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Natascha Wahl publiziert ihren neuen Ladythriller im Sommerburg-Verlag, weitere Titel sind bereits angekündigt. Foto: ff

Auf dem Weg nach oben

Lüneburg. Clementine ist Ärztin, lebt in Hamburg, arbeitet im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Sie könnte sich eine schicke Praxis mit Blick auf die Elbe einr ichten, tatsächlich hat sie sich den wohl unkomfortabelsten Arbeitsplatz der Welt ausgesucht: Das Basislager des Mount Everest, rund fünftausend Meter hoch. Im April will Clementine nach Nepal ziehen, dann beginnt die Saison für Bergsteiger, die den höchsten Gipfel der Welt erobern wollen. Aber dann kommt alles etwas anders, kommen russische Killer ins Spiel, als wenn der Mount Everest nicht auch so schon lebensbedrohlich genug wäre.

In den Ladythrillern geht mitunter recht brutal zu

So beginnt „Höhenrauschsaison“, der dritte Roman von Meredith Winter. Im wirklichen Leben heißt die Autorin Natascha Wahl, sie lebt in Lüneburg und gibt ihre Erzählungen selbst heraus: Im März 2017 gründeten vier Frauen den Sommerburg-Verlag. „Blutpsalm“ und „Blutroter Frost“, die ersten beiden Meredith-Winter-Titel lassen ahnen, dass es in den Ladythrillern mitunter recht brutal zugeht. Dazu kommt (natürlich) eine Liebesgeschichte. Sie führt, und das gehört zum Profil der Autorin, über gesellschaftliche Barrieren hinweg. In diesem Fall nun trifft eine ehrenwerte Hamburger Ärztin auf einen russischen Verbrecher, der dick im Drogengeschäft steckt und den Wert eines Menschenlebens generell für überschätzt hält. Allerdings hat auch die 35-jährige Clementine ihre Dämonen, ein ziemlich seltsames Verhältnis zu Männern beispielsweise. Als Ärztin ist sie Fachfrau für Höhenmedizin, also für Verletzungen, die vor allem durch dünne Luft und niedrige Temperaturen entstehen.

Für Natascha Wahl war das Thema Himalaya eine persönliche Herausforderung: Wegen einer seltenen Herzerkrankung darf sie selbst – eigentlich – nicht höher als tausend Meter klettern. Warum also ausgerechnet eine Story, die in einer so fernen Welt spielt? „Die simple Antwort ist: Weil ich es kann“, sagt und schreibt Natascha Wahl. Die Phantasie bietet eben die Möglichkeit, solche Grenzen zu überwinden. Allerdings hat die Autorin auch viel recherchiert, sie fand sogar das Video eines Mannes, der mit einer Helmkamera seinen Weg bis zum Basecamp gefilmt hat.

Nervöse Rinder auf der Hängebrücke

Herausforderungen haben die Bergsteiger reichlich, die für den Everest-Trip fünfstellige Summen bezahlen. Über dramatische Abgründe führende schmale Hängebrücken, auf denen einem schon mal ein nervöses Rind begegnen kann, Sauerstoffmangel, Kälte, immer wieder: das Wetter. „Wer es bis 14 Uhr nicht auf den Gipfel geschafft hat, muss umkehren“, sagt Natascha Wahl, „auch wenn es nur noch fünfzig Meter sind.“ Am Wegesrand liegen genug Opfer, die sich nicht daran hielten und auf dem Rückweg starben. Bergen kann sie in dieser Höhe niemand.

Der Sommerburg-Verlag kommt langsam in Fahrt. Es gibt Illustratorinnen, die das Bücherschreiben begleiten; Natascha Wahl freute sich über Einladungen der Lüneburger Industrie- und Handelskammer, war dort mit einem Stand präsent und hielt einen Vortrag über ihre Verlagsgründung. Die ersten Termine für Lesungen stehen, es gibt positive Bewertungen im Netz, „ich bin auf dem Weg“, sagt sie. Stolz ist die Autorin darauf, dass der Profi-Expeditionsleiter Felix Berg auf sie aufmerksam wurde. Der Berliner war mit 23 Jahren der jüngste deutsche Everest-Eroberer, nun will er ein Exemplar der „Höhenrauschsaison“ mit zum Basislager nehmen, das wäre natürlich unbezahlbare Werbung.

Vom Höhenrausch zum Negerkuss

Das Bücherschreiben geht bei Meredith Winter recht flott, das Verlagsplakat verweist schon auf den nächsten Titel: „Negerkuss“ über einen Flüchtling aus Nigeria soll im Oktober erscheinen, die Homepage verweist sogar schon auf den übernächsten Titel: „Selbst tot bist Du schön“. Jetzt aber beginnt erst einmal die Höhenrauschsaison, das Taschenbuch (210 Seiten, 9,99 Euro) ist bereits im Handel.

Von Frank Füllgrabe