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Fabian Kloiber ist aktuell in der Rolle des Alexander Humboldt zu sehen, in der „Vermesssung der Welt“. Foto: Theater/Tamme

Der König der Einspringer

Lüneburg. Fabian Kloiber sitzt vor einer Tasse Cappuccino mit Kunst im Schaum der Milch. Es ist von einem Abschied zu reden. Zu gehen ist immer nicht so leicht, aber darin liegt bekanntlich eine Chance, zumindest wenn das Alter 34 Jahre beträgt und noch viel Zeit für Neues, für Anderes, fürs An- und Weiterknüpfen ist. Seit 2010 ist Fabian Kloiber Schauspieler am Theater Lüneburg, und jetzt ist es Zeit, die Kunst im Schaum umzurühren. „Ich geh‘ komplett im Guten“, sagt Kloiber.

Sprünge durch die Republik: Geboren bei Stuttgart, mit zwölf nach Köln. Bei Bonn besucht er eine Schauspielschule. Dann ist da die Zeit, in der er sich als Wahl-Freiburger fühlt. „Das ist meine Stadt. Ich bin Mitglied beim SC“, worauf das Gespräch abdriftet zu Klassenerhalt und (HSV-)Abstieg. Was für ein Theater, dieser Fußball! Jetzt ist bald auch noch Weltmeisterschaft. Dass ein Freiburger Stürmer in Jogis Kader aufgenommen wurde, darüber ließe sich auch lange reden, aber jetzt wird das Thema abgepfiffen, und es geht zu „Hase Hase“.

Nicht jeder kann den Hamlet spielen

Das war das erste Stück, in dem der junge Schauspieler in Lüneburg eine große Rolle übernahm. Das war 2010/11, das war auch der Beginn der Intendanz von Hajo Fouquet. Das neue Schauspielteam fand schnell zusammen, wurde eine verschworene Truppe. Sie fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub. Das ist ungewöhnlich, da Freundschaft im Theater zwar immer reichlich vorhanden ist, aber jede/r doch genau guckt, wer welche Rolle bekommt. Nicht jeder kann den Hamlet spielen. Den hätte Fabian Kloiber gern gemacht, das wurde aber nichts. Kleine Krisen gehören dazu. „Aber man kann an diesem Theater offen miteinander reden, es gibt eine gute Streitkultur, und man gönnt dem Kollegen die Aufgabe“, sagt der Schauspieler.

Immer hat ihn das Ungewöhnliche gereizt. „Es ist toll etwas zu machen, bei dem etwas aus dem Team heraus passiert“, sagt er. Wichtige Produktionen waren für ihn unter anderem „Der Schimmelreiter“, „Gier“ im T.NT, „Der goldene Drache“ und die SomnamBar, das experimentelle Spätprogramm im T.NT. Die Liste seiner Rollen und Stücke ist weit, weit länger. Dazu kommt noch etwas: „Ich bin der König der Einspringer!“ Im „Dschungelbuch“ zum Beispiel hüpfte er mal als Geier über die Bühne, bimste sich aber auch in Windeseile die Mogli-Partie ein.

„Ich mag den Beruf, ich mag das Haus, ich mag die Kollegen“

Zum Finale seiner Lüneburg-Zeit übernahm Fabian Kloiber noch einmal eine Hauptrolle und dafür eine menschengroße Lupe in die Hand. Er spielt den Weltdurchforscher Alexander von Humboldt in der „Vermessung der Welt“. Die Inszenierung stammt von Martin Pfaff, der schon beim „Schimmelreiter“ Regie führte. Kloiber spielt einen offensiven, durchaus selbstgefälligen und von seinen Plänen besessenen Forscher, den Grübler Gauss setzt Jan-Philip Walter Heinzel dagegen.

„Ich mag den Beruf, ich mag das Haus, ich mag die Kollegen“, sagt der Schauspieler. Aber alles hat seine Zeit. Freiburg bleibt weit, Kloiber in Lüneburg. Das könnte – ziemlich wahrscheinlich – mit der Liebe zusammenhängen.

„Ich entdecke auch gerade Lüneburg neu für mich“

Fabian Kloiber hat früher eigene Hörspiele und Lesereihen erstellt, saß oft als Sprecher im Studio. Er hat gelegentlich als Coach gearbeitet, Menschen in ihrem Umfeld begleitet. Auf diese Spuren wird er sich begeben. „Ich entdecke auch gerade Lüneburg neu für mich“, sagt er, nennt Mosaique – Das Haus der Kulturen und Schröders Garten.

Außerdem ist er ja der König der Einspringer. Das Schauspiel startet in der ersten Kloiber-freien Saison mit Hebbels „Nibelungen“. Das Stück braucht viele Recken. . . Fabian Kloibers letzter offizieller Spieltag ist der 19. Juni. „Vor dem Tag graut mir, und ich freue mich drauf“, sagt Kloiber und fügt hinzu: „Hoffentlich kommt überhaupt jemand, da ist doch schon WM.“ Tatsächlich, an dem Tag spielen Russland gegen Ägypten und Polen gegen Senegal. Na ja. Da da ist doch Humboldt gegen Gauss um einiges spannender.

Von Hans-Martin Koch