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Eine Szene aus „Der zerbrochne Krug“. Foto: Theater/t&w

Wer packt was drauf ?

Lüneburg. Die Zahlen des Theaters Lüneburg sind wieder mal sehr gut und doch weiterhin sehr problematisch. Die Zuschauerzahl wird am Ende der Spielzeit trotz de s heißen Maisommers das hervorragend gelaufene Vorjahr erreichen oder gar übertreffen. Bei den Kennzahlen in Sachen Wirtschaftlichkeit zählt das Haus nach wie vor zu den effektivsten in der Republik, liegt bei den Kosten bei der Hälfte des Bundesschnitts. Trotzdem reicht es auf Dauer nicht. Nach wie vor schliddert das Theater auf den wirtschaftlichen Abgrund zu. Aber es gibt etwas Hoffnung.

Das Minus am Ende dieser Spielzeit liegt bei 276.380 Euro. So hat es Co-Geschäftsführer Volker Degen-Feldman in den Wirtschaftsplan 2018/19 schreiben müssen. Den größten Batzen nimmt nach wie vor der Bereich der Personalkosten ein, und dort liegt auch der Kern des Problems. Das Theater schleppt ein Minus aus einer Phase mit, als eine Vorgängerregierung das Mittragen von Tariferhöhungen einfror – in den Jahren 2005 bis 2011. Seither werden Tariferhöhungen wieder von den Trägern übernommen – zu 80 Prozent.

Die Zahlen sehen dramatisch aus

Noch kritischer sieht es beim Blick nach vorn aus. Perspektivisch springt das Defizit Jahr um Jahr dramatisch an. Für 2022/23 errechnet Degen-Feldmann ein Jahresminus von 689 380 Euro, mit den Rechnungen der Vorjahre läge das Defizit bei 2,5 Millionen Euro. Kommt es so, ist das Theater tot. Schon 2020/21 würde nach jetzigem Stand die bilanzielle Überschuldung eintreten, wäre kein Ausgleich etwa über Rücklagen möglich. Eine Insolvenz wäre die Folge. „Ich glaube aber nicht, dass es so kommt“, sagt Degen-Feldmann.

Die Hoffnung ist im Hannoverschen Koalitionsvertrag von SPD und CDU formuliert, auf Seite 31: „Kommunale Theater wollen wir stärken, die Grundförderung erhöhen und die Tarifsteigerung übernehmen.“ Natürlich heißt „Wir wollen“ nicht „Wir werden“, aber darum wird zurzeit zwischen Land und kommunalen Trägern verhandelt. Stadt und Kreis Lüneburg sind mit knapp 50 Prozent an den Theaterkosten beteiligt, zahlen pro Jahr jeweils 1,4 Millionen Euro, das Land 3,0 Millionen. Das Theater erwirtschaftet rund 25 Prozent der Kosten, das liegt nach Daten des Deutschen Bühnenvereins weit über dem Bundesschnitt. Der Ge­samt­etat des Theater liegt für 2018/19 bei knapp 9,7 Millionen Euro.

Warten auf die Hauhaltsklausur des Landes

Verhandlungsführer beim Land Niedersachsen ist für die sieben kommunalen Theater inklusive des Göttinger Symphonie Orchesters Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. „Optimistisch bin ich immer“, sagt Mädge. „Wir haben mit dem zuständigen Minister Björn Thümler sehr offen und fair gesprochen.“ Das sei mit der Vorgängerin weit schwieriger gewesen. „Die Situation ist dem Minister klar“. Deutlich gemacht habe er auch, so Mädge, dass Stadt und Kreis als Mit-Träger des Theaters über ihren Anteil bei Tarifsteigerungen hinaus keine zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen eingehen können.

Jetzt gelte es abzuwarten, was bei der Haushaltsklausur in den kommenden Tagen herauskomme. Durch die eine Milliarde Euro, die VW ans Land zahlen muss, sind die Begehrlichkeiten groß.

Ein neuer Theatervertrag mit dem Land muss bis zum 1. Januar abgeschlossen sein. Am Donnerstag, 21. Juni, sind die Zahlen des Theaters Thema im Wirtschaftsausschuss der Hansestadt, der ab 16 Uhr im PKL am Wienebütteler Weg tagt.

Von Hans-Martin Koch