Mittwoch , 26. September 2018
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Sonne, Guss und Rock‘n‘Roll
Doctor Krápula aus Kolumbien verbindet Rock und Latin, Party und Botschaft. Foto: t&w

Sonne, Guss und Rock‘n‘Roll

Ventschau. Seit gefühlt 400 Tagen protzt jeder Tag mit Hitze bis zur Hirnschmelze, und Linderung ist nicht in Sicht. An einem einzigen Tag aber donnert, stürmt und regnet es, und das trifft das e-Ventschau-Festival hart. Am Sonnabendnachmittag drohte schon der Abbruch, flogen Technik- und Cateringzelte fast davon, und auch der Abend blieb nicht trocken.

Gewitter kostet reichlich Besucher

Aber weiter ging‘s. Das Festival, das Musik, Atomkraftprotest und Hilfe verbindet, ist schlechtes Wetter gewohnt. Davon gab es im Vorjahr reichlich. Das Gewitter aber wird dem Festival am Sonnabend reichlich Besucher gekostet haben. Sprecher Claus Leo zieht trotzdem ein positives Fazit, zumal der Hof Thiele am Abend doch ganz gut gefüllt war: „Wir sind mit einem guten Gefühl rausgegangen.“

Gestern wurde aufgeräumt, in den nächsten Tagen wird gezählt und gerechnet. Ziel des ehrenamtlich geführten Festivals ist es, Geld zu erwirtschaften – für Kinder, die Opfer der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima wurden.

Festival mit ernster Seite

Am frühen Abend ist es am Sonnabend trocken, die Stimmung entspannt. Während die kolumbianische Band Doctor Krápula aufbaut und mit dem Soundcheck startet, ist Zeit für die ernste Seite des Festivals. Etwas abseits läuft auf einer Tenne die Doku „Furusato – Wunde Heimat“. Sie führt zu Menschen, die nach wie vor in der verseuchten Umgebung des gecrashten Reaktors Fukushima leben. Es ist ihre verlorene Heimat, in der sie dennoch hausen – verbittert, krank, vereinsamt, hiflos, trotzig, resignierend, verhärmt. Sie versuchen so etwas Normalität, der Fischer isst den Fang aus dem verstrahlten Meer roh wie schon immer, und eine Familie kümmert sich so rührend wie vergeblich um ihre jämmerlich zugrunde gehenden Pferde. Nichts ist gut.

Aber Doctor Krápula fängt nun an, und auf dem Hof Thiele zeigt das Leben seine andere, rockige und fröhliche Seite. Sie zu leben ist wichtig, aus ihr heraus wächst die Kraft, dem Bitteren zu begegnen. Das e-Ventschau wird dazu auch 2019 einen Beitrag leisten.

von Hans-Martin Koch