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Alle, die schauspielerische Parts übernehmen, tragen Kostüme, die ans Jahr 1700 erinnern. (Foto: t&w)
Alle, die schauspielerische Parts übernehmen, tragen Kostüme, die ans Jahr 1700 erinnern. (Foto: t&w)

Der Fall ist knifflig

Lüneburg. Schulen zeigen gern ein kulturelles Profil, das über den internen Bereich hinaus Zeichen setzt. Was früher die Orchester waren, sind heute Big Bands. Andere rocken, etwa die Downtown Rats der Oberschule am Wasserturm. Zu den echten Markenzeichen seit Schülergenerationen gehört der Jugendchor der Herderschule. Jetzt schlagen die Chöre 5 bis 7 zu und das mit einer Uraufführung ihres Leiters Jan Sielemann: „Bach in Lüneburg oder: Das Geheimnis der verschwundenen Kinder“.

Bach ist biegsam. Es erscheinen Krimis in seinem Namen, zum Beispiel „Tödliche Kantaten“ oder „Bachs Todeskantate“, der 1948 in Lüneburg spielt. Wie lebendig die Musik von Bach klingt, wird in vielen Experimenten hörbar, die Musik von Bach mit Neuerem verknüpfen. Vor allem die Verbindung Jazz-Barock führt zu spannenden Ergebnissen. Nun folgt Jan Sielemanns Bach-Geschichte für junge Chöre. Sie stellt den jungen Johann Sebastian ins Zentrum, der im Jahr 1700 an die Michaelisschule kommt.

Sielemann benutzt Bachs Musik nicht direkt, aber Muster aus dem Barock schon. Darüber legt er sehr gegenwärtige Chorsätze, und die sind spürbar gar nicht so locker wegzusingen. Aber der riesig besetzte Chor liefert in jeder Zusammenstellung eine starke Leistung ab. Dazu spielt ein kleines Instrumentalensemble, das sich vor allem bei den Intros zu den Chorstücken heraushebt.

Geschichte um verschwundene Kinder

Es muss Sielemann eine Menge Spaß bereitet haben, historisch verbürgte Figuren in seine Geschichte einzubauen. Thomas de la Selle, Tanzmeister an der Ritterakademie, ist dabei, Kantor Georg Böhm, Johann Sebastians Freund Georg Erdmann, mit dem er die knapp 400 Kilometer von Thüringen gewandert kam, und selbst die Namen der dünkelhaften adligen Zöglinge der Ritterakademie lassen sich nachweisen.

Erzählt wird in kurzen Spielszenen eine Geschichte um verschwundene Kinder. Der plietsche Johann Sebastian gerät in Verdacht, muss selbst ermitteln. Nebenbei zeigt er sein herausragendes musikalisches Talent. Gespielt wird die Hauptfigur von Bent-Ole Föllmer, er sei stellvertretend für das Team genannt.

Die knappen Spielszenen aber verkümmern leider etwas, was nicht an den Spielern liegt. Die Musik regiert, sie ist ungeheuer vital, reißt mit, und so wird das Musical in der gut halbvollen Aula des Gymnasiums vom Fan-Publikum kräftig und völlig zu Recht lange gefeiert.

Von Hans-Martin Koch