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Borbert Schläbitz in seinem Heimstudio in Wendisch Evern, das zugleich als Arbeitszimmer dient. Foto: oc

Alles eine Sache der Liebe

Wendisch Evern. Es ist die Liebe. Anders kann es ja nicht sein, wenn ein Professor, der in Münster lehrt, seinen Wohnsitz in Wendisch Evern nimmt. So ist es den n auch. „Ich bin nicht mehr auf der Suche, ich bin angekommen in meinem Leben“, sagt Norbert Schläbitz. Er legt nach: „An einem Ort, von dem ich nicht wieder wegwill, mit einem Beruf, den ich mit Dankbarkeit annehme.“ So viel Pathos darf sein, und der Blick ins Grüne von der Terrasse des Hauses, zu dem ein holpriger Sandweg führt, passt dazu ganz wunderbar. Vor der Tür stehen neue und alte Laufschuhe, im Arbeitszimmer Keyboards und Gitarren. Schläbitz ist Marathonmann, Musikprofessor und nach 40 Jahren wieder Musiker – im „wise men project“.

Also zurück: 1978. Da war Norbert Schläbitz, Jahrgang 1959, ein Halberwachsener in Essen, sein Bruder auch. Sie hörten Deep Purple, Jethro Tull, Yes, Genesis mit Peter Gabriel, sie kamen auf deutsche Bands: Can und Krautrocker wie Birth Control, Kraan, Grobschnitt und andere, die so eine Art artifizielles Rockgefrickel produzierten. Die Schläbitze Achim und Norbert fingen an, selbst Musik zu machen. „Das war der Impuls für alles Weitere“, sagt Norbert Schläbitz. Die Liebe zur Musik saß und blieb.

Schläbitz schrieb über Jahre Filmmusik, er wurde Lehrer, promovierte 1996 mit der Arbeit „Der diskrete Charme der Neuen Medien“. Da war er weit vorn. Als Wissenschaftler bewegt er sich heute mit einer Fülle von Veröffentlichungen zwischen Didaktik, Medientheorie und -philosophie.

Beethoven ist nicht besser als Helene Fischer

Es lassen sich auf der Terrasse wunderbar Themen anreißen. Dass es wichtig ist, theoretisches Wissen auf verständliche Weise weiterzugeben. Dass der Neu-Humanismus nicht als Leitkultur taugt. Dass die Klassik es verschlafen hat, den Wandel und das Konkurrieren ästhetischer Theorien mitzugehen, in sich verharrt und sich hat abhängen lassen. Dass Beethoven so gesehen gar nicht besser ist als Helene Fischer, die ihre Sache perfekt ausübt. Und dass die Frage erlaubt ist, ob denn das „schwarze Quadrat“ von Malewitsch besser ist oder die „Mona Lisa“? Aber bevor es kompliziert wird, zurück zu den „wise men“.

40 Jahre später also sind die Brüder Schläbitz wieder aktiv. Norbert Schläbitz schreibt die Stücke und spielt in Wendisch Evern sämtliche Instrumente ein, viel Keyboard, akustische und elektrische Gitarre, Bass, auch mal Querflöte – da schlägt die nicht erloschene Liebe zu Jethro Tull durch. Bruder Achim, der in Essen lebt und die Malerei pflegt, sorgt für die Texte und singt fast alle der 13 Songs. Seine vom Leben geprägte Stimme führt die Songs in die Tiefe.