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Die NDR Intensivstation auf der Bühne: Stephan Fritzsche, Jean-Michel Räber, Axel Naumer und Antonia von Romatowski. im Hintergrund Saxophonist Matthias Dörsam und Schlagzeuger Dirik Schilgen. Foto: t&w

Hawking meckert nun mit dem armen Petrus

Lüneburg. Irgendwas stimmt mit den „Rosen“ nicht. Gut, dass Privatermittler Harry Stahl, alias Jean- Michel Räber unter dem Codenamen „Osterfeuer“ vor Ort ermit teln kann. Noch besser, dass das erprobte Team der NDR Info „Intensiv-Station“ ihm dabei hilfreich zur Seite stand. Das alles spielte sich am Sonntagabend im Hollywood Nordostniedersachsens ab, in den Lünehood-Studios im Kulturforum auf Gut Wienebüttel.

Ausverkauft war das Kufo, Moderator Axel Naumer gab mit 50  000 Besuchern eine vorsichtige Schätzung ab. Und da über jedem einzelnen Zuschauer zwei bis drei Richtmikrofone installiert worden waren, wurde zu Beginn der kurzweiligen Satireshow die Begeisterungsfähigkeit der Lüneburger getestet. „Klappt“, kommentierte Naumer trocken nach dem Jubelausbruch und sollte Recht behalten. Das Publikum ging begeistert mit und zeigte sich obendrein text- und tonsicher, als es abschließend die eintönige Liedzeile „leider geil“ intonierte.

Das Duo Simon & Jan präsentierte neben diesem Stück von Deichkind weitere hintersinnige Erkenntnisse und – stets freundlich vorgetragene – Boshaftigkeiten. „Das kann weg“, sangen sie sanft und meinten damit etwa die über die Maßen verschlagerte Atemlosigkeit.

Das Wesen einer modernen Politikerin

Mit Parodistin Antonia von Romatowski lernte das Publikum die typischen Facetten erprobter und neuer Politikerinnen kennen. „Wir bekämpfen den Krieg, indem wir uns an ihm beteiligen, bis zum Frieden“, faselte sie zum Beispiel als Ursula von der Leyen. Auch Annegret Kamp-Karrenbauer, neue CDU-Generalsekretärin, machte mit messerscharfer Analyse auf sich aufmerksam: „Der Islam gehört so viel zu Deutschland, wie es soll, sagt Kanzlerin Angela Merkel“. Damit wäre auch diese leidige Frage endlich geklärt.

Oberpfleger Fritzschensen, alias Stephan Fritzsche, hatte sich ganz aktuell mit dem Gemütszustand des wort- und inhaltskargen Olaf Scholz beschäftigt, der über die Gabe der natürlichen Eigenbetäubungsfähigkeit verfügt und den Oberpfleger mittels seines „generellen argumentellen Standsyndroms“ („Das müssen wir rasch auf den Weg bringen!“, „Das ist ein deutliches Signal!“, „Das ist ein Irrtum!“) beinahe hypnotisiert hätte.

Natürlich fehlten im satirischen Monatsrückblick weder Stephen Hawking, der wegen einer fehlenden Rampe mit dem geistig überforderten Türsteher Petrus herumstritt, noch Mark Zuckerberg, der sich endlos bei der „community“ entschuldigte und alle Schuld auf sich nahm und total sorry war. Flankiert wurde die Truppe vom (vierköpfigen) „Großen Tanz- und Unterhaltungsorchester“ und von Schauspielerin Nina Wurman, die für die Geräuschkulisse zuständig war: bravo!

Ein neues Heimatgefühl

Aber zurück zu den „Rosen“, mit denen was nicht stimmt, da auch die Schauspieler der gleichnamigen Erfolgssoap seit einigen Tagen kirre sind. Steckt der Russe dahinter? Gift? Dank Harry Stahl konnte im Live-Hörspiel aufgedeckt werden: Ein höchst wirksames Heimatgefühl wurde durch das Vermengen zweier Flüssigkeiten (Bier und Bratensaft) im Rahmen des „Osterfeuers“ ausgelöst, alle Lüneburger singen seitdem die deutsche Hymne und werden mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. Vom Inhaber des deutschen Heimatmuseums höchstpersönlich.

Von Silke Elsermann