Mittwoch , 26. September 2018
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Der Mond verliert sein Gesicht
Eine Skulptur von Heinrich Eder. Foto: ff

Der Mond verliert sein Gesicht

Thomasburg. Am Anfang stand der Österreicher vor einem Rätsel: Was für eine Tänzerin feiern die Deutschen da bloß alle auf den Karosserien ihrer Autos? Die graz ile Figur erwies sich als der Umriss von Sylt. Für den Bildhauer Heinrich Eder entwickelte sich aus der Assoziation die Idee einer neuen Arbeit. Aus Stahlplatten formte und schweißte er die – angedeutete – Figur einer Frau, die aus einer bestimmten Betrachter-Position heraus nun wieder aussieht wie die Insel.

Objekte erzeugen verblüffende Effekte

Mit der Skulptur als Entwurf einer größeren Arbeit bewarb sich Heinrich Eder für einen Wettbewerb in Westerland. Ohne Erfolg, aber im Garten von Jutta Brüning und Rudolf Ludewig wirkt die Sylt-Tänzerin auch ganz wunderbar. Hier, im Kirchring 6 von Thomasburg, öffnete jetzt eine Ausstellung mit Werken von Heinrich Eder. Schaustück der Präsentation ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die Installation „Nicht mehr als ein Tanz“ im Kunstfenster „ZwischenLinden“, das auch zu dem ehemaligen Gasthaus gehört.

Der gebürtige Salzburger, der ein Atelier in Hamburg hat und inzwischen in Thomasburg wohnt, fährt auf mehreren Gleisen. Er ist – über Lehre und Studium – ausgebildeter Holz- und Steinbildhauer. Aber parallel dazu hat er immer wieder physikalische Prozesse im Blick, die unsere Wahrnehmung und damit auch unsere Vorstellungen von der Welt beeinflussen. So entstand eine Reihe von Installationen und Objekten, die zum Teil verblüffende Effekte erzeugen. Für ihre Herstellung muss Heinrich Eder allerhand Handwerk beherrschen, von Tischlerei bis Schlosserei.

Unwucht erzeugt ein Wellenmuster

Im Mühlenteich wird eine Boje schwimmen, die auf und ab schwingt, und damit – wenn das Wetter einigermaßen mitspielt – ein gleichmäßiges Muster von Wellenringen erzeugt. Eine rotierende Unwucht im Schwimmkörper macht es möglich. Solche Objekte hat Eder auch schon als Trio eingesetzt, damit etwa den Schlossteich von Glücksburg zu einem schillernden Land-Art-Objekt mit dreihundert Metern Durchmesser gemacht.

Ausbreitung und Überlagerung von Wellen in Luft und Wasser, das ist so ein Thema des Bildhauers. Gern setzt er Parabolspiegel aus Stahl und Marmor ein, selbst geschliffene natürlich. Einer ist im Flur des Hauses aufgebaut, davor hängt ein Käfig. Wer aus einer bestimmten Distanz hineinschaut, hat tatsächlich den Eindruck, der eigene Kopf hänge (verkehrt herum) in diesem Käfig. „Im Raum tanzt ein Bild, im Kopf entsteht ein Eindruck, zwischen Außen und Innen schwingt meine Welt“, so steht es auf der Einladung. Ein Bitte des Künstlers: Den Spiegel nicht berühren!

Nicht mehr als ein Tanz

Nicht ganz so empfindlich sind jene Schwimmkörper, die Eder nun im Trockenen ausstellt und hier als eigenständige Objekte mit ihren Mechaniken ihren Reiz haben – manche wirken wie Ufos aus einem alten Science-Fiction-Film. Ein 3D-Guckkasten bereitet eine weitere Überraschung: Zu sehen ist der Mond, fotografiert aus zwei Positionen, die sich nun zu einem dreidimensionalen Bild vereinen. Aber wo ist das Mondgesicht geblieben? Tatsächlich ist es nur mit bloßem Auge zu erkennen, bei Fotografien werden helle und dunkle Bereiche der entscheidenden Umrisse weggefiltert. Abgerundet wird die Ausstellung durch gegenständliche Skulpturen, in denen Heinrich Eder seine Fertigkeiten im Umgang mit Holz und Metall zeigt.

„Nicht mehr als ein Tanz“ – die mittlerweile 16. Ausstellung im Hause Brüning/Ludewig – bleibt bis 31. Oktober, Besuchstermine lassen sich unter Tel. 05859-585 vereinbaren.

Von Frank Füllgrabe