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Christian Oldenburg singt an der Mailänder Scala und ebenso gern in Lüneburg. Foto: phs

Nur die große Arie fehlt

Lüneburg. Starten Künstler vom Theater Lüneburg aus eine weit beachtete Karriere, dann streichen manche die kleine Bühne aus ihrer Biographie. Christian Oldenbu rg nicht, und so lässt sich auf seiner Homepage lesen, dass er an der Mailänder Scala und zwei Tage später am Theater Lüneburg singt. Den kleineren Partien auf der großen Bühne stehen die großen Partien auf kleinerer Bühne entgegen. „Ich bin wahnsinnig gern hier in Lüneburg“, sagt der Bariton und lehnt sich zurück in einem der beiden Sessel, die in der des Lüneburger Theaters ein bisschen Bequemlichkeit versprechen. Jetzt ist er also wieder hier – für Marcello.

Freund des lustigen Rodolfo

Das ist eine eigenartige Partie in Puccinis „La Bohème“. Marcello ist Maler und lebenslustiger Freund von Rodolfo, der die todgeweihte Mimi liebt. Marcello steckt in einer Auf-und-Ab-Beziehung mit Musetta, die sich aber auch gern reichen älteren Herren zuwendet. Was aber ist das Eigenartige? „Als Marcello stehe ich fast den ganzen Abend auf der Bühne, singe genausoviel wie die anderen, aber Marcello hat nicht eine einzige große Arie. Ich weiß auch nicht, was sich Puccini dabei gedacht hat?!“

Leicht zu singen ist die Partie dennoch nicht. Ausgewiesen ist sie für „Kavalierbariton“. Was ist das nun wieder? „Eine wunderbare deutsche Schublade“, sagt Oldenburg und spricht über eine Stimme, die lyrisch sein muss mit dramatischen Anteilen und die ein „großes Orchester besiegen kann“.

Oldenburg hat manchen Sieg in Lüneburg eingefahren – zum Beispiel in der „weißen Rose“, der „Zauberflöte“, in „Werther“, „Neues vom Tage“ und „Figaro“. In Lüneburg sei das Arbeiten im Vergleich zu manch großem Haus stressfreier in dem Sinn, dass es mehr Möglichkeiten gibt, sich auzusprobieren, sich stimmlich zu entwickeln. Neben seiner sängerischen Klasse zeichnet sich Oldenburg durch Beweglichkeit auf der Bühne aus. Das wundert nicht, denn der aus Husum stammende Sänger startete sein Bühnenleben mit einer klassischen Tanzausbildung.

Planung zwei Jahre im Voraus

Die Zeit nach der Lüneburger „Bohème“ ist schon gut gefüllt, „ich plane immer zwei Jahre voraus“, sagt der heute in Berlin lebende Sänger. Dort bucht ihn die Staatsoper unter den Linden, aber auch das Théatre Royal de la Monnaie in Brüssel steht auf dem Plan und so geht immer weiter.

Mehr Konzerte würde er gern singen, aber er sei eben der „Operntyp“. Aber ihm kann ja geholfen werden. Beim Meisterkonzert am 8. Dezember ist Oldenburg dabei, allerdings werden an dem Abend Arien, Duette und Ensembles von Rossini bis Puccini gesungen. Also doch Oper. Aber dann! Beim dritten Meisterkonzert am 27. Januar singt Christian Oldenburg aus Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“. Dann hat er den Marcello schon abgelegt. Dem aber gilt jetzt alle Kraft und aller Klang.

„La Bohème“

Premierenteam

Am Sonnabend 22. September, um 19 Uhr hat Puccinis Oper Premiere im Großen Haus. Hajo Fouquet inszeniert im Bühnenbild von Stefan Rieckhoff. Die musikalische Leitung der Lüneburger Symphoniker hat Thomas Dorsch. Es singen (auf Italienisch mit Obertiteln) Karl Schneider (Rodolfo), alternierend Guillermo Valdés, Christian Oldenburg (Marcello), Ulrich Kratz (Schaunard), Milcho Borovinov (Colline), Signe Ravn Heiberg (Mimi), Franka Kraneis (Musetta), Wlodzimierz Wrobel (Monsieur Benoit), Steffen Neutze (Alcindoro), Alexander Tremmel (Parpignol) und Juha-Pekka Mitjonen (Sergeant). Für die Premiere gibt es noch Karten.

von Hans-Martin Koch

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