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Kunstverein Dahlenburg
Ein Gesicht wird neu zusammengesetzt: „Porträt“ (Ausschnitt, 2017) von Elke Hopfe. (Foto: ff)

Die Fassade aufgebrochen

Dahlenburg. Am Anfang ist der Mensch, der Elke Hopfe gegenübersitzt. Er soll porträtiert werden, dafür muss das Model in der Regel still sitzen und den Mund halten. Elke Hopfe dagegen fordert ihr Gegenüber auf, von sich zu erzählen, Ärger und Freude zu zeigen. Es geht ja in der Bildenden Kunst im Allgemeinen und bei einem Portät im Speziellen darum, das wahre Wesen hinter der äußeren Erscheinung zu zeigen. Das allerdings führt bei Elke Hopfe zu sehr dramatischen Ergebnissen. Beispiele zeigt der Kunstverein Region Dahlenburg ab Sonntag in seiner neuen Ausstellung.

Das wichtigste Werkzeug der 1945 in Limbach-Oberfrohna geborenen Künsterin ist das Graphit, also der Bleistift. Zeichnungen stehen im Galeriebetrieb eher selten im Scheinwerferlicht. Barbara Vollmer vom Kunstverein Dahlenburg sah in den Achtziger Jahren in Hamburg eine Hopfe-Ausstellung, seither schwelte der Wunsch, die Dresdenerin mit ihrem Werk näher kennenzulernen, was zu DDR-Zeiten, nicht möglich war. Heute sieht das natürlich anders aus.

Affinität zu Picasso und Francis Bacon

Elke Hopfe ist Diplom-Grafikerin, war Meisterschülerin von Gerhard Kettner, von 1992-2010 selbst Professorin, erhielt schließlich den Kunstpreis der Stadt Dresden, dort lebt sie noch heute. In ihrer Wohnung hängt ein Picasso-Druck, der Querverweis auf ihr eigenes Werk ist augenfällig. Auch Francis Bacon ist hier im Hintergrund zu nennen. Aber natürlich hat Elke Hopfe eine eigene Zeichensprache.

Kräftige, schnurgerade, wohl mit dem Lineal gezogene Linien ziehen sich durchs Bild, es entstehen Räume, Kästen – die Porträts wirken oft wie auseinandergesägt und neu montiert. Es bleiben Fragmente der Gesichter, sie sind verschoben, verschachtelt, reduziert, überzeichnet, und es sind wohl eher die düsteren Seiten der Seele, die hier zutage gefördert werden. Die Zeichnungen sind im Titel oft anonymisiert, auf Initialien reduziert. Es sind nicht alles Porträts, eine heißt „Torso“, ein anderes „Paar“.

Ungewöhnlich: Elke Hopfe zeichnet auf großen Papierformaten (oft 75 mal 100), lässt aber große Flächen frei, um der Dynamik, der Energie der Motive Raum zu geben. Dafür wird der Rand der Arbeit meistens mit einer Grenzlinie markiert, das Bild soll nicht ins Leere laufen. Fassade und Fragment, Architektur und Figur, Konstruktionen und impulsive Schraffuren, messerscharfe Linien und diffuse Grauflächen stehen in einem ewigen Spannungsfeld.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus den Achtziger Jahren bis zur Gegenwart. „Elke Hopfe – Zeichnerin“ in der Galerie kunstFleck wird Sonntag, 2. September, um 11.30 Uhr eröffnet. Zur Einführung spricht Barbara Vollmer mit der Künstlerin, die Präsentation ist dann noch bis zum 30. September jeweils sonnabends/sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Frank Füllgrabe