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Katarina Dubovska präsentiert „Floating Images of an Object“ in der Galerie des Künstlerhauses Lauenburg. Foto: ff

Industrie-Charme und SciFi-Touch

Lauenburg. Alles hat damit begonnen, dass eine unbekannte Pflanze in der Arktis entdeckt wurde. Sie landet auf dem Labor-Tisch, in dem Prozess des Sezierens durchläuft sie verschiedene Stadien, sie wird in verschiedene Schichten zerlegt, fällt auseinander, die Bestandteile werden gesammelt, neu geordnet. Damit durchlaufen auch die Bilder von diesem Zerfallsprozess verschiedene Phasen: Es ist nicht ganz leicht, der Künstlerin Katarína Dubovská bei ihrer Arbeit zu folgen, denn am Ende zahlreicher Transformationen steht eine kühle Installation: „Floating Images of an Object“.

Zu sehen ist das in kühles, weißes Licht getauchte Werk in der Galerie des Künstlerhauses Lauenburg. Das Licht kommt aus der Arbeit selbst, sie besteht im Kern aus 33 Neonröhren. Katarína Dubovská bezieht sich ausschließlich auf Digitalbilder, die durch den (fiktiven) Analyseprozess entstanden sind, jetzt unter anderem auf den Neonröhren wieder auftauchen. Die gespeicherten Informationen werden immer wieder neu ausgewertet und verarbeitet.

Stromkabel durchziehen den Raum

So gleicht die Galerie nun selbst einer klinisch abgeschotteten Laborsituation. Stromkabel durchziehen den Raum, Monitore hängen an den Wänden, die Fenster zur Elbe hinaus sind mit Spiegelfolie abgeklebt, Wände mit einer dezenten Gitterstruktur überzogen. Es gibt weiche Skulpturen aus Latex, sie zeigen eine amorphe Maserung und wirken wie Häute einer fremden Lebensform – das ganze Szenario hat einen kräftigen SciFi-Touch, Dubovská spricht von „Alchemie“, und man kann auch einfach die Ästhetik, die Ausstrahlung auf sich wirken lassen.

Katarína Dubovská, 1989 in der Slowakei geboren, studierte Fotografie und Medienkunst, ist Trägerin eines Preises für junge Kunst in Essen und nun Stipendiatin in Lauenburg. Einer ihrer Kollegen ist Peter Strickmann, der mit einer Arbeit in die benachbarte Hitzler-Werft führt, auf den nicht mehr benutzten Schnürboden einer Fertigungshalle auf der Südseite: „Klack Ding“ heißt eine Rauminstallation, in der Strickmann Schrottteile leise zum Klackern bringt. Sie werden mit Druckluft-Leitungen angesteuert, bestehen aus alten Deckeln, bringen kleine Gefäße zum Kippeln. Sie wirken wie kleine Ufos, der Fremdkörper-Charakter ist aber wohl eher ein zufälliger Querverweis auf die „floating images“.

Virtuelle Ausstellung im öffentlichen Raum

Der Schnürboden (auch: Reißboden) einer Schiffsfabrik hat nichts mit dem eines Theaters zu tun. Hier geht es normalerweise darum, die Umrisse großer Bauteile im Maßstab eins zu eins auf dem Boden auftragen zu können. Nun also ist der weitgestreckte Raum, in dem nur noch ein paar Sägen und ein Tisch stehen, ein Klangkörper, in der etwas verrödelten Industrie-Optik ein denkbar großer Gegensatz zu der coolen Galerie. Auf dem Tisch hat Peter Streckmann allerhand Eisenteile ausgebreitet, die ihm für Klang-Performances dienen; zu hören gibt es etwas an drei Terminen: 16., 23. und 29. September, jeweils 15 bis 17 Uhr. Strickmann studierte an der Hochschule der Bildenden Künste Saarbrücken und ist Mitglied einer Reihe von Musik-und-Klang-Ensembles.

Peter Strickmann sorgt für neue metallische Klänge auf dem Schnürboden der Hitzler-Werft. Foto: ff

Zurück ins Künstlerhaus: Hier zeigt der Hamburger Harald Popp in einer Video-Slideshow Plakate, die keine sind. Fassaden der Oberstadt Lauenburgs sind in den projizierten Ansichten mit Postern überzogen, die wiederum Arbeiten des Fotokünstlers zeigen – eine virtuelle Ausstellung im öffentlichen Raum, in der die Bilder auf die Architekturen abgestimmt sind und so die – insgesamt recht triste – Stadtlandschaft zu einem integralen Bestandteil des Kunstprojekts machen; Projekt-Titel: „Public Diary“.

Die Abschluss-Ausstellung ist bis 21. Oktober zu sehen.

Von Frank Füllgrabe

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