Donnerstag , 20. September 2018
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Kaum ist das Licht aus, erscheinen die Dämonen der Nacht. Foto: Theater/Tamme

Die Traumtänzerinnen

Lüneburg. Wir laufen nackt durch die Fußgängerzone, stürzen endlos in die Tiefe, flüchten vor Verfolgern und kommen doch keinen Schritt vorwärts – wirklich, es ist eine Herausforderung, heil durch die Nacht zu kommen. Jeder Mensch (und manches Tier) träumt, vieles ähnelt sich, meistens erinnern wir uns, wenn auch wohl nur flüchtig. Was uns so quält in der Nacht, was uns umtreibt, darum geht es in der neuen Produktion des TanzJugendClubs: „Dream a little dream“ heißt die Revue, die unter viel Beifall Premiere im T.3 feierte.

Unterhaltsam, verblüffend und vertraut

Matthew Sly hat mit seiner jungen Truppe ein Programm entwickelt, das gleichermaßen unterhaltsam, verblüffend und vertraut wirkt: Geschichten rund um das Einschlafen und Aufwachen, vom Sandmännchen (Vorbild war offensichtlich das Ost-TV-Männchen) bis zum Weckergerassel. Der diffuse Bereich zwischen Realität und Fiktion – noch einmal auf das Smartphone schauen, ein letztes Videogame zum Runterkommen, was natürtlich nicht funktioniert, denn im Traum geht der computeranimierte Tanz über Hindernisse und Abgründe erst richtig los. Die Eltern wünschen eine gute Nacht und ahnen nichts von den gesichtslosen Monstern, die bereits unter dem Bett warten und vor denen es kein Entkommen gibt. Dämonen lauern überall, sie locken uns an den Rand des Abgrunds und begaffen uns ungeniert in der Öffentlichkeit – nur weil wir vergessen haben, etwas anzuziehen.

Aber es gibt ja auch den klassischen Heldentraum: Agent 007 erledigt mal eben eigenhändig eine ganze Horde von Bösewichtern und befreit das wunderschöne (und selbstverständlich sehr dankbare) Bond-Girl. Wasser tropft, pladdert und rauscht – aber ach, es war nur die Klospülung, die da ins Unterbewusstsein rinnt. Es gibt Momente von ironischem Humor und blankem Entsetzen, von Irritation und Verlusten.

Bunter Reigen mit wechselnden Lichtstimmungen

Die Szenen, in denen oft das ganze Ensemble agiert, Einzelne auch mal Solo-Aufgaben übernehmen, sind ineinander verwoben, ein bunter Reigen mit wechselnden Lichtstimmungen, geschicktem Einsatz von Kostümen und Videoprojektionen, abwechslungsreiche Musik natürlich, von den „Sweet Dreams“ der Eurythmics über das „Dream on“ von Aerosmith bis zum titelgebenden Stück von The Mamas and the Papas. Dabei erweisen sich die Akteure als souverän und spielfreudig, da sind Momente von Verdichtung und Entspannung, böse und gute Energien fließen, nie gerät etwas ins Stocken oder an den Rand des Machbaren – emphatische Regiearbeit. Es lässt sich erahnen, wieviel Spaß die Tänzerinnen (plus ein Tänzer) bei den Proben gehabt haben müssen.

Es tanzen: Jana Hecker, Mascha Best, Marieke Bresser, Nicole Rudolf, Jule Holzer, Lara Kaßat, Kaye Hansen, Hannah Lily Fänger, Adela Zilic, Lea Tiernam, Moira Marie Hammann, Johanna Brandes, Janika Kaal, Lea Hansen und Arne Wachtel. Die nächste, zugleich letzte Aufführung: Sonnabend, 2. Juni.

Von Frank Füllgrabe