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Ausnahmsweise auch mal eine Touri-Ansicht: Mathias Meinel präsentiert ein Ölgemälde, das den Blick vom Wasserturm zeigt. Foto: ff

Draußen kurz angebunden

Lüneburg. Es ist zurzeit schwer vorstellbar, aber in Lüneburg war es auch einmal kalt, nass und dunkel, Anfang dieses Jahres zum Beispiel. Von Januar bis März war Mathias Meinel Gast des Uwe Lüders Stipendiums, lebte in der Atelierwohnung im Roten Hahn und malte die Stadt, wie er sie sah, winterlich eben, ein bisschen ungemütlich und zugleich anheimelnd. Ergebnisse sind jetzt in der Kulturbäckerei zu sehen.

Winkelige Straßen, schiefe Mauern, ab und zu ein beleuchtetes Fenster oder eine Straßenlaterne, feucht schimmerndes Kopfsteinpflaster – „das war sehr inspirierend“, sagt Mathias Meinel. Er selbst verortet sich tendenziell bei den Impressionisten, bei Lüneburg fällt ihm Harry Potter ein: „Muggelgassen“. Ein paar „Touri-Ansichten“ seien schon dabei, der Blick vom Wasserturm auf das Dächermeer zum Beispiel, und das Rathaus mit dem Marktplatz. Entscheidend aber ist das Licht (beziehungsweise das Fehlen), die langen Schatten, die Stimmung des Überganges vom kurzen Tag zur langen Nacht und die ersten blassen Strahlen am frühen Morgen.

Mathias Meinel stammt aus dem Erzgebirge, studierte Produktdesign und lebt heute in Hamburg-Nettelnburg, durchaus naturnah also. Ein bisschen poetische Überhöhung ist immer dabei, egal, ober er heroische Kräne des Hamburger Hafens malt oder ermattete Grasbüschel vor der Haustür.

„Draußen bin ich kurz angebunden“

Die Momentaufnahme von Lüneburg bildet den Kern der Ausstellung im Artrium. Drumherum zeigt Mathias Meinel, was ihn sonst noch beschäftigt – Pfützen zum Beispiel. Es gibt einen ganzen Gemälde-Zyklus vom Postkartenformat bis zum Fünf-Quadratmeter-Bild, über Wasserlachen und kleine Tümpel auf Wiesen und Ackerfurchen – flüchtige Mikrokosmen, die mal im Matsch den Himmel spiegeln und mal wie Tore zur Unterwelt wirken. Anderswo ist Lübeck zu sehen, noch so eine altehrwürdige Hanse-Perle also, aber diesmal im hellen Sommerlicht, die Arbeiten entstanden ja auch erst vor drei Wochen.

Gegen Sonne hat Mathias Meinel im Prinzip nichts einzuwenden, gern malt er pleinair, also draußen, vor Ort. Möglichst dicht dran sein ist das Prinzip, dazu gehört auch die Technik „alla prima“, soll heißen: Die Eindrücke werden möglichst unmittelbar in einem einzigen Arbeitsprozess auf die Leinwand gebracht, hart werden kann die Ölfarbe dann im Atelier. „Draußen bin ich kurz angebunden“, sagt Mathias Meinel. Die entgegengesetzte Technik, also Schicht um Schicht zu malen und dazwischen lange Trocknungsphasen einzuplanen, das wäre bei seiner Position kaum möglich.

Die Ausstellung „Stadt, Land, Fluss“ in der KulturBäckerei läuft bis noch bis Mittwoch, 11. Juli.

Von Frank Füllgrabe