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Rechtsanwalt Andreas Hansen gönnt sich im Musikzimmer seiner Kanzlei eine kreative Pause. Foto: ff

Der Rock´n´Roller kann auch Quintenzirkel

Bienenbüttel. Es gibt Musiker, die tauchen immer wieder auf, in verschiedenen Bands, mit wechselnden Sounds, und die gehören zur Szene einfach dazu. Andreas Han sen? Das ist doch der mit der grauen Mähne. Seit rund 25 Jahren ist er als Sänger, Gitarrist und Bassist rund um Lüneburg unterwegs, höchste Zeit, ihn einmal vorzustellen. Ein Treffen sollte notwendigerweise dort stattfinden, wo seine Instrumente stehen. Also lädt Andreas Hansen in seine Rechtsanwalts-Kanzlei in Bienenbüttel.

Eigentlich wohnt Hansen, 1962 in Solingen geboren, seit fünfundzwanzig Jahren in Laßrönne, einem Ortsteil von Winsen/Luhe. Aber die Kanzlei in Bienenbüttel ist auf zwei Etagen so geräumig, dass neben den Büros auch Zimmer für Bässe, Banjos, Gitarren übrig sind. Der Fachmann für Unfallsachen, Arzthaftung, Baurecht, Mietrecht, Erbangelegenheiten, Vertragsrecht und was sonst so anfällt, muss ja nicht unbedingt dann die Verstärker aufdrehen, wenn die Kolleg(inn)en gerade Mandanten zu Besuch haben.

„Im Grunde bin ich ziemlich unmusikalisch“, sagt Andreas Hansen, kein übermäßig feines Gehör also. Aber: „Mit zweieinhalb Jahren wollte ich Gitarre lernen“, da war der Knirps so fasziniert vom Vortrag einer Musiklehrerin, dass der Bazillus ihn nicht mehr losließ. Mit Kreativität, Hartnäckigkeit und Neugier, das kann man schon Leidenschaft nennen, hat sich der Teenager seine Musikwelten erobert. Zur Gitarre kamen dann mit 18 Jahren der E-Bass und der Kontrabass – „aus Faulpelzgründen“.

Ohne Harmonielehre geht es einfach nicht

Die Hitparaden im Radio hören, Songs nachspielen, sich die Riffs und Akkorde erschließen, das ist die denkbar beste Lehrzeit. Im Gegensatz zu vielen – auch berühmten – Musikerkollegen beherrscht er Noten, Quintenzirkel, Harmonielehre, wer selbst arrangiert, kommt da auch nicht drumherum. Noch heute nimmt Andreas Hansen immer mal wieder Unterricht, bei der Jazz-Gitarristin Sandra Hempel beispielsweise. Apropos Jazz: Den hat er sich erst relativ spät erschlossen, mit fünfzig. „Man muss sich weiterentwickeln“, sagt Hansen, allerdings will er aufpassen, sich nicht in den branchenüblichen Skalen und Patterns zu verdaddeln. „Da halte ich es mit Joe Pass. Der hat gesagt, er kenne nur Dur-, Moll- und Septakkorde“.

Im Gegensatz zu vielen seiner Freunde von damals studierte Andreas Hansen statt Musik doch lieber Jura, sicher ist sicher. „Rolf der Wolf und die Blueshunde“, das ist so eine Truppe von früher. Rolf lebt nicht mehr, heute heißen sie“ Blueshund Hansen und die Hausrocker“. Mit den Mockingbirds hat er Oldtime-Jazz gespielt und Afrikanisches mit Kekso Lamine Diabang. Heute spielt er Plattdüütsches mit Swing op de Deel, in Hamburg verstärkt er die Bobcats, rockt mit seinem Hansen-Trio.

Und sonst? Einige Zeit saß Andreas Hansen für die Grünen im Winsener Stadtrat, aber das war eher eine Episode. Die drei Kinder sind groß, da ist neben dem Beruf wieder mehr Zeit für die Bands. Wieviel Gitarren hat er eigentlich, daheim, und in der Kanzlei? „Keine Ahnung“, sagt Andreas Hansen, „so fünfzehn bis zwanzig werden es sein. Ich sammle nicht, gebe auch ab und zu mal wieder eine weg.“

Mit der Robe im Motorradkoffer

Generell ist es schwieriger geworden, Bühnen zu finden, „es gibt ja kaum noch Clubs. Und das Publikum wird mit mir zusammen älter, nachwachsende Guitar-Heroes gibt es auch kaum.“ Das Motorrad, eine 1100er BMW, wird weiterhin geliebt, damit fährt Andreas Hansen gern zu den Gerichtsverhandlungen, die Robe im Seitenkoffer. Ein bisschen Rock`n`Roll muss schon sein, mit oder ohne Gitarre. Auf dem Stadtfest Bad Bevensen, 27. bis 29.Juli, ist Andreas Hansen gleich mit drei Bands dabei: erstens Jesse Gils Band, zweitens die Hausrocker, drittens sind da noch die Twenty-One-Strings Hawaiian.

von Frank Füllgrabe