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Bernd Löckener (links) präsentiert das Prunkstück seiner heimatgeschichtlichen Sammlung, eine Elch-Bronze. Dr. Christoph Hinkelmann begutachtet die Trophäe. Foto: t&w

Täglich kommen zwei oder drei Anrufe

Lüneburg. Seit mehr als fünfzig Jahren ist Bernd Löckener verheiratet, seine Frau stammt aus Königsberg. Fast so lange hat er Material aus Ost- und Westpreußen zusammengetragen – Briefe, Zeitschriften, Fotos und Ansichtskarten vor allem. „Ich wollte mithelfen, ein wenig ihre verlorene Heimat zu bewahren“, so der 76-Jährige, der heute im westfälischen Münster lebt. Da ist über die Jahrzehnte allerhand zusammengekommen, doch nun stellte sich für Bernd Löckener die Frage: Wohin damit? Wo wird diese Sammlung gewürdigt? Seine erste Adresse: das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg.

Immer wieder melden sich Menschen, die etwas im Ostpreußischen Landesmuseum unterbringen wollen: „Ich bekomme zwei oder drei Anrufe pro Tag“, so Dr. Christoph Hinkelmann. Er ist der Naturkundler des Hauses, außerdem für die Bibliothek zuständig. „Die Leute melden sich aus aller Welt, zuletzt hat sich jemand aus Aus–tralien an uns gewandt“, Recherche im Internet macht es möglich. „Den meisten geht es um einen Nachlass, sie wollen beispielsweise ein Buch anbieten, aber dann merke ich oft, dass da noch viel mehr ist.“

Schenkung führt in eine win-win-situation

Bernd Löckener sieht sich selbst mit seiner Frau „auf der Zielgeraden des Lebens“, und in der Familie habe niemand so recht Interesse an der heimatgeschichtlichen Sammlung. Die Schenkung führt in eine win-win-situation: Die Bilder und Texte bleiben der Nachwelt – aufbereitet für Forschungszwecke – erhalten, das Museum hat die Chance auf ein paar Fundstücke, die den Weg in die Vitrinen schaffen könnten. Und der Schenkungs-Geber hat die Gewissheit, dass die Herkunft der Exponate bei Ausstellungen angemessen gewürdigt wird.

Fünf Pakete stehen nun im Büro von Dr. Christoph Hinkelmann. So richtig Zeit zum Auspacken hatte der Wissenschaftler bisher noch nicht, denn das Ostpreußische Landesmuseum wird komplett neu gestaltet, am Sonntag, 26. August, wiedereröffnet, dann mit der neuen Deutschbaltischen Abteilung. Überall im Haus wird gezimmert, geschoben, an der Präsentation gewerkelt.

Prunkstück der Sammlung ist eine Elch-Bronze

Aber Bernd Löckener hat vorgearbeitet und ein akkurates Verzeichnis seiner Sammlung erstellt, lange Listen in sauberer, engzeiliger Handschrift geschrieben: 1888 Posten, jeder einzelne mit Wert-Angabe, die „Ansichtskarte (Blick auf Altstädtische Kirche) vom 23.12.36 aus Königsberg“ beispielsweise ist auf 15 Euro geschätzt, das „Kärtchen mit Briefausschnitt ohne Marke vom 10.8.35“ kommt nur auf fünf Euro. Das summiert sich auf 27.442 Euro. Prunkstück der Sammlung ist eine Elch-Bronze, undatiert, aber offensichtlich aus der Zeit vor 1945. Das gute Stück diente als Sport-Trophäe: 2. Preis einer Fahrradrundfahrt.

Die meisten der 1888 Exponate werden anderswo sortiert und katalogisiert, in Archiven, im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen etwa, oder im Herder-Zentrum Marburg. Eine Adresse ist auch das Bildarchiv Ostpreußen in Hamburg, dort werden Fotos eingescannt und über das Web zugänglich gemacht; das sind inzwischen mehr als hunderttausend Abbildungen. Das Ostpreußische Landesmuseum selbst archiviert vor allem Gemälde und Objekte. Die neue Dauerausstellung wird deutlich größer sein, seit 1990 hat der Bestand um 20 Prozent zugenommen, schätzt Dr. Hinkelmann.

Das alles will nun aufbereitet sein, im Fenster neben dem Haupteingang des Museums steht eine Schiefertafel, die jeden Tag mit grüner Kreide neu beschriftet wird; am Freitag stand da: „Neueröffnung in 45 Tagen“.

Von Frank Füllgrabe