Mittwoch , 19. September 2018
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Die Kunstschule Ikarus in der Kulturbäckerei ist gefragt. Foto: ff

Ikarus segelt im Aufwind

Lüneburg. Es ist gar nicht so einfach, für jede Region dieser Welt ein Tier zu finden. Aber genau das ist bei der sommerlichen „Malreise“ von Ikarus gefordert. Afrika? Elefanten, Giraffen, kein Problem. Australien? Kängurus natürlich. USA? Pferde, die passen immer. China? Pandabären, allerdings nicht einfach zu malen. Aber Indien? Neuseeland? So langsam füllt sich die große Weltkarte. Nicht alle Kreaturen sind sofort zu erkennen, aber das ist auch nicht entscheidend.

Kunst selbst erleben

Ein typischer Ikarus-Kurs, der sich da gerade rund um die Weltkarte auf der Terrasse vor der Kulturbäckerei abspielt. Angetreten waren die Pädagogen einst mit dem Konzept, Kunst zu vermitteln, die nicht vorgeschrieben, sondern selbst erlebt wird. Soll heißen: Entscheidend sind Kreativität, Selbstständigkeit und Spaß, möglichst in der Gemeinschaft. Das ist zwanzig Jahre her, nach guten und nach dürren Jahren segelt Ikarus seit einiger Zeit im Aufwind. Jetzt wird Jubiläum gefeiert, mit einer Ausstellung natürlich, ab Freitag, 10. August (Vernissage 12 bis 15 Uhr) und einem Tag der offenen Tür, 12. August, 11 bis 17 Uhr.

Am Anfang waren Kellerräume in der Hindenburgstraße, Ursula Darius etablierte dort in den Jahren 1997 und 1998 mit Unterstützung der Volkshochschule eine Reihe von Seminaren – Zeichnung und Malerei, Grafik, Holzbildhauerei, Keramik, das Angebot weitete sich schnell aus, mit Film und Fotografie bis hin zu Theater, Ballett und Akrobatik, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zehn Lehrkräfte standen zur Verfügung, und schnell war klar, dass ein geregelter Rahmen her musste, ein Trägerverein.

Mit der Aufnahme in den Landesverband der Kunstschulen nahm Ikarus einen weiteren Schritt in Richtung Professionalität – etwa, was Fortbildungen angeht. Die Universität Lüneburg begleitete das Team mit zwei Forschungs- und Praxis-Projekten, sie hießen „Familienstudio“ und „Expedition StadTraum“. Mittlerweile war Ikarus in den Gebäudekomplex An der Münze umgezogen, unter einem Dach mit der Musikschule.

Kulturbäckerei war die richtige Entscheidung

Dort allerdings wurde es zu eng. Die Sparkassenstiftung hatte die Kulturbäckerei an den Start gebracht. Und während viele Künstler noch zögerten, weil ihnen das ehemalige Bundeswehr-Gebäude zu weit außerhalb lag, griff Ikarus als erster zu. Drei Seminarräume und ein Büro im ersten Stock, direkt am Artrium – „eine richtige Entscheidung“, sagt Margarete Stumpenhusen, Kunsthistorikerin, Lehrerin (Kunst und Mathe), seit 2004 Vorstandsvorsitzende und (ehrenamtliche) Leiterin der Schule. Und: „Wir sind stolz darauf, es bis heute ohne Zuschüsse geschafft zu haben.“ Während es auch schon mal Zeiten gab, in denen Ikarus immer wieder abzustürzen drohte, sich von Semester zu Semester weiterkämpfte, ist heute in vielen Fächern die Nachfrage größer als die Zahl der Plätze, bei fünfzehn bis zwanzig Lehrenden und rund 300 Teilnehmer(inne)n im Jahr – Schulen und Kitas, die von Ikarus besucht werden, nicht eingerechnet. Ikarus vergibt Zertifikate für Erzieher („Fachkraft ästhetische Bildung“), arbeitet in der kunstgestützten Sprachbildung und bei integrativen Projekten. Im Gegensatz zu dem mythologischen Namensgeber, der mit seinen in Wachs steckenden Federn der Sonne zu nahe kam und abstürzte, ist die Lage von Ikarus Lüneburg stabil.

Dass die Kunstschule nicht mehr im alten Stadtkern liegt, sondern hinter dem Bahnhof, hat sich mittlerweile sogar als Vorteil erwiesen – Parkplätze sind kein Problem, und manche Eltern aus den Nachbarkreisen schicken ihre Kinder mit dem Zug zu Ikarus.

von Frank Füllgrabe