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Christina Hesselholdt und Barbara Lanz. Foto: t&w

Innenansichten einer Freundschaft

Lüneburg. Schon 1991 erschien das erste Buch der Dänin Christina Hesselholdt in Dänemark, in deutscher Übersetzung ist sie jetzt zum ersten Mal zu lesen. Ihren Titel „Gefährten“ stellte Hesselholdt auf Einladung des Literaturbüros und der Literarischen Gesellschaft im Heine-Haus vor. Ein Werk offenbar, das vom Leser erobert werden will, seine Form ist ungewöhnlich.

Es geht um sechs Menschen, drei Männer und drei Frauen, die einander in Freundschaft über Jahre hinweg verbunden sind. Ihre Einzelschicksale und das gemeinsame Erleben stellt die Autorin vor, indem sie uns an den Gedanken der sechs Freunde teilhaben lässt: „Ich schätze es, wenn unterschiedliche Erzählstimmen einen Roman tragen“, sagt Hesselholdt. Die Erzähler also wechseln, wer eine durchgehende Handlung erwartet hat, wird allerdings enttäuscht, das Ganze ist mehr die Aneinanderreihung von Episoden.

Die Ehe von Camilla und Charles scheitert

„Epische Linien gibt es aber schon,“ so die Autorin. Da ist etwa die Ehe von Camilla und Charles (nein, nicht verwandt und nicht verschwägert mit den Royals), die im Laufe des Buches scheitert. Da ist die schwere Krankheit von Charles, die ihn mehr und mehr in Schmerz und Einsamkeit drängt, aber auch aus den glücklichen Jahren des Paares wird erzählt. Da sind die geradezu absurd komischen Szenen der Hochzeit von Kristian und Alma, vom Tod und der Beisetzung seiner Mutter.

„Es ist eben ein Buch über die wichtigen Dinge im Leben, über die Liebe, den Abschied und den Tod“, sagt die Autorin, die an diesem Abend von Ulrich Sonnenberg begleitet wird, der für sie übersetzt. Schauspielerin Barbara Lanz trägt aus dem Buch vor und macht das sehr gut: Ihr Text fließt, die Gedankenströme reihen sich gefühlvoll aneinander, der Leser gleitet mit von einer Passage zur nächsten. Das ist mal absurd oder komisch, dann traurig oder sehr ernst, in jedem Fall steckt es immer voller Bilder und ist poetisch. Genau das, sagt die Autorin, wollte sie erreichen. Ihr liegt es, assoziativ zu schreiben, Muster oder Pläne gibt es dafür nicht. „Ich arbeite mich Satz für Satz voran“, sagt Christina Hesselholdt – das klingt einfach, ist es aber offensichtlich nicht, denn um den Gedankenstrom ihrer Hauptperson zu Papier zu bringen, hat die Autorin sechs Jahre lang an ihrem Text gearbeitet.

Von Elke Schneefuß