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Dolores Flores mit dem Objekt „Destination is unknown“, hinten ein Foto der Installation „The Rescue Parachute“. Foto: ff

Aufbruch der Biermännchen

Scharnebeck. Am Anfang ist ein kleines Stückchen Papier, dazu gedacht, erst schmutzig und dann weggeworfen zu werden: der „Tropfenfänger“ – schon allein dieses Wort! Gemeint ist das runde Saugpapier auf dem Bierglas in der Kneipe. Dolores Flores faltet Figürchen daraus, mittlerweile sind es fast siebentausend „Beer People“. Die Künstlerin setzt sie für ihre Installationen in Marsch, schickt sie in Galerien, aktuell ist das der KulturBoden. Sonnabend, 7. April, 16 Uhr, wird ihre Ausstellung „Head in the Clouds“ eröffnet.

Vom Mikrokosmos in die Unendlichkeit

Die Arbeiten von Dolores Flores führen mühelos vom Mikrokosmos in die Unendlichkeit, vom Songtext, der in den Binärcode eines Computers (also nur Nullen und Einsen) übersetzt wurde, ins Weltall. Im Mittelpunkt stehen – beziehungsweise laufen und tanzen – Generationen von Beer People, Repräsentanten einer Gesellschaft, die sich in der Globalisierung verlaufen, treppauf-treppab steigen, abstürzen, neue Horizonte erobern, mit einem riesigen Fallschirm („The Rescue Parachutet“) segeln oder auch einfach nur mal ein Fest feiern. Jedes Biermännchen hat eine eigene Gestalt, dafür steht die Solo-Skulptur „Der Idealist“, der eben, so Dolores Flores, auch ein Individualist ist.

Steigende Population, ökologische Probleme, überbordender Konsum, der Sog der Online-Welten, das sind Themen, die Dolores Flores beschäftigen, manchmal weist schon ein Titel darauf hin, Beispiel: „Title plays the greatest role in the mixed up universe“. Dabei bleibt ein freundlicher, optimistischer Grundcharakter, es wird schon werden. Es gibt sogar Szenarien von der Eroberung des Mondes, mit Glaskuppeln, wie sie in alten Science-Fiction-Erzählungen auftauchen.

Objekte vereinen Skulptur und Fotografie, Malerei und Videos

Dolores Flores, Jahrgang 1964, ist eine vielseitige Künstlerin deutsch-mexikanischer Abstammung. In Berlin geboren, aufgewachsen in Kalifornien, gründete sie – wieder in Berlin – eine Punkrock-Band. Sie schrieb Gedichte und Songtexte, lernte Bildhauerei und Malerei, auch alte Techniken wie Fassmalerei und Vergoldung, begann als Holzbildhauerin – und landete schließlich in der Kneipe, beim Bier und den Tropfenfängern.

Die gezeigten Objekte vereinen Skulptur und Fotografie, Malerei, Licht, Sounds, Videos. Die Binärcodes, die als optische Elemente auftauchen, sind Umsetzungen eigener Texte. Näheres wird der Galerist Marius Kettler bei der Vernissage erläutern. Bürgermeister Hans-Georg Führinger begrüßt die Gäste, Kurator Anton Bröring und die Künstlerin selbst sind natürlich auch dabei. „Head in the Clouds“ läuft bis 28. April (fr. 16-18 Uhr, sbd. 15-17 Uhr, so. 11-13 Uhr).

Von Frank Füllgrabe