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Die Violinistin Saimi Kortelainen und ihre Mutter, die Organistin Elke Unt, spielen am Sonnabend in St. Johannis, darauf freuen sich Kantor Joachim Vogelsänger und Birte Schellmann, Vorsitzende des Kulturausschusses. Foto: ff

Eine Orgel für die Tartu Jaani Kirik

Lüneburg. Kirchenorgeln sind Baustellen. Die empfindlichen, oft jahrhundertealten Instrumente leiden an Staub, Feuchtigkeit und schlicht am Zahn der Zeit, wesha lb immer wieder Geld für eine Restaurierung beschafft werden muss. Nichts mehr zu retten ist bei der Tartu Jaani Kirik, also der St. Johanniskirche in Lüneburgs estnischer Partnerstadt Tartu, hier muss ein Neubau her. Der aber ist teuer, ein Benefizkonzert am kommenden Sonnabend, passenderweise in St. Johannis Lüneburg, soll das Projekt ein Stückchen weiterbringen.

25-jährige Partnerschaft

Die Partnerschaft mit Tartu jährt sich nun zum 25. Mal. Es ist eine Verbindung, die nicht nur auf Dokumenten besteht, sondern die auch mit Leben gefüllt wird. Bereits 2005, bei dem Wiederaufbau der Jaani Kirik, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, gab es Spenden aus Lüneburg. Zerstört wurde auch die aus dem Barock stammende Orgel, eine Zwischenlösung ist mittlerweile auch hinfällig. Leicht wurde es den Bewohnern von Tartu in den Sowjet-Zeiten nicht gemacht, Kommunisten sind keine Freunde historisch gewachsener Kirchenkultur.

Das neue Instrument soll sich an den Meisterwerken des Danziger Orgelbauers Andreas Hildebrandt aus dem 18. Jahrhundert orientieren. Kostenpunkt: rund 700 000 Euro, erst ein Sechstel ist bisher beisammen, einzig auf Spenden basierend. Das gute Stück soll rund 1500 Pfeifen für 32 Register haben, damit entspricht sie ungefähr der neuen Chor-Orgel in St. Johannis Lüneburg. Sie wird auch der Schauplatz des Benefizkonzertes sein, zu hören sind unter anderem Werke für Orgel und Violine, und eine solche Besetzung lässt sich auf der großen, historischen Orgel nicht realisieren.

Mutter und Tochter gemeinsam auf der Bühne

Orgel und Violine, das sind in diesem Fall Mutter und Tochter: Elke Unt zählt zu den profiliertesten Kirchenmusikerinnen ihres Landes, tritt auch als Komponistin und Arrangeurin für Orgel, Chor und Solisten in Erscheinung, 2012 wurde sie mit dem Estnischen Volksmusik-Preis ausgezeichnet. Ihre Tochter, die Violinistin Saimi Kortelainen, studiert in Graz, konzertiert mit ihrer Mutter in Estland und Finnland, legt nebenbei einen Schwerpunkt auf den reichen Fundus der estnischen Volksmusik und widmet sich den entsprechenden traditionellen Instrumenten.

Das spiegelt sich auch in dem Konzertprogramm: Zu hören ist eine Suite von der Zeitgenössin Celia Roose: „Suite of the Estonian Shepherd`s für Organ and Voice“, Bearbeitungen alter Schäferlieder also. Eröffnet wird der Konzert-Abend mit Prelude und Fantasie von Alfred Karinidi (1901-1961), gefolgt von sechs Stücken für Violine und Orgel (op. 150) von Joseph Rheinberger. Das Konzert „Musical greetings from St. John of Tartu“ beginnt um 18 Uhr und ist Teil des Lüneburger Orgelsommers. Ein erstes Konzert gab es bereits in St. Marien Scharnebeck, Elke Unt und Saimi Kortelainen sind außerdem am Sonntag um 17 Uhr in der Klosterkirche Medingen zu hören.

von Frank Füllgrabe

11 Kommentare

  1. Die Stadt heißt auf Deutsch Dorpat und nicht Tartu.

    • Das steht wo?
      bol/LZonline

      • „Tartu (deutsch und schwedisch: Dorpat, früher deutsch auch Dörpt; russisch Дерпт/Derpt, 11.–17. Jahrhundert, 1893–1918 Юрьев/Jurjew) ist Estlands zweitgrößte Stadt nach der Hauptstadt Tallinn und Sitz der Universität Tartu. Die ehemalige livländische Hansestadt liegt im Kreis Tartu.“
        (…)
        „Die erste urkundliche Erwähnung Tharbatas datiert aus dem Jahre 1030. Der Großfürst von Kiew, Jaroslaw der Weise, zerstörte im Jahre 1030 eine von damaligen, vermutlich ebenfalls finno-ugrischen Einwohnern errichtete Holzfestung und errichtete unter dem Namen Jurjew (nach Juri, dem Taufnamen Jaroslaws) eine Festung. Im Jahre 1224 wurde die Estenburg Tharbatum durch den Schwertbrüderorden erobert. Sie wurde Sitz des Bischofs (bis 1558); vor der Burg entwickelte sich seit dem 13. Jahrhundert die Hansestadt. Im Mittelalter war Dorpat ein Bindeglied zwischen den Hansestädten (insbesondere Reval) und den russischen Städten Pleskau (Pskow) und Nowgorod. Dorpat gehörte seit 1721 zum russischen Zarenreich (Gouvernement Livland).
        (…)
        1893 wurde die Stadt im Zuge der Russifizierung offiziell in Jurjew umbenannt; die Verwendung des estnischen oder des deutschen Namens war teilweise verboten. Der russische Name setzte sich aber nicht durch, nicht einmal im Russischen. Als Estland 1918 die Unabhängigkeit erlangte, wurde der Name ‚Tartu‘ offiziell. SOWOHL DORPAT ALS AUCH TARTU stammen aus dem altestnischen Namen Tarbata, der vielleicht Auerochs bedeutet.“
        Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Tartu

        Siehe auch:

        „Tartu (Dorpat) ist die zweitgrößte Stadt Estlands, in der 96.204 Menschen (Stand: Januar 2017) auf einer Fläche von 38,8 Quadratkilometern leben. Die Stadt liegt 185 Kilometer von Tallinn entfernt und bildet das wirtschaftliche Zentrum Südestlands. Die alte Hansestadt ist zudem das Bildungszentrum Estlands, da hier die älteste Universität des Landes steht; in der Stadt leben etwa 20.000 Studierende.“
        Quelle: http://www.hansestadtlueneburg.de/Home-Hansestadt-Lueneburg/Stadt-und-Politik/Rathaus/Staedtepartnerschaften/Tartu-Estland.aspx

    • Na Sie sind wohl aus der Zeit gefallen.
      Ihr Satz müsste lauten:“Die Stadt hieß auf deutsch Dorpat…“.

  2. Norbert Kasteinecke

    In den Friedensverträgen von Dorpat (estnisch Tartu rahu, finnisch Tarton rauha) erkannte Sowjetrussland die Unabhängigkeit Finnlands und Estlands an. Die Friedensverträge wurden 1920 in der estnischen Stadt Tartu (deutsch Dorpat) geschlossen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Frieden_von_Dorpat

  3. Hallo Herr Kasteinecke,

    beachten Sie bitte den Satz (und geben die Info auch an Balte weiter): „SOWOHL DORPAT ALS AUCH TARTU stammen aus dem ALTESTNISCHEN Namen Tarbata“, mit der hübschen Ergänzung: „der vielleicht Auerochs bedeutet.“

    Sie sehen, die historischen und etymologischen Umstände können für einen AfD-Kapeiken mit Heim-ins-Reich-Ambitionen wie – sagen wir – Björn Höcke nur eine Enttäuschung sein. Und selbst eine Heimat-Erzählung über den Thüringer Führer im AfD-Blog, in der zum Beispiel zackig geschildert werden könnte, wie er am livländischen Lagerfeuer jungen Männern mit Kurzhaarschnitt zeigt, wie hoch im Winter am Kyffhäuser der Schnee lag, ist wohl eher nicht drin, wenn anders „Swiss Propaganda Research“ mit – zwinkerzwonker – „medienkritisch“ erhobenem Lehrer Lämpel-Finger nicht sollte herbeigaloppiert kommen.

    • Norbert Kasteinecke

      Ach Otto,
      es erschließt sich mir einfach nicht der Sinn Ihrer Worte.

      Aber jetzt bin ich mal eine Woche nicht zu Haus und obwohl ja die „Angelegenheit“ mit Chemnitz sogar für Sie selbsterklärend sein sollte, stänkern Sie schon wieder rum.
      „Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“, sagte der Verfassungsschutzpräsident Maaßen.
      Quelle Die Zeit
      Sollte das zutreffen, dann bewegen wir uns aus diesem ursprünglichen „Skandälchen“ auf eine Regierungskrise zu.
      Soviel noch dazu.
      Die Hetzjagden haben erst danach eingesetzt.
      Insofern gebe ich Ihnen den Finger gern zurück.

      Wir müssen uns jetzt ein wenig zusammenreißen, die Möglichkeiten zu kommentieren werden knapper. Niemand möchte nach diesem Desaster noch eine Diskussion über irgendetwas haben, es könnte der AFD ja nützen.

      Schauen Sie noch einmal auf die Liste, die ich Ihnen gepostet hatte und suchen Sie sich einen Punkt aus unter den Ihre Antwort fällt.
      Für Vorschläge bin ich offen.

      Sie müssen ja jetzt erst einmal ganz tapfer sein und sich das Wahlergebnis in Schweden schönreden.
      Vorschlag: Die Sozialdemokraten sind stärkste Partei. Die Verluste einfach mal unterschlagen.
      Klappt bestimmt.

      Und Köthen wird ganz sicher kein zweites Chemnitz.
      Das Opfer ist ja an Herzversagen gestorben.
      Ups, Opfer? Na, der junge Mann eben.
      Über die genauen Tatumstände ist noch nichts bekannt. Allerdings starb Markus B. „mit Sicherheit“ an Herzversagen.
      Ebenso wenig ist über die genaue Identität des Opfers bekannt. Sein Bruder ist allerdings ein bekannter Rechtsextremist.
      Quelle ZDF

      Nun denn.

      • bevor sie ganz abheben Norbert

        Krawalle in Chemnitz, ein gemeinsamer Aufmarsch von Pegida und der AfD, die Angst vor einem ähnlichen Fall in Köthen: Rechte und rechtsextreme Gruppen sind in Ostdeutschland auf dem Vormarsch. Im sächsischen Meißen allerdings hat die AfD eine klare Niederlage kassiert. Der Kandidat der Partei landete bei der Oberbürgermeisterwahl auf dem vorletzten Platz. Stattdessen erhielt ein Ex-DDR-Bürgerrechtler im ersten Wahlgang die meisten Stimmen.

  4. Hallo Herr Kasteinecke,

    ich habe geschrieben:

    »beachten Sie bitte den Satz (und geben die Info auch an Balte weiter): „SOWOHL DORPAT ALS AUCH TARTU stammen aus dem ALTESTNISCHEN Namen Tarbata“, mit der hübschen Ergänzung: „der vielleicht Auerochs bedeutet.“

    Sie sehen, die historischen und etymologischen Umstände können für einen AfD-Kapeiken mit Heim-ins-Reich-Ambitionen wie – sagen wir – Björn Höcke nur eine Enttäuschung sein. Und selbst eine Heimat-Erzählung über den Thüringer Führer im AfD-Blog, in der zum Beispiel zackig geschildert werden könnte, wie er am livländischen Lagerfeuer jungen Männern mit Kurzhaarschnitt zeigt, wie hoch im Winter am Kyffhäuser der Schnee lag, ist wohl eher nicht drin, wenn anders „Swiss Propaganda Research“ mit – zwinkerzwonker – „medienkritisch“ erhobenem Lehrer Lämpel-Finger nicht sollte herbeigaloppiert kommen.«

    SIE spulten dazu wieder in Ihrer üblichen kekstrockenen Naivität den von Ihnen gewohnten Truther-Blödsinn ab (siehe: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1838772-die-angst-vor-dem-feind-im-osten#comment-200441).

    Bitte erklären Sie doch Frau Bundesjustizministerin Katarina Barley und mir einmal, Herr Kasteinecke, wie Ihr eiferndes Extemporieren über die Hetzmeuten von Chemnitz, wo junge Frauen vor Fernsehkameras äußern, dass es doch gut sei, wenn Rechtsextreme ordentlich Flüchtlinge „umklatschten“, mit der hier erörterten Frage nach altestnischen Städtenamen zusammenhängt.

    Und wenn wir schon gemeinsam auf die letzte Woche zurückblicken, was bleibt wirklich haften, Herr Kasteinecke?

    Chaos in Chemnitz: Wie schon am Montag zuvor begann auch diese Woche wieder mit gewalttätigen Ausschreitungen, nur dass sie dieses Mal von der Bühne ausgingen. Unter den Augen von Karl Marx und unter der Schirmherrschaft eines linksradikalen Bundespräsidenten verletzten die Anarchopunks von den Toten Hosen mehrere Zehntausend Versammlungsteilnehmer schwer an den Ohren. Nazis waren aus Angst vor Hörschäden überwiegend zu Hause geblieben. Dafür kamen die Hitlergrüße diesmal vom Führer persönlich, der sie per Skype aus seinem Exil in Südamerika herüberfunkte. Die sächsische Polizei stand wie gewohnt untätig daneben.

    Am Dienstag wurde die gesellschaftliche Spaltung weiter vertieft. Schlagersternchen Helene Fischer rief ihre Fans in Berlin zum antifaschistischen Kampf auf und forderte, Zeichen zu setzen, notfalls mit dem Messer. CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer griff die Sängerin deshalb scharf an. Sie geriet jedoch mächtig in die Bredouille, als im Netz ein bislang unbekanntes Amateurvideo auftauchte. Es zeigte die Saarländerin beim Mitgrölen zu Fischers Gewalthymne „Bullen atemlos gemacht“, nachdem sie von einem Mitarbeiter des Ordnungsamts wegen Falschparkens verwarnt worden war.

    Die Schlagzeilen des Mittwochs beherrschte wiederum Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. In seiner Regierungserklärung entlarvte er die gewalttätigen Ausschreitungen von Chemnitz als reinen Medien-Fake, dem sich die sächsische Polizei erfolgreich entzogen habe: nämlich durch demonstrative Abwesenheit. Linken Kritikern, die dort irgendwelche Pogrome gesehen haben wollten, warf er eine Verharmlosung der Nazizeit vor; den anwesenden Kameraden der Chemnitzer „NS-Boys“ und der Dresdner „Faust des Ostens“ dankte er für ihr besonnenes Vorgehen.

    Der Donnerstag begann mit einem Paukenschlag, jedenfalls bei einer Orchesterprobe in der Chemnitzer Philharmonie. Für Aufregung im politischen Berlin sorgte derweil Innenminister Horst Seehofer. Er nannte die Migration in einem Interview „die Mutter aller Probleme“, verweigerte aber zum Schutz seiner Privatsphäre strikt den vorgeschriebenen Vaterschaftstest. Den Beifall prominenter Männerrechtler aus AfD und Neonaziszene, so Seehofer, nehme er gerne in Kauf, um die Kräfte der Mitte an einem entscheidenden Punkt wieder zusammenzuführen: seiner Schniedelspitze.

    Der Freitag stand schließlich ganz im Zeichen von Verfassungsschutzpräsident Maaßen, der Filmdokumente der angeblich gewalttätigen Ausschreitungen von Chemnitz als Fälschungen enttarnte. Für Wirbel sorgen nach wie vor Maaßens Andeutungen, dass Angela Merkel in die Verschwörung verwickelt sei, um ihren Sturz zu verhindern. Entsprechend laut ist das Geschrei bei den Systemparteien. Dass Maaßen aber recht hat, steht außer Zweifel: Immerhin berät er seit längerem die führenden Köpfe von Pegida und AfD und weiß besser als andere, wann die nächste Machtergreifung ansteht. Vielleicht schon am kommenden Wochenende?

  5. Liebe Kommentatoren,
    da sich die Unterhaltung unter diesem Artikel inzwischen nur noch um die Vorfälle in Chemnitz und ihre Folgen dreht, nicht aber um die Kirchenorgel für Tartu, haben wir die weiteren Beiträge gelöscht. Bitte kommentieren Sie die Artikel themenbezogen.
    Vielen Dank und freundliche Grüße, KG/LZonline

  6. Geht mal häufiger ins Orgelkonzert in die Johanniskirche, liebe Kommentatoren, das offnet Blick und Herz.