Aktuell
Home | Kultur Lokal | Der Ostfriese mit dem Goldhelm
„His Master`s Voice“ nach Francis Barraud: Ein Beispiel für die fröhliche Malkunst des Otto Waalkes, der endlich auch als bildender Künstler wahrgenommen wird. Foto: ff

Der Ostfriese mit dem Goldhelm

Hamburg. Nein, er kam nicht mit einer Grimasse hereingehüpft. Denn hier und heute, auf der Vernissage im Museum für Kunst und Gewerbe, tritt Otto Waalkes nicht als der Ostfriesische Götterbote auf, sondern als Zeichner, Maler und Grafiker. Eine große Ausstellung ist dem Komiker gewidmet, der gerade seinen siebzigsten Geburtstag feierte, seine „Ottobiographie“ schrieb, und der so viele Talente hat, als Sänger, Multi-Instrumentalist, Komponist, Nonsense-Lyriker – und eben als bildender Künstler. „Ich habe versucht, die Ottifanten-Malerei in der abendländischen Kunst zu verankern“, sagt Otto, und das ist ihm zweifellos gelungen.

Eine Ausgleichsübung zu Comedy und Musik

Ein paar Fratzen und Posen im Blitzlichtgewitter der Fotografen, das muss dann doch sein. Aber eigentlich spricht der Spaßvogel lieber über Grundierung und Firnis, über lasierende und deckende Farbschichten, wie man sich an die Stofflichkeit heranarbeitet, also das Glas auf dem Gemälde auch wirklich wie Glas aussieht, und Kupfer wie Kupfer, er hat das auf der Hochschule schließlich studiert.

Malerei war und ist für Otto Waalkes immer eine Ausgleichsübung zu Comedy und Musik, „das flutscht so hin und her“. Auf einer Beerdigung tut ihm nach einer Stunde das Kreuz weh, „aber an der Staffelei kann ich daheim in meinem kleinen Atelier vier Stunden ohne Probleme stehen.“

Nase zu lang, Ohren zu groß

Nur eben, dass seine Shows bald erfolgreicher waren: „Mir rutschte immer das Mikro weg, also habe ich mich dafür dauernd beim Publikum entschuldigt, und irgendwann kamen die Entschuldigungen besser an als die Lieder.“ Okay, das könnte auch eine Anekdote sein. Ebenso die Geschichte, dass sein Markenzeichen, die Ottifanten, aus einem verunglückten Selbstporträt entstand: Nase zu lang, Ohren zu groß, da war der Weg zum Elefanten nicht weit. Jetzt also eine große Ausstellung an einem ehrwürdigen Haus – „da bin ich schon ein bisschen aufgeregt und beeindruckt“, sagt der Künstler, der es seit Jahrzehnten gewohnt ist, solo vor Tausenden Zuschauern aufzutreten, mit leiser, etwas vernuschelter Stimme. Es gab frühere (und kleinere) Ausstellungen, die vom Publikum eher als purer Spaß und gesellschaftliches Event missverstanden wurden.

Wo er denn das Talent her hätte, fragte Moderator Bernd Eilert, selbst ein bekannter Satiriker und alter Weggefährte. Vater Waalkes aus Emden war Malermeister, der nebenbei ein wenig zeichnete – „vor allem hat er viel weißes Papier gehabt, und das war damals noch knapp.“ Rembrandt sei ein großes Vorbild gewesen, nun sieht man in der Ausstellung Otto mit dem Goldhelm, aber auch Zitate von Edward Hopper, die berühmten „Nighthawks“ beispielsweise, die nächtliche, neonbeleuchtete Bar-Szene. Als Wirt hinter dem Tresen: Otto.

Massenhaft Möglichkeiten für Zitate

Das ist der Running Gag: In der Ausstellung, die vor allem neue Arbeiten zeigt, hat Waalkes sich selbst und/oder einen Ottifanten platziert, es gibt ja massenhaft Möglichkeiten für Zitate – als Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“, als Comicfigur in einem Roy Lichtenstein, als vom Alptraum gepeinigte Gestalt in Füsslis „Nachtmahr“. Anderswo hört ein Ottifant aus einem Grammophon „his masters voice“, plumpst einer lustvoll in einen David-Hockney-Pool. Aber es gibt auch ruhige Bilder aus alten Zeiten, das Profilbild einer Freundin beispielsweise.

Otto Waalkes, das zeigt die Ausstellung nebenbei mit Show-Mitschnitten, mit – natürlich selbst gestalteten – Plakaten und Plattencovern, war immer jemand, der eine unbändige kreative Energie auslebte, und wenn es doch mal etwas zu flach geriet, dann war er schon längst beim nächsten Sketch, beim übernächsten Bild. „Otto – Die Ausstellung“ mit ihren mehr als 200 Exponaten läuft bis 17. Februar; dazu ist im Verlag artstar ein Katalog erschienen.

Von Frank Füllgrabe