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Sie packen eine ganze Spielzeit auf den Tisch: (v.l.) Friedrich von Mansberg, Sabine Bahnsen, Hajo Fouquet, Hilke Bultmann, Olaf Schmidt und Thomas Dorsch. Foto: t&w

„Wir hätten anbauen können“

Lüneburg. Lange hieß die magische Zahl 100.000. Kamen soviel Besucher, dann hatte das Theater irgendetwas richtig gemacht. Erreichen ließ sich das nicht alle Ja hre. Mittlerweile heißt die Zahl aber 110.000, und parallel zum Besucherplus hat das Theater Lüneburg seine Einnahmen um 30 Prozent erhöht. Ein starkes Argument, um bei den angelaufenen Verhandlungen mit dem Land auf einen Vertrag zu hoffen, der die Arbeit der Bühne zukunftsfest macht. Ein weiteres eindringliches Argument ist 138 Seiten stark: das Heft für die Spielzeit 2018/19 mit viel Stoff, denn das Theater hat sich sehr viel vorgenommen.

Die Spielzeit fängt mindestens dreimal an, und jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Es wird viel gezaubert. Auf dem Titel des Spielzeitheftes ist „The Black Rider“ zu sehen. Die am 10. Juni zum letzten Mal in dieser Saison laufende Produktion wird am 9. September die erste sein, die auf der großen Bühne abrollt. Die erste Premiere in Großen Haus folgt am 22. September mit der Puccini-Oper „La Bohème“, inszeniert von Intendant Hajo Fouquet.

Spielzeit beginnt stets mit dem Theaterfest

Eigentlich aber fängt die Spielzeit stets mit dem Theaterfest samt Abendgala an, das wird am 26. August der Fall sein. Vorher schon, auch ein Anfang, öffnet am 13. August die Theaterkasse.

Die erste Premiere überhaupt aber ist im T.3 zu erleben und zwar am 15. September Olaf Schmidts Familienballett „Die Schöne und das Biest“. Das T.3 als Bühne für Kinder-/Jugendtheater ist ein Hit. Es läuft läuft in dieser Spielzeit so gut, dass Leiterin Sabine Bahnsen sagt: „Wir hätten anbauen können“. Zwei dauerausverkaufte Stücke gehen darum mit in die nächste Saison: „Tschick“ und „Rico. . .“

Noch ein Beginn: Das erste Meisterkonzert erklingt bereits am 1. September in Hitzackers Verdo und am 2. im Theater. Die von Generalmusikdirektor Thomas Dorsch konzipierte Reihe rutscht zumeist wieder auf den früheren Termin am Sonntag, 19 Uhr, im Großen Haus, das Audimax ist außen vor. Fast alle Programme werden zusätzlich in Nachbarstädten gespielt.

Start mit einem Schwergewicht

Das Schauspiel startet wie in dieser Spielzeit („Medea“) mit einem Schwergewicht: „Die Nibelungen“ von Friedrich Hebbel, inszeniert von Martin Pfaff, dessen Sicht auf die „Vermessung der Welt“ zurzeit im Plan steht, wieder am 11. Mai. Hilke Bultmann als Leitende Schauspieldramaturgin wird 2018/19 auch als Dramatikerin in Erscheinung treten und zum 3. November „Wir sind die Neuen“ vorstellen, geschrieben nach dem gleichnamigen Film. Regie führt Harald Weiler, der gerade den „zerbrochnen Krug“ probt.

Olaf Schmidts Ballett muss zwei Abgänge verkraften. Giselle Poncet geht aus familiären Gründen zurück nach Australien. Anibal dos Santos will künftig frei arbeiten. Neue Tänzer kommen hinzu, „da wird sich die Gruppe neu finden müssen“, sagt Ballettchef Olaf Schmidt.

Kooperation zwischen Theater und Kirche

Zu den Besonderheiten der Saison 2018/19 gehört eine erneute Kooperation zwischen Theater und Kirche. Friedrich von Mansberg inszeniert das Oratorium „Jephtha“ von Georg Friedrich Händel mit dem Kammerchor St. Michaelis in der Kirche – zum 26. Oktober. Kooperationen mit der Musikschule, der Leuphana, dem Museum, dem Scala-Programmkino, dem Mosaique-Haus der Kulturen laufen weiter. Neu ist eine Kooperation mit Kampnagel Hamburg und dem Berliner HAU (Hebbel am Ufer) im Rahmen des Projekts „Queere Kreuzzüge“, das die Kulturstiftung des Bundes finanziert.

Es gibt eine Fülle weiterer Terminen in den Kalender einzutragen, zum Beispiel die erste Premiere im T.NT-Studio: „Liftstopp“, eine deutsche Erstaufführung, bei der Isabel Arlt und Burkhard Schmeer im Lift stecken bleiben. Das passiert ab 6. Oktober, in Szene gesetzt von Schmeer und Kerstin Kessel.

Was ist mit den Eintrittspreisen? Sie werden sanft angehoben. Das bedeutet: Musiktheater 20 bis 32 Euro, Musical 26 bis 42 Euro, Sprechtheater 16 bis 27,50 Euro, Konzerte 18 bis 31,50 Euro, Märchen 7,50 bis 9,50 Euro.

Von Hans-Martin Koch

Termine

Premieren in Großen Haus

▶ 22. September: „La Bo­hème“, Oper von Giacomo Puccini.
▶ 28. September: „Die Nibelungen“, Schauspiel von Friedrich Hebbel.
▶ 3. November: „Wir sind die Neuen“, Komödie von Hilke Bultmann nach dem Film von Ralf Westhoff.
▶ 17. November: „Bonnie & Clyde“, Musical von Frank Wildhorn, Don Black und Ivan Menchell.
▶ 30. November: „Pippi Langstrumpf“, Familienstück nach Astrid Lindgren (Weihnachtsmärchen).
▶ 19. Januar: „Der Zauberberg“, Ballett von Olaf Schmidt nach dem Roman von Thomas Mann.
▶ 8. Februar: „Die Opferung von George Mastromas“, Theaterstück von Dennis Kelly.
▶ 9. März: „Der Rosenkavalier“, Oper von Richard Strauss in einer Fassung von Thomas Dorsch.
▶ 29. März: „Glaube Liebe Hoffnung“, Schauspiel von Ödön von Horvath.
▶ 11. Mai: „Bunbury“, Komödie von Oscar Wilde.
▶ 25. Mai: „Der kleine Prinz“, Ballett von Olaf Schmidt und Anselmo Zolla mit Musik von Thomas Dorsch und Chopin.
▶ 29. Juni: „Singin‘ in the Rain“, Musical von Betty Comden, Adolph Green, Nacio Herb Brown und Arthur Freed.