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Oliver Wille bringt in seinem Programm für die Sommerlichen Musiktage alle Streichquartette Beethovens unter. Foto: MolinaVisuals

Beethoven an der Elbe

Hitzacker. „Beethoven!“. Er gilt als der meistgespielte klassische Komponist – da meinen sicher viele, ihn zu kennen. Doch so wie Beethoven ein Künstler war, de r sich immer wieder neu erfand, Grenzen suchte und diese auch überschritt, so ist er auch immer wieder neu zu entdecken. Die 73. Sommerlichen Musiktage Hitz­acker widmen sich vom 28. Juli bis 5. August – zwei Jahre vor Beethovens 250. Geburtstag – dem „ersten freien Komponisten der Musikgeschichte“, wie Intendant Prof. Oliver Wille sagt.

In der dritten Hitzacker-Spielzeit von Oliver Wille steht als roter Faden die Aufführung aller Streichquartette mit jungen Ensembles und dem Kuss Quartett auf dem Programm. Zu Gast sind neben den großen Talenten renommierte Interpreten wie Alexander Lonquich (Klavier), Camilla Tilling (Sopran), Rudolf Buchbinder (Klavier), Nicolas Altstaedt (Violoncello), Christian Tetzlaff (Violine) und das Münchener Kammerorchester.

Muss es sein? Ja, es muss sein

Spielstätte ist wie stets in erster Linie das Verdo, dazu wird in der St. Johanniskirche musiziert und das Hotel Waldfrieden genutzt. In der Kunsthalle Oktogon wird ein Beethoven-Salon gegründet, in dem zum Beispiel am ersten Festivaltag um 22.10 Uhr Nike Wagner über „Wagners Beethoven“ sprechen wird. Im Oktogon werden ebenfalls Beethoven-Streichquartette gespielt, aber auch Uraufführungen.

Wie Beethoven heute betrachtet werden kann, ist bereits beim Eröffnungskonzert zu sehen. Beethovens op.135, das 16. und letzte abgeschlossene Streichquartett, wird vom Berliner Ensemble Nico and the Navigators unter dem Titel „Muss es sein? Ja, es muss sein!“ inszeniert. Musizieren wird dazu Oliver Willes Kuss Quartett.

Labor Beethoven 2020

Spannung verspricht auch das „Labor Beethoven 2020“ der Akademie der Künste Berlin. Neun junge Komponistinnen und Komponisten werden in Hitzacker ein mehrjähriges Projekt starten und mit aktuellen Preisträgern und Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs Gemeinsames entwickeln. Das „Labor“ arbeitet auch mit Oliver Willes Kuss Quartett zusammen. Die jungen Komponisten präsentieren in Hitzacker ein eigenes Konzertprogramm, am 2. August bei einer „Nacht der Preisträger-Akademie“.

Zu den Besonderheiten gehört das Programm „Ludwig on Tour“ am Sonntag, 29. Juli, wenn es mit mehreren jungen Quartetten von Hitzacker über Dannenberg an den Waldsee in Sammatz geht. Aufsehen erregen dürfte am Sonnabend, 4. August, um 11 Uhr der Auftritt von Festivalchor und Festivalorchester mit Alexander Lüken als Dirigent in Hitzackers Hafen. „Beethoven für alle!“ heißt es zum Schluss-Chor aus der neunten Symphonie – mit Orchester. Dabei kommen auch Festivalbesucher zum Einsatz, die beim fast täglich angebotenen “Chorsingen für alle“ mitwirken.

#freebeethoven – #freebrahms

Noch ein ungewöhnlicher Programmpunkt: Ihn setzt das Berliner STEGREIF.orchester unter dem Motto „#freebeethoven – #freebrahms“. Dabei werden die jungen Berliner Musiker Beethovens vierte Sinfonie verteilt im Raum und in Bewegung spielen – ohne Notentreue. Die Brahms-Sinfonie spielt dabei eine eigene Rolle, am Dienstag, 31. Juli.

Außer viel Kammermusik für Streicher kommen andere Seiten des Komponisten zum Zug. Ein Beispiel: Pianist Rudolf Buchbinder nimmt sich am 30. Juli drei Sonaten vor, alles Hits – die Pathetique, die Mondschein-Sonate, die Appassionata.

Der Vorverkauf für das älteste deutsche Kammermusikfestival läuft, unter anderem bei der LZ-Konzertkasse, Am Sande.

Von Hans-Martin Koch