Donnerstag , 22. November 2018
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Blick auf die Probe im T.3: Eine Szene mit Sarah Hanikel (als „Blondchen“) und Maxim Yaghi (Osmin). Foto: ff

Rache ist hässlich

Lüneburg. Zu den Zeiten von Wolfgang Amadeus Mozart war die Türkei weit weg: ein orientalischer Sehnsuchtsort, verbunden mit allerhand wildromantischen Vorstell ungen. Heute scheint die Türkei, obwohl unzählige Touristen aus dem Westen ins Land strömen, wieder fremd zu werden – wohl eine Folge der Politik Erdogans und der Flüchtlingskrise. Damals und heute, das verbindet die Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“ in einer Inszenierung von Friedrich von Mansberg; Premiere: Sonnabend, 7. April, 20 Uhr im T.3 des Lüneburger Theaters. Mit dabei: zwei echte Orientalen, die Syrer Maxim Yaghi und Siar Amrico, zu erleben als Sänger – und Rapper.

Unisono-Melodien und schnelle Schnörkel

Mozarts Vorstellungen von türkischer Musik, ihrer Tonalität und Harmonik, waren sehr abendländisch geprägt. Berühmt ist sein (zu einer anderen Gelegenheit komponierter) „Türkischer Marsch“. Die Oper, 1782 uraufgeführt, transportiert den Klang des Orients vor allem über die Instrumentierung, über die Große Trommel beispielsweise, die auch Türkische Trommel genannt wurde; Piccoloflöte und Triangel setzen weitere Akzente, die mit der „Janitscharenmusik“ in Verbindung gebracht wurden. Zwei weitere Tricks: Melodien werden im „Serail“ häufig unisono (also gleichklingend) geführt, was eigentlich nicht unseren Vorstellungen von kompositorischer Eleganz entspricht. Außerdem verzieren die Sänger/innen ihre Lieder zuweilen mit schnellen Schnörkeln, mit feinen Umspielungen, was dann auch fremd klingt.

Arabische Popmusik und Hiphop

Jetzt aber setzen Maxim Yaghi und Siar Amrico zusätzlich ganz andere Akzente, eben – unter anderem – mit arabischer Popmusik, mit Hiphop. Wieder geht es um den Bau einer Brücke der Verständigung, diesmal aber anders herum. Denn die Inszenierung in der Reihe „Junge Oper“, konzipiert für Zuschauer ab 15 Jahren, soll das Publikum mit der Wiener Klassik vertraut machen. Dazu gehört auch der Bühnen-Einsatz von DaZ-Schüler(inne)n der Oberschule am Wasserturm, das Kürzel steht für „Deutsch als Zweitsprache“.

Der Plot an sich bleibt erhalten: Zwei junge Engländerinnen, Konstanze und Blonde, werden entführt und in das Serail des Bassa Selim in die Türkei gebracht. Ihre beiden Männer, Belmonte und Pedrillo, reisen hinterher, verschaffen sich Zugang zum Gefängnis, organisieren mit einiger List die Rettung — und dann dreht sich die Geschichte. Denn es stellt sich heraus, dass Belmontes Vater einst grausam gegen die Familie des Bassa gewütet hatte. Der aber vergibt nun Belmonte und seinem Vater und lässt die Engländer ziehen, denn „nichts ist so hässlich wie die Rache!“ Eine zeitlose Geschichte über die Verständigung also.

Hilfe aus Hannover und Lüneburg

Friedrich von Mansberg schob das Projekt mit Hilfe der Organisation Musikland Niedersachsen an. Die Friedensstiftung Günther Manzke und die Firma Nordson unterstützen die Arbeit. Phillip Barczewski dirigiert die Lüneburger Sinfoniker. Es singen und spielen Franka Kraneis, Sarah Hanikel, Marcus Elsäßer, Alexander Tremmel, Maxim Yaghi und Siar Amrico. Die Premiere ist ausverkauft, Einführung 30 Minuten vorher.

Von Frank Füllgrabe