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Gellersen-Haus
Impressionistisch bis dramatisch: Detlef Richter zeigt Gemälde mit vielen Schattierungen. (Foto: ff)

Nicht immer dem Grün hinterherlaufen

Reppenstedt. Einerseits: Wellen schwappen ans Ufer, das Wasser ist schwarz und unergründlich, das letzte Licht des Tages sorgt für eine romantische Abendstimmung. Andererseits: Ein Feld bei Dobin, getaucht in sattes Blau, gelbe Wolkenschlieren in einem Himmel von schreiendem Orange: zwei Bilder von Detlef Richter, der sich, das ist sein Programm, „nah und fern der Realität“ bewegt. So hat der Maler auch seine aktuelle Ausstellung betitelt, sie wird heute, Freitag, im Gellersen-Haus Reppenstedt eröffnet.

Detelf Richter, 1949 im mecklenburgischen Neustadt-Glewe geboren, ist Lehrer (unter anderem Kunst), studierte dann zusätzlich freie Kunst und lebte zunächst in Ludwigslust und seit mehr als dreißig Jahren in Schwerin. Malerei und die heimatliche Region, das war bei Detlef Richter eigentlich schon immer miteinander verknüpft. So zeigt das Ausstellungsplakat denn auch eine Ansicht des Schweriner Schlosses, auch wenn das Gemälde für die Präsentation in Reppenstedt nicht unbedingt typisch ist. Und natürlich hat sich der Maler immer auch mit den anderen Genres beschäftigt, Porträts beispielsweise, aber die sind jetzt hier nicht das Thema.

„Nah und fern der Realität“ bewegt sich Detlef Richter also durch das Land, „ich muss ja nicht immer dem Grün hinterherlaufen“. Grundlagen der Gemälde sind Fotografien, Skizzen, das eigene Erleben, „anders geht es ja auch nicht“. Die Impressionisten sind ein Vorbild, aber auch die Expressionisten und die Surreralisten, es gibt Blumenbilder und melancholische Waldspaziergänge, „Der letzte Baum“ ist ein düsteres Endzeit-Szenario. Eher wie eine japanische Tuschezeichnung wirken die grazilen „tanzenden Bäume“. Dem Gastgeber zuliebe, also dem Kunst-Forum Gellersen, hat Richter extra eine Heidelandschaft gemalt. Landschaft heißt manchmal auch: Städtelandschaften, der Hamburger Hafen vor einem Wald von Verladekränen, die Schluchten der Speicherstadt.

Der Schrei einer Landschaft

Öl und Acryl bilden die Grundlage, es gibt aber auch eine Kohle-Pastell-Mischtechnik, „Himmel und Erde“ sehen aus, als hätte Edvard Munch den „Schrei“ von der Landschaft gehört. Anderswo ist eine Technik zu bewundern, die Detlef Richter selbst entwickelte: Säure und Aquarell auf Hochglanzpapier, das sorgt für eigentümliche, im wahrsten Sinne des Wortes zerfressene Oberflächen- und Randstrukturen. Jedes Bild hat eben so seinen eigenen Ansatz, distanziert bis empathisch.

Vernissage für „Nah und fern der Realität“ ist heute um 19.30 Uhr, Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers begrüßt die Gäste, Richter selbst spricht zur Einführung, das musikalische Rahmenprogramm gestaltet Michael Studt (Gesang und Gitarre). Die Ausstellung ist dann noch bis 23. September (sbd./so. 14-18 Uhr, mi./do. 15-17 Uhr) geöffnet.

Von Frank Füllgrabe