Dienstag , 25. September 2018
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Dr. Martin Pabst arbeitet als Wissenschaftlicher Leiter im Deutsch-Baltischen Kulturwerk. (Foto: ff)
Dr. Martin Pabst arbeitet als Wissenschaftlicher Leiter im Deutsch-Baltischen Kulturwerk. (Foto: ff)

Mit Blick aufs Baltikum

Lüneburg. „Ich hatte schon Leute zu Besuch, die leben seit dreißig Jahren in Lüneburg“, so Dr. Martin Pabst, „und jetzt sind sie zum ersten Mal hier drin gewese n.“ Mit „hier drin“ meint der Historiker die repräsentative, mit aufwändig gestalteten Fenstern und Deckenmalereien ausgestattete, dabei auch ein wenig düstere Diele des Brömsehauses, Am Berge 35. Hier drin wurde gerade die Vernissage der Ausstellung „Geschichte Estlands in Bildern“ gefeiert, mit dem Besuch des Botschafters der Republik Estland, Dr. Mart Laanemäe. Es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung bei dem Organisator der Präsentation, dem Deutsch-Baltischen Kulturwerk.

Das hängt natürlich auch mit der Neueröffnung einer vollständige neuen Deutsch-Baltischen Abteilung im Ostpreußischen Landesmuseum am 26. August zusammen. Den Einführungsvortrag im Brömsehaus hielt Dr. Eike Eckert vom „OL“, Titel: „Von Alatskivi nach Lüneburg und zurück“. Es geht darum, wie eine einmalige Sammlung aus dem Schloss Alatskivi über Süddeutschland nach Lüneburg gelangte und zum Teil wieder in Estland zu sehen sein wird. „Lüneburg ist zum Kompetenz-Zentrum für das Thema Baltikum in Deutschland geworden“, freut sich Dr. Martin Pabst. Er selbst, 1982 in Hannover geboren, promovierte über die Reformation in Riga, dort hat auch sein Familienstammbaum die Wurzeln.

Enges Netz von Osteuropa-Institutionen

Es ist nicht so einfach, bei den Lüneburger Einrichtungen, die Estland, Lettland und Litauen im Blick haben, den Überblick zu behalten: Das Brömsehaus ist also der Sitz des Deutsch-Baltischen Kulturwerks, bestehend aus der Carl-Schirren-Gesellschaft, der Deutschbaltischen Kulturstiftung und dem – wiederum von der Schirren-Gesellschaft 1991 gegründeten – Deutsch-Baltischen Jugendwerk. Dr. Pabst ist seit zwei Jahren der Wissenschaftliche Leiter im Brömsehaus. Das Jugendwerk vergibt Stipendien, veranstaltet Seminare, Tagungen und Austausch-Reisen für junge Leute. „Es geht darum, die baltischen Staaten als Teilnehmer eines modernen Europas zu dokumentieren, die schließlich der Nato und dem Euro-Verbund angehören.“

Als Veranstalter der 100-Jahre-Estland-Ausstellung mit im Boot sitzen aber auch die Deutsch-Estnische Gesellschaft und das IKGN, das Kürzel steht für Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa. Es wird kurz „Nordost-Institut“ genannt, ist an die Uni Hamburg angedockt und sitzt in der Conventstraße, also direkt am Brömsehaus.

Estland, vor hundert Jahren also als freie Republik proklamiert, hatte es nicht leicht, die Unabhängigkeit währte nur kurz: Durch das geheime Protokoll des Hitler-Stalin-Paktes vom August 1939 gehörte Estland zu den Ländern, die Nazis und Sowjets untereinander aufteilten. Im Juni 1940 wurde es von der Sowjetunion vereinnahmt. Erst 1991 erlangte die Republik Estland erneut ihre Souveränität. Den Weg dorthin dokumentiert die Ausstellung in Schlaglichtern; zu sehen ist auch jene 650 Kilometer lange Menschenkette, die Fotos vom „Baltischen Weg“ gingen um die Welt.

Über eine lebendige Städtepartnerschaft

Dr. Martin Pabst wird weiterhin versuchen, Neugierige ins Brömsehaus zu locken, es ist jeweils mittwochs von 17 bis 20 Uhr geöffnet. Für die vom Eesti Instituut erstellte, knapp gehaltene Wanderausstellung (bis 9. September) gibt es als Rahmenprogramm noch zwei Vorträge, jeweils um 18 Uhr: Dr. David Feest vom Nordost-Institut spricht am 8. August über „Estland nach der Staatsgründung 1918“, am 5. September geht es um „25 Jahre Lüneburg – Tartu. Stationen und Zukunft einer lebendigen Städtepartnerschaft“, es spricht Heiko Frese von der Deutsch-Estnischen Gesellschaft.

Von Frank Füllgrabe