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Schlange würgt Mungo und muss selbst dran glauben: Die Darsteller dieser Tragödie sind nun im Museum zu sehen. Foto: ff

Gruseliges aus Zwickau

Lüneburg. Ein echtes Museum ist wie ein Eisberg: Das meiste liegt unter Wasser, beziehungsweise im Magazin. Aber manchmal kann man aus der Not eine Tugend machen. Weil es im Lüneburger Museum gebrannt hat, die Spuren noch beseitigt werden und weite Teile des Hauses geschlossen sind, gibt es nun – bis 5. August – eine kleine Sonderausstellung mit dem schönen Titel „Brand.Aktuell“ mit Sammlungsstücken aus dem Keller-Archiv. Eröffnung: Sonnabend, 16. Juni, Eingang Wandrahmstraße.

Zum Verleich: 1300 Exponate gehören zum normalen Präsenzbestand – aber 200 000 Stücke liegen im Magazin. Weil von den Sanierungsarbeiten auch die naturkundlichen Abbteilungen betroffen sind, haben die Museumsmitarbeiter „Brand.Aktuell“ entsprechend (neben einigen schmucken Möbeln) vor allem mit drei Disziplinen bestückt: Zoologie, Botanik, Mineralogie.

Schlange erwürgt einen Mungo

Die Blickfänge stehen in der Zoo-Vitrine: Eine Schlange hat einen Mungo erwürgt, diesem gelang es aber wohl noch, dem Reptil in den Kopf zu beißen. Unklar ist, wann und wo sich dieses grausame Drama abgespielt hat. Fest steht, dass die Hauptdarsteller zur biologischen Sammlung des volkseigenen Museums Zwickau gehörten, und vor Jahren mit anderen Exponaten vom Museum Lüneburg übernommen wurden. Ähnlich gruselig: ein Tiger-Embryo in Spiritus, auch aus Zwickau. Auch ein kopfüber hängender Flughund mit gefalteten Flügeln gehört zu dieser skurrilen Versammlung – dank des Hausmeisters der Lüneburger. Er war seinerzeit der Meinung, dass der schlafende Hund ebenfalls zu überführen sei.

Die Botanik wird geschmückt von einer üppig bemalten Botanisiertrommel, wie sie Wissenschaftler bei ihren Expeditionen ins Grüne verwendeten, das hat Alexander-von-Humboldt-Charme. Bei den Mineralogen gibt es natürlich Mineralien zu sehen. Das Verblüffende: Die Molekülstrukturen eines Kristalls spiegeln sich in seiner sichtbaren Gestalt – Mikrokosmos gleich Makrokosmos.

Besucher haben freien Eintritt

Am Sonnabend werden zwei Bereiche der Museums-Dauerausstellung wieder freigegeben: die Räume „glauben & wissen“ sowie „finden & forschen“. Und noch etwas: Sonnabend ist der Tag der Backsteingotik. Unter dem Motto „Wunden snede und halve man“ präsentieren Dipl. Ing. Heiner Henschke und Prof. Dr. Edgar Ring im Marcus-Heinemann-Saal um 11 und 15 Uhr Backsteine, Formsteine und Mauerverbände. Bis das Museum wieder komplett ist, haben Besucher (bis auf Sonderveranstaltungen) freien Eintritt.

Die Varus-Schlacht hat übrigens nicht im Teutoburger Wald, sondern an der Elbe stattgefunden – glaubte jedenfalls der Archäologe Dr. Arne Fries (Christian Rudolf) aus den „Roten Rosen“. Also hat er (in der 14. Staffel der TV-Soap) gebuddelt. Was er angeblich zutage förderte, ist nun auch bei Brand.Aktuell zu sehen. Neben den Film-Artefakten stehen nun die Originale, die den Requisiteuren als Vobild dienten. Respekt, die Fälschungen sehen echt aus.

Von Frank Füllgrabe