Dienstag , 18. September 2018
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Anja Struck zeigt in der KulturBäckerei vor allem Gemälde von aktiven Zeitgenossen. (Foto: t&w)
Anja Struck zeigt in der KulturBäckerei vor allem Gemälde von aktiven Zeitgenossen. (Foto: t&w)

Da ist Bewegung im Leben

Lüneburg. Präzision ist ein kostbares Gut, das gilt in der Forschung wie in der Fabrik, natürlich auch in der Kunst. Hier aber wird es schwierig, denn wo es nach klassischer Definition um den wirklichen Sachverhalt hinter der vordergründigen Erscheinung gehen soll, da führen das Bemühen um korrekte Perspektive und exakte Linienführung auch einmal in die Irre. Also lässt Anja Struck ihren Protagonisten auf der Leinwand einen Spielraum. Unter dem Titel „Die Genauigkeit der Unschärfe“ stellt die Lüneburger Malerin jetzt in der KulturBäckerei aus.

Unschärfe als Prinzip, das führt in der Kunstgeschichte von den Lichtbildern eines William Turner bis zu Gerhard Richter. Der verwischt auch schon mal den Mailänder Dom, bei Anja Struck aber ist das Aufweichen der Konturen mit Bewegung verbunden. Ihre Helden springen, tanzen, schwimmen, turnen, skaten und joggen. Es sind vor allem Straßen- und Strandszenen, die Sonne scheint, der Wind zerzaust die Haare, das Leben ist schön.

Der Schauplatz selbst ist gar nicht so wichtig

Am Anfang ist die Fotografie, Anja Struck sammelt mit der Kamera Eindrücke von ihren Mitmenschen, auf Marktplätzen beispielsweise, dann wird das Unbrauchbare herausgefiltert, die meisten Menschen verschwinden. Übrig bleibt der Einzelne, der nun viel freien Raum in Anspruch nehmen, quer von einem Bildrand zum anderen radeln kann. Es gibt– auch in kleinen Serien – Bilder von Menschen, die allerhand sportliche Energie verströmen oder einfach nur ein wenig herumlungern. Der Schauplatz selbst ist gar nicht so wichtig, eher geht es darum, wie ihn der Mensch nutzt. Das Spontane drückt sich auch in der Maltechnik aus, zwar wird das Bild sorgsam aufgebaut, aber die oberste Farbschicht wird dann – etwa mit dem Spachtel – hin- und hergeschoben.

Immer wieder Porträts

Dazu kommen – gewissermaßen als Ausgleich – immer wieder Porträts, da geht die Malerin natürlich dichter heran. In der Regel sind die Farben (durchweg Öl auf Leinwand) hell und pastell, eine Stimmungssache, aber manchmal schieben sich sich eben doch Schatten auf ein Gesicht, werden Nachdenklichkeit und Skepsis sichtbar.

Immerhin 71 Bilder, im Schwerpunkt im vergangenen Jahr gemalt, sind für die Ausstellung zusammengekommen. „Die Genauigkeit der Unschärfe“ füllt das gesamte Erdgeschoss der KulturBäckerei. Die Präsentation ist bereits zu sehen, sie wird am Sonntag um 12 Uhr offiziell eröffnet. Zur Einführung spricht die Kieler Galeristin Ute Brennwald, dazu gibt die Uwe-Lüders-Stiftung einen ausführlichen Katalog heraus. Die Ausstellung läuft bis 6. Mai.

Von Frank Füllgrabe