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Der „Jahrmarkt der Einsamkeit“ macht sich auf den Weg nach Wettenbostel. Foto: Brüggemann

Die Gaukler kommen

Bostelwiebeck/Wettenbostel. An diesem Tag geht etwas zu Ende und fängt etwas an. Der Übergang ist fließend. Mittags haben die Proben begonnen für den „Jahrmarkt der Einsamkeit“. Und nun macht sich Patricia Carolin Mai warm für ihre Tanzperformance „Leved“, die sie gleich auf dem Hof des Jahrmarkttheaters vorführen wird – als Abschluss der „Einsamen Spitzen“, die in kleinen Jahrmarktbuden zwischen Diahren, Jastorf und Lüneburg zu erleben waren. Vor dem Tanz ist noch Zeit, bei Kaffee und Kirschen über das, was kommt, zu sprechen.

Alle Sommer seit zehn Jahren zieht das Jahrmarkttheater nach Wettenbostel und erfindet sich neu. Sie haben Shakespeare gespielt und Goldoni, die „Schwundregion 3000“ erkundet und „Die Erfindung der Liebe“ analysiert. Nun laden sie ab 26. Juli zum „Jahrmarkt der Einsamkeit“, einem Zweiteiler. Auf einen Jahrmarktsbummel wird „The Greatest Show Of Loneliness“ folgen.

Barry Goldman übernimmt das Inszenieren

Am Tisch in Bostelwiebeck sitzen Barry Goldman und Andrea Hingst, sie teilen sich die Regie, und Markus Voigt, der Mann für die Musik. Anja Imig, die Ausstatterin, schaut auch mal vorbei. Raus hält sich Thomas Matschoß, der Autor, der Regisseur der vergangenen Jahre und Jahrmarkttheaterdirektor. Er will diesmal nur spielen.

Barry Goldman übernimmt das Inszenieren, das ihn quer durch die Republik führt. Am Theater Lüneburg hatte er 2015 das Kinderstück „Ente, Tod & Tulpe“ auf die Bühne gebracht. Seit weit längerer Zeit arbeitet Goldman immer wieder mit Anja Imig zusammen, die mit Thomas Matschoß das Jahrmarkttheater betreibt. So kam der Kontakt zustande. Goldman verbildlicht seine Arbeit als erster Gastregisseur des Jahrmarkttheaters so: „Die Küche steht natürlich schon. Die Zutaten sind gut, aber ich bringe andere Gewürze mit.“ Den Text für die „Loneliness“-Show schrieb Thomas Matschoß. Was aber wird denn da im Sommer nun gezeigt?

Schaubude, Spielbude, Fressbude und mehr

Zuerst locken die sieben rotweiß gestreiften Jahrmarktbuden, die in den vergangenen Wochen auf einem Feld, einer Fähre und auf der Lüneburger Kurparkmuschel standen. Nun bilden die Buden den Kern eines Jahrmarkts. Sie werden zu Schaubude, Spielbude, Fressbude und mehr. Entstehen solle eine Atmosphäre der Leichtigkeit, sagt Andrea Hingst.

Nach rund 30 Minuten aber wird Maestro Riviera mit seinen vier Meistern der Einsamkeit in die größte Bude führen und damit, so wird es versprochen, in ein Kuriositätenkabinett der Sehnsüchte und Ängste. Dazu spielt die Kapelle der Eremiten – mal leise, mal laut.

Auftreten werden eine Wahrsagerin, ein Zauberer, ein Astronaut, der das Sonnensystem verlassen hat und zurückkehrt, der Hau-den-Lukas-Erfinder und viele mehr. Kabarettist Axel Paetz wird den Maestro spielen und durch den Abend aus Poesie, Show und Dramatik führen. Dabei dreht es sich immer wieder um das Thema Einsamkeit, um positive Seiten, aber auch um die ernsten, berührenden in einer rasant alternden Gesellschaft. „Es ist“, so Anja Imig, „eine Notwendigkeit, das Thema sichtbar zu machen.“

Spektakulär und poetisch

Der Jahrmarkt der Einsamkeit sei, heißt es in der Ankündigung, zugleich spektakulär und poetisch, höchst musikalisch und voll von trockenem, makaberem Humor, reich an fantastischen Überraschungen und großartigen Kleinigkeiten. „Das wird eine rasante Sache“, sagt Musiker und Songtexter Markus Voigt.

Das Jahrmarkttheater lässt sich für Besucher wie eine jedes Jahr anders gefüllte Wundertüte erleben. Das wird in diesem Sommer wieder so sein. Jetzt laufen die Proben für den „Jahrmarkt der Einsamkeit“, und sicher ist nur, dass bei den Vorstellungen – mit maximal 200 Zuschauern – niemand einsam sein wird. Der Jahrmarkt öffnet am 26. Juli.

Von Hans-Martin Koch