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Auch auf der Fähre Tanja wird eine Bude stehen; dort will Thomas Matschoß einen Tag lang hin und her pendeln und Geschichten von Passagieren einsammeln. Foto: Jahrmarkttheater

Los geht‘s mit Budenzauber

Bostelwiebeck/Lüneburg. Es kommt immer anders. Das ist das Schöne am Jahrmarkttheater, wenn es von seiner Basisstation in Bostelwiebeck aufbricht, um allsommers auf den Hof von Mara Krewet in Wettenbostel zu ziehen. Dort erfindet das Team um Anja Imig und Thomas Matschoß alle Jahre wieder das Theater neu und knüpft Bekanntes hinein. Aber in diesem Jahr wird nun wirklich so ziemlich alles auf den Kopf gestellt. „Es sollte eine kleine Produktion werden“, sagt Thomas Matschoß. „Es ist die größte geworden.“ Matschoß führt zum ersten Mal nicht selbst Regie, und los geht es schon am 12. Mai, aber ganz woanders und das gleich siebenfach.

„Einsame Spitzen – 7 Buden in der Nachbarschaft“ heißt das Vorab-Projekt. „Es ist ein Experiment“, sagt Matschoß, „was entsteht, ist völlig offen.“ Sieben Künstler werden an sieben Orten mit sieben rot-weiß-gestreiften Buden das Thema Einsamkeit umkreisen. Dafür suchen sie sich mal belebte und mal tatsächlich einsame Orte. Ausgewählt wurden für den Budenzauber sehr unterschiedliche Künstler, Vertreter von Malerei bis Tanz. Alle bekamen die Vorgabe: Bude (150 x 150 cm) nutzen, Thema Einsamkeit bespielen! Das hat als erste die Bühnenbildnerin Alexandra Süßmilch zu leisten. Sie wird vom 12. bis 21. Mai in der Dorfmitte des Rundlings Diahren ausprobieren, wie sie das Thema Einsamkeit räumlich darstellen kann – auf 1,50 x 1,50 Meter. Ganz einsam wird es nicht werden, parallel tobt die Kulturelle Landpartie durchs Wendland.

Drei Tage und Nächte im Wald der Göhrde

Büdchen zwei steht ebenfalls an einem der Landpartie-Wun–de.r.punkte, am Bahnhof Leitstade. Dima Ostroglad, Theater- und Medienspezialist, wird vom 19. bis 21. Mai drei Tage und Nächte im Wald der Göhrde zu finden sein. Wie einsam das geschieht oder nicht, entscheiden die Besucher, der Weg zum Einsamkeitsforscher ist markiert.

Bude drei steht auf dem Feld bei Jastorf. Drinnen sitzt die Malerin Katja Schaefer-Andrae und ackert Kunst, vom 25. bis 27. Mai jeweils von 10 bis 12 und 15 bis 19 Uhr. Schaefer-Andrae lebt und malt in Jastorf. Als Landmensch erscheint ihr das Leben in der Großstadt fremd und einsam. Nun lädt sie in ihr Museum „Im Stillen“ ein, wo sich sonst nur bekanntlich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Der Weg zur Bude gehöre schon mit zum Ziel, heißt es – „seien Sie mal weg!“

Thomas Matschoß ist als Autor und Regisseur die treibende Kraft beim Jahrmarkttheater. Der Geschichtenerzähler will auf der Fähre „Tanja“ Neu Darchau vom 1. bis 3. Juni Geschichten einfangen. Jeweils von 10 bis 17 Uhr pendelt er zwischen hüben und drüben und sucht das Gespräch mit Passanten – natürlich über deren Erfahrung mit Einsamkeit, die in einer alternden Gesellschaft zu einem immer größeren Thema wird.

Ein Stück über eine Science-Fiction-Autorin

In die Kurmuschel in Lüneburg zieht Filmemacher Pourya Ezzati Pour vom 1. bis 3. Juni, 9 bis 12 Uhr. In seinem Beitrag forscht er danach, was denn die sozialen Medien mit Einsamkeit zu tun haben.

In Lüneburg steht noch eine weitere Bude, am Westbahnhof vom 8. bis 10. Juni, 12 bis 17 Uhr. Darin wird die Hamburger Theatermacherin Charlotte Pfeifer einen Pavillon der Einsamkeit beziehen, um an ihrem nächsten Stück zu arbeiten. „Ein Stück über eine Science-Fiction-Autorin, die unter einem männlichen Pseudonym die wildesten Kurzgeschichten schrieb. Ich spiele die Autorin und die verschiedenen Figuren, Aliens, Männer, Frauen. . .“

Den Schlusspunkt setzt die Tänzerin und Choreographin Patricia Carolin Mai am 18. Juni um 19.30 Uhr beim Jahrmarkttheater in Bostelwiebeck. Das Datum markiert gleichzeitig den Probenbeginn zum „Jahrmarkt der Einsamkeit“ in Wettenbostel samt der „Greatest Show of Loneliness“.

Zur Show geht es in die Reithalle

Dort wird Thomas Matschoß zum ersten Mal in zehn Jahren Sommerhoftheater nicht Regie führen – er will mehr spielen. Die Inszenierung übernimmt Barry Goldman. Der Amerikaner ist in Lüneburg bereits aktiv gewesen, er hat im T.3 des Theaters „Ente, Tod und Tulpe“ inszeniert. Wie der „Jahrmarkt der Einsamkeit“ aussehen wird, ist allerdings noch weitgehend offen. Die Buden werden in jedem Fall aufgestellt werden, und zur Show wird es in die Reithalle gehen. So lautet der Plan für Wettenbostel ab Donnerstag, 26. Juli; der Vorverkauf läuft. Ein Kinderstück wird dort auch gespielt: „Die Wizards von Wiss“, angeregt vom Bestseller „Das Weltwissen der Siebenjährigen“ von Donata Elschenbroich.

Die genauen Wegbeschreibungen zum siebenfachen Budenzauber finden sich auf der Homepage www.jahrmarkttheater.de.

Von Hans-Martin Koch