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Gleich am Eingang wird immer wieder das Wir-sind-hiier-Lieblingsmotiv geschossen. Foto: oc

Ein Jahr Arbeit, zwei Tage Party

Lüneburg. Zwei Tage mit je 3500 feiernden Menschen auf dem Leuphana-Campus, viel Musik, ausgelassene Stimmung bis in die späten Abendstunden: Das lunatic-Festival am Wochenende war auch im 15. Jahr ein voller Erfolg. Ein Team von 25 Studierenden hat knapp ein Jahr lang ehrenamtlich daran gearbeitet, das Festival zu planen und durchzuführen. Zuletzt waren es dann locker 16 Stunden am Tag Vorbereitung, erzählt Simon Laumayer aus dem PR-Team.

Mit steigendem Arbeitspensum stieg in den Tagen vor dem Festival auch die Anspannung im Team. Hinzu kamen sehr schlechte Wettervorhersagen. „Wir haben uns vorher super viel ausgemalt, was Unwetter angeht. Es sah ja so aus, als würden Unwetter auf jeden Fall auf uns zukommen“, sagt der 25-jährige Kulturwissenschaftsstudent. Aber: Das befürchtete Gewitter und die Regengüsse blieben sowohl Freitag als auch Sonnabend aus. Nebenan in Hamburg musste das Elbjazz-Festival dagegen wegen eines kräftigen Unwetters zwei Stunden stoppen.

Von Hip-Hop bis Elektropop

Bei bestem Festivalwetter öffnete das lunatic am Freitagnachmittag seine Tore. Die Lazy Lizzard Gang kam mit entspanntem Hip-Hop als erstes auf die Hauptbühne. Auch Rap-Fans kamen voll auf ihre Kosten: Der 27-jährige Ahzumjot begeisterte vor der kleineren Bühne auf der Spielwiese die zahlreichen Zuhörer. Ein weiteres musikalisches Highlight bot als letzter Act am Freitagabend die Belgierin Coely mit souligem Hip-Hop. Die meisten Zuschauer hatte am Ende des Festivals der Headliner Roosevelt, der einigen wohl ein Begriff war. Die Menge feierte tanzend den elektronischen Pop des 28-Jährigen.

Unweit der Bühnen gab es für die Besucher noch einiges mehr zu entdecken: zum Beispiel eine lebensgroße Giraffe des Künstlers Joachim Beyer, gebaut aus massiven Stahlstäben. Die Giraffe, fast überall auf dem Festivalgelände zu sehen, gehörte zum künstlerischen Ausstellungsteil des lunatics. In mehreren Kunstspaziergängen an den beiden Festivaltagen konnten Kunstbegeisterte mehr über die Werke erfahren, die auf dem ganzen Gelände verteilt standen.

Nachhaltige Frischhaltefolien selbermachen, eine Wasserrallye von Viva Con Agua oder alte Kleidung wieder aufhübschen: Auf der Spielwiese wurden die Festivalgäste bei unzähligen Workshops und interaktiven Spielen selbst aktiv. Einmal pro Festivaltag, zwischen Bühne und dutzenden Ständen der studentischen Initiativen, breitete sich auch Solveig Freiling aus – bewaffnet mit Yogamatten und Bier. Bieryoga nennt sich das. „Das ist eher lustig gemeint“, sagt sie.

Bieryoga ist witzig, aber auch knifflig

„Manchmal will man abends gerne zum Yoga und trotzdem auch ein Bier trinken – und so hat man dann die Kombination aus beidem“, erklärte die 23-jährige Studentin den Gedanken dahinter. Vielen schien das zu gefallen. Mehr als 30 statt der maximal geplanten 25 Teilnehmer kamen Freitag und Sonnabend spontan auf eine Runde Bieryoga vorbei. Auch viele Schaulustige standen dabei, als die Yogawütigen das Biermantra sprachen und sich mit der Flasche in der Hand reckten und streckten. „Man sieht von außen, dass es witzig ist und dass es knifflig ist, weil man in den verschiedensten Positionen Bier trinken kann“, sagte Freiling.

Dass es ein sehr entspanntes und friedliches Festival war, dafür spricht auch die Bilanz von Doreen Pilch, Einsatzleiterin des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort. Die Sanitäter kamen mit einem etwas größeren Aufgebot. Grund dafür seien zum einen die K.O.-Tropfen-Vorfälle bei der Hörsaalgangparty Mitte Januar gewesen – und die hohen Temperaturen. Zwar hätten diese am Freitag dem einen oder der anderen Kreislaufprobleme bereitet, die meisten Festivalgäste seien allerdings sehr vernünftig gewesen und hätten sich beizeiten schattige Plätze gesucht.

Das Awareness-Team, mit dem die Lunauten allen einen Rückzugsraum boten, denen der Trubel zu viel wurde, hatte fast nichts zu tun. Und der Polizeibericht meldet bis auf einige Ruhestörungs-Meldungen aus der Nachbarschaft Ruhe. Am Sonntag früh waren die Lunauten wieder da: abbauen, aufräumen. . .

Von Franziska Krämer