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Nikolaus hat weit mehr zu bieten als Schokolade in Stanniol. Das zeigen nun Kirchen-Kulturreferent Johann Hinrich Claussen (links), St.-Nicolai-Kirchenvorstand Kirsten Ahrens-Imhorst und Pastor Eckhard Oldenburg. Foto: t&w

Nikolaus ist überall

Lüneburg. Sie heißen Nikolai (elfmal), Nicolai (viermal) und Nikolaus (dreimal). Im Wort steckt das griechische Nike für Sieg und Láos für (Kriegs-)Volk. Aber h ier geht es natürlich um den heiligen und zugleich sagenhaften Bischof von Myra in Lykien, was im Südwesten an der Türkei zu verorten ist. Die Evangelische Kirche hat sich nach zehn Jahren Luther zwei Heiligen zugewandt: Nikolaus und Maria. Lüneburgs Nicolaikirche ist mit im Boot.

Der Weg zu Nikolaus 2018 geht so: Ausgerufen wurde von der Europäischen Kommission das erste Europäische Kulturerbejahr, was bisher weitgehend unbemerkt verstrich. Das Motto lautet „Sharing Heritage“, also: Erbe teilen. Mit Erbe gemeint sind die Schätze und die kulturelle Vielfalt. Die Evangelische Kirche bzw. ihr Kulturbüro kam auf die Idee mit Maria und Nikolaus und suchte pro Bundesland eine Kirche des Namens aus, Darum also Nikolai von Potsdam bis Heilbronn, Nicolai von Dortmund bis Lüneburg und Nikolaus von Rosenheim bis Rehlingen im Saarland.

Der Heilige Nikolaus hat reichlich zu tun

„Bei deinem Namen genannt: Nikolaus“ lautet nun eine kleine Ausstellung plus Programm in der Nicolaikirche. Der Bischof von Myra, der zeitlich im vierten Jahrhundert anzusiedeln ist, zählt zu den populärsten Heiligen. Er hat ja auch, wie Wikipedia verrät, eine Menge zu tun, als Schutzpatron der Russen, Kroaten und Serben, von Lothringen und Süditalien, besonders von Bari. Wenn es nur das wäre, er ist auch Schutzheiliger der Seefahrer, Binnenschiffer, Kaufleute, Apotheker, Metzger, Bäcker, Getreidehändler, Küfer, Drescher, Pfandleiher, Juristen, Schneider, Fuhrleute und Salzsieder. Ach, es geht noch weiter: Nikolaus ist Patron der Schüler, Studenten, Pilger, Reisenden, Liebenden, Gebärenden, Alten, Ministranten, Kinder, Diebe, Gefängniswärter, Prostituierten und Gefangenen. Wahrscheinlich fehlt noch etwas. Die Hanse zum Beispiel.

Jede Kirche „in seinem Namen“ besitzt Besonderheiten in Sachen Nikolaus-Pflege. Der Tag des Heiligen ist bekanntlich der 6. Dezember, und da es ungewöhnlicherweise Ende August noch keine Schoko-Nikoläuse gibt, brachte Pastor Eckhard Oldenburg zur Eröffnung einen vom Vorjahr mit und – neueren Datums – Fruchtgummi-Figuren. Oldenburg erinnerte an die seit 1996 bestehende Tradition, Nikolaus am 5. Dezember im Lüneburger Hafen, wo er im DLRG-Boot anlandet, abzuholen und zu seiner Kirche zu geleiten. „Da ist die Kirche voll wie Heiligabend.“

Lüneburg ist die achte Nikolaus-Station

Nun stehen Pappkartons im Altarraum. Das ist nicht spektakulär, aber das, was auf ihnen steht, gibt Wege zum Nikolaus-Erbe vor. Namen, die sich von ihm ableiten. Karten zeigen, wo man ihn findet. Tiefer reicht die Ausstellung, wenn sie Begriffe verknüpft: wie „Kultur und Identität“ oder „Heimat und Mensch“.

Lüneburg ist die achte Nikolaus-Station. „In fast allen Orten, an denen wir bisher waren, lud eine Kirchengemeinde gleichen Namens die Kartons ein, und so wandert die Ausstellung in fröhlicher evangelischer Anarchie immer weiter“, sagte Johann Hinrich Clausen zum Ausstellungsstart. Clausen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche Deutschland, gehört zum dreiköpfigen Konzeptions-Team. Christiane Frey und Stefan Metzger-Frey begleiteten den Start musikalisch. Artlenburg und Bardowick hätten Kirchen mit Namen Nikolaus.

Der berühmteste Lüneburger Nikolaus heißt Niklas

Ein Flyer weist den Weg zu begleitenden Veranstaltungen mit Gottesdiensten, Führungen durchs Viertel und auf den Turm. Ein Vortrag fällt heraus, da geht es um den vielleicht berühmtesten Nikolaus, besser Niklas Lüneburgs, nämlich um Niklas Luhmann, der im Schatten der Nicolaikirche aufwuchs. An den vor 20 Jahren gestorbenen Soziologen und Systemtheoretiker erinnert am 17. September um 19.30 Uhr Prof. Dr. Martin Warnke von der Leuphana.

Von Hans-Martin Koch