist eine der beliebtesten Opern überhaupt. Carmen, das ist in Lüneburg Regina Pätzer, die zurzeit auch in „Murder Ballad“ zu erleben ist. José, der Mann der sie lieben will und töten wird, das ist der Tenor Karl Schneider. Die Premiere am Sonnabend, 3. März, um 20 Uhr ist ausverkauft.

Wer ist eigentlich Carmen? Wie ist sie? Was will sie? Was will sie mit José? Intendant und Regisseur Hajo Fouquet spricht darüber mit Hauptdarstellerin Regina Pätzer.

Hajo Fouquet: „Carmen“-Inszenierungen sind oft mit Folklore überfrachtet. Das wird dem Spannenden der Figuren nicht gerecht, nicht Carmen, nicht José. Damals, 1875, als die Oper erschien, war das ja ein Skandal: eine emanzipierte Frau! Das ist es heute natürlich nicht mehr, aber die Beziehung zwischen Carmen und José ist nach wie vor spannend. Sie hat diese Haltung: Mach, was ich will, dann bist du glücklich. José ist für sie interessant, weil er ihr nicht gleich hinterherhechelt. Es stellt sich die Frage: Will sie ihn nur rumkriegen oder ist er für sie darüber hinaus interessant? Es scheint so.

Regina Pätzer: Sie erwartet aber ein Gegenüber, das reagiert wie sie und nicht zweifelt. Sie spürt schnell seine Zweifel, sein Aber, Aber, Aber.

Fouquet: Letztlich ist er dann eben doch biederer, konventioneller als sie. Sie sucht immer nach Veränderung, ist dabei völlig angstfrei.

Pätzer: Für mich ist genau das wichtig, dass sie immer aktiv ist, vorangeht. Sie macht vieles gegen die Erwartungen anderer. Und das, diese Lust am Neuen, macht ja auch den Reiz der Figur aus. Man weiß nie, bis wohin das Spiel geht. Sie ist aber auf der anderen Seite in ihrer Stärke verletzlich. Eine tiefe Sehnsucht nach etwas, das sie nicht benennen kann, ist zu spüren.

Fouquet: Regina ist für mich eine Idealbesetzung für die Partie. Sie hat die Attraktivität und das Format, um die Facetten der Carmen zur Geltung zu bringen.

Pätzer: Ich durfte in die Partie früher schon einmal reinschnuppern, aber jetzt ist der Zeitpunkt perfekt, die Stimme ist bereit. Es heißt ja: Carmen musst du nicht spielen, Carmen musst du sein.

Fouquet: Die ganze Emotionalität, die Zerrissenheit, die Lust, jede Farbe muss in der Rolle erscheinen. José kann Carmens Sehnsucht nicht stillen. Er verwickelt sich in seinen Aktionen, will alles richtig machen, aber die Situation eskaliert immer weiter. Es kommt zu dem Moment, dass er nicht mehr zurück kann. Das führt zu ihrem Tod. Um das alles zu zeigen, darf die Inszenierung nicht folkloristisch-touristisch sein.

Pätzer: Diese Produktion lässt mehr Raum für die Personen.

Fouquet: Ich habe die „Carmen“ ja schon in Flensburg inszeniert, von dort kommen in dieser Kooperation Bühnenbild und Kostüme. Ich glaube aber, wir sind in unserer Produktion noch fokussierter. oc

Großaufgebot für die Inszenierung

Als Bonus ein Bandoneon

Ein Großaufgebot kommt bei „Carmen“ im Theater Lüneburg zum Einsatz. Zu den Solisten zählen neben Regina Pätzer und Karl Schneider auch Ulrich Kratz, Alexander Tremmel, Signe Ravn Heiberg, Franka Kraneis und viele andere. Thomas Dorsch leitet die Lüneburger Symphoniker, Opern-, Extra- und Kinderchor. Als Besonderheit kommt Bandoneonspieler Jakob Neubauer ins Spiel. Das Bühnen- und Kostümbild schuf Stefan Rieckhoff. Gesungen wird in französischer Sprache, übersetzt mit deutschen Übertiteln.