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Den Betrachter seiner Werke will Jaakov Blumas zum Co-Produzenten machen. Foto: t&w

Alles kann auch anders sein

Lüneburg. Am Ende einer Ausstellung steht meistens ein Tisch, auf ihm liegen Kataloge – Fotos, kluge Worte, Vita. Das ist bei Jaakov Blumas auch so, aber doch n ur fast. Denn was der Besucher aus dem Heinrich-Heine-Haus erwerben kann, spiegelt genau das, worum es dem Hamburger geht. Für den Künsgtler ist der Betrachter seiner Bilder ein Co-Produzent. Das ist „der erwägung wert“, wie die Ausstellung doppeldeutig heißt, die zum Sinnieren über Wahrnehmung einlädt.

Die Farbbänder sind eben

Jaakov Blumas, 1953 in Litauen geboren, aufgewachsen in Israel, wurde erst Bau-Ingenieur. Anschließend studierte er in Hamburg, wo er auch heute lebt, Kunst – das, was er immer wollte. Blumas nimmt in seiner Malerei Elemente der Op-Art auf, jener Spielart der Kunst, die der Wahrnehmung mit Irritationen wechselnde Wege vorschlägt. Blumas geht von geometrischen Figuren aus, bringt sie aber in Bewegung, malerisch und ganz direkt. Malerisch sind feine farbige Streifen charakteristisch, sie ziehen sich über Kreis und Ellipse, über Rechteck und Quadrat, über wellenartige Bilder und Raumskulpturen. Die Farbbänder sind eben und treten auch mal aus der Fläche heraus. Entscheidend aber sind Straßenschild und Baumkrone.

Die Begriffe wählt Blumas, der zum dritten Mal in Lüneburg ausstellt, um zwei Arten von Wahrnehmung zu charakterisieren. Das Straßenschild setzt ein schnelles Signal. Die Baumkrone verlangt längeres Betrachten und das Umherschweifen des Blicks, um erfasst zu werden. Zwischen diesen Polen bewegt sich Blumas‘ Kunst. Sie scheint schnell erfasst zu sein, die Formen docken an Vertrautes an. Aber sie irritieren doch, der zweite, dritte Blick öffnet neue Perspektiven. Blumas geht noch weiter: Seine Bilder sind variabel, aus Modulen zusammengesetzt. Sie können so oder so oder so gehängt werden. Der Betrachter als Co-Produzent entscheidet.

„Box mit veränderbarer Sequenz“

Es entsteht eine Kunst, die klug und originell ist, Sehgewohnheiten auf den Prüfstand stellt. Das endet bei dem Katalog, der keiner ist. Er enthält einen kurzen und prägnant das Wesen der Kunst von Jaakov Blumas erfassenden Text von Dr. Belinda Grace Gardner. Der Text ist Teil einer „Box mit veränderbarer Sequenz“, die als mehrteiliges Kunstwerk auf einer Magnetfolie den Besucher zum Co-Produzenten macht. Er bestimmt, wie er sehen will, was Jaakov Blumas ihm mitgibt.

Eingeladen wurde Jaakov Blumas vom Kunstverein. Die Ausstellung öffnet bis zum 1. Juli sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Von Hans-Martin Koch