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Jenny van Bree kämpft um den Kurs zur erfolgreichen Karriere. Foto: ff

Leicht ist besonders schwer

Hohnstorf/Hamburg. Es klingt alles so easy: „Amore, amore“, singt Jenny van Bree, ein Gute-Laune-Lied, eine Urlaubs-Romanze, eine Melodie, die man unwillkürlich mitsummt. „Knochenarbeit“, sagt die Schlagersängerin. Denn was da so eingängig und spontan wirkt, ist im Studio in langen Sessions ausgetüftelt und ausgecheckt. Diese Erfahrung haben wohl alle Künstler gemacht: Leicht ist besonders schwer. Aber das hat Jenny van Bree gewusst und gewollt, und ja, „das läuft jetzt alles gerade.“

Ihre Familie in Hohnstorf sieht sie eher selten, meistens sitzt Jenny van Bree zusammen mit Lalo Titenkov in dessen „Studio 17“ im Hamburg Schanzenviertel an ihrem nächsten Album. Damit ist die 28-Jährige, die in ihrem ersten Leben als Verwaltungs-Fachangestellte in Lüneburg arbeitete, in jener Welt angekommen, in der Goldene Schallplatten an den Wänden hängen.

„Wir sind ein Dream-Team“

Vladimir „Lalo“ Titenkov ist Co-Produzent von Dieter Bohlen, hat schon einige Nummer-1-Hits auf dem Kerbholz, Lalo war Arrangeur und Produzent für „Modern Talking“, hat bei dem DsdS-Hit „We have a dream“ mitgemischt, unter anderem für Yvonne Catterfeld gearbeitet, für Michelle, Roland Kaiser und Helene Fischer.

Nicht zuletzt ist der gebürtige Weissrusse zuständig für DsdS-Siegerin Marie Wegener. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, „wir sind ein Dream-Team“, sagt Jenny van Bree. Gemeinsam texten und komponieren sie für Kolleg(inn)en, und für ihr eigenes neues Album, das dann im Studio-17-Label „Chef Records“ erscheint.

Vier Monate mit Nino de Angelo

Es ist das zweite, nach „Zeitlupenmoment“ (2017), damals erschienen im Stuttgarter Label „7us“. Danach kamen Gigs, ein Auftritt mit Claudia Jung – und mit Nino de Angelo. Daraus wurde mehr, eine gemeinsame Tournee durch Deutschland und Österreich, schließlich eine Liaison, die Jenny van Bree natürlich zusätzliche Aufmerksamkeit der Medien einbrachte. Aber darüber plaudert die Sängerin nicht, nur so viel: „Es hat vier Monate gedauert, und wir haben uns am Ende nicht gestritten.“ Schließlich will sie als Musikerin wahrgenommen werden, und nicht als Promi-Begleiterin.

Nun also „Amore, amore“ für die Mikros und für die Sender, die ausgekoppelte Single läuft seit vier Wochen mitten in den Top 100 der Airplay-Charts und hält sich seit sechs Wochen ganz vorn in den Votings der NDR 1 Hitparade. So langsam läuft die große Promotion-Maschinerie rund, das Interesse an ihren Liedern wächst, es gibt Verhandlungen und Termine mit TV-Sendern.

Lieder abliefern genügt nicht

Bis dahin heißt es: dranbleiben, „es ist ein Klinkenputzen ohne Ende“, sagt sie, „ein hartes Business, das viele Enttäuschungen und Absagen mit sich bringt“. Das galt für die Songs des ersten Albums, die nicht recht radiokompatibel waren, die mit modernen Sound-Elementen wie Trance, House und Electro in keine Schublade passten. Da hört sich „Amore“ anders an, „das ist ein richtiger klassischer Schlager“. Bei dem nächsten Song „Irgendwo, irgendwie, irgendwann“ ist das schon wieder etwas anders, da sind Country-Elemente im Spiel, „ein Song für die Lkw-Fahrer“. Auch die Songs Nummer drei und vier dürfen ein bisschen Autobahn-Romantik transportieren, sie müssen aber natürlich auf der Radio-Spur bleiben.

Ansonsten gilt: Auf der Bühne präsent sein, nur gute Lieder abliefern, das reicht nicht, das Konzert-Publikum möchte animiert werden, auch mal mit Klatschen und Schunkeln – ganz oldschool. „Wenn man mal als Opener einer Show auftritt, ist das oft nicht leicht, aber wenn die Leute erst einmal mitmachen, dann hat man sie gewonnen“, sagt Jenny van Bree, die am liebsten in heimatlichen Regionen auftritt. Leicht, das ist schwer.

Von Frank Füllgrabe