Aktuell
Home | Kultur Lokal | Ein knallhartes Thema
Ulrike Knospe wird die Martha spielen, mit Regisseur Harald Weiler feilt sie an der Prägnanz der Figur. (Foto: t&w)
Ulrike Knospe wird die Martha spielen, mit Regisseur Harald Weiler feilt sie an der Prägnanz der Figur. (Foto: t&w)

Ein knallhartes Thema

Lüneburg. Es ist ein Klassiker schlechthin: „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist, gut 200 Jahre alt, Image: Lustspiel mit tragischem Unterton. „Ich suche das Lustspiel noch“, sagt Harald Weiler. Der Regisseur hat in Lüneburg bereits Theater der Gegenwart inszeniert: „Der goldene Drache“. Nun hat er den von Schülergenerationen zerlesenen Kleist-Text vor sich. Aber Achtung! Das Stück darf man nicht unterschätzen, denn bei aller Komik, die ihm innewohnt, behandelt das Stück „ein knallhartes Thema: Missbrauch“. Sagt Weiler und wird es deutlich machen.

1685 Husum: Dorfrichter Adam ist gefragt. Hinter der Sache mit dem zerscherbten Krug offenbart sich bekanntlich Zug um Zug die Geschichte eines Richters, der über sich selbst zu richten hat und der im Gestrüpp seiner Lügen straucheln muss. Heinrich von Kleist schrieb ein entlarvendes Stück zu dem, was heute unter dem Stichwort #MeToo verhandelt wird, also um sexuelle Übergriffe durch Männer, die ihre Machtposition schamlos ausnutzen.

Es ist auch ein Stück zur #MeToo-Debatte

„Es ist doch eine Riesenchance, das Thema #MeToo auf diesem Weg zu verhandeln“, sagt Ulrike Knospe. Sie ist als Gast dabei, spielt die Martha Rull, die den Fall ins Rollen bringt. Es war Marthas Krug, es geht um ihre Tochter Eve. „Martha ist eine Figur, die ich mag. Sie lässt nicht locker und wenn es bis zur Penetranz geht. Sie redet über den Krug – und meint doch ganz andere Sachen. Eine schöne, eine spannende Figur.“

„Der zerbrochne Krug“ wird oft naturalistisch aufgezogen, verhübscht und verharmlost, indem Figuren und Text mit Getöse auf Pointen getrimmt werden, während der bittere Kern als Nebensache verdorrt. „Das Komische ist die Raffinesse des Dorfrichters, sich aus der Schlinge zu ziehen“, sagt Harald Weiler. Aber das kann nicht die Hauptsache sein. „Wir haben den Text sehr verknappt, um Aspekte stärker herauszustellen, um schärfer in der Aussage zu werden.“

Ulrike Knospe hat das Stück schon gespielt – in einer Inszenierung mit viel Klamauk und schlechtem Slapstick, wie sie sich erinnert. „Ich bin nun für die Erfahrung hier sehr dankbar, es wird auf die Sprache vertraut.“ Für Harald Weiler ist es als Regisseur die erste Begegnung mit dem Stück. Und die letzte, er will sich als Regisseur nicht wiederholen. „Ich gucke nicht so gern zurück.“

Es wird keine pittoreske Gerichtsstube geben, alles wird auf den Text konzentriert. Weiler: „Wir spielen es so präsent, dass der Zuschauersaal wie der Gerichtssaal wirkt.“

Noch gibt es Karten für die Premiere

Wir, das sind: Matthias Hermann als Dorfrichter Adam, Philip Richert als Gerichtsrat Walter, Paul Brusa als Schreiber Licht, Stefanie Schwab als Eve, Martin Skoda als Veit Tümpel, Yves Dudziak als Ruprecht und Claudine Tadlock als Frau Brigitte. Für das Bühnen- und Kostümbild sorgt Barbara Bloch. Die Premiere am Sonnabend, 5. Mai, 20 Uhr, ist noch nicht ausverkauft.

Von Hans-Martin Koch