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Sina Vodjani arbeitet als Fotograf und lebt in Hamburg, von hier stammen auch viele seiner Motive. Foto: ff

Tanz der Architekturen

Lüneburg. Soft-Klassik und Lounge Music, Chansons und französische Evergreens, Latin, Oldies bis zu Rock und Pop, natürlich auch Weltmusik: Sina Vodjani ist eigentlich für fast jede Musik zuständig, als Sänger, Pianist und Gitarrist; auch als Komponist und Produzent, allein neun Solo-Alben tragen seinen Namen.

In Lüneburg ist Sina Vodjani (Sina mit scharfem S gesprochen) nun von einer ganz anderen Seite zu erleben, und zwar als Fotograf – das heißt, seine Arbeiten haben auch wieder etwas mit Musik zu tun. Keine Bilder von Rock-Helden und ihren Bands, sondern „Fotosinfonien“.

Er wuchs in Teheran auf

So jedenfalls nennt der Franzose seine Ausstellung in der Galerie Esfandiary. Seine Werke führen quer durch die Welt, in Lüneburg zeigt er vor allem Hamburg. Der Künstler, Jahrgang 1954, wuchs in Teheran auf, in San Francisco und in Paris, seit 1975 lebt er in Deutschland, studierte an der Musikhochschule Bremen. Später spezialisierte er sich auf elektronische Musik und gründete ein Tonstudio samt Label, wechselte von der Weser an die Elbe.

Um den Musiker Vodjani ist es ruhiger geworden, „es lohnt sich nicht mehr“, sagt er, aber für die Musik hat das Multitalent ein neues Medium gefunden. Seine Fotografien flirren, die Motive tanzen und schwingen, die Elbphilharmonie beispielsweise, was natürlich für eine „Sinfonie“ ein gutes Motiv ist. Aber das ist eher zufällig. Ballett der Kräne im Hamburger Hafen, eine „chorus line“ der Segelboote – Sina Vodjani arbeitet mit Mehrfachbelichtungen und mit Fotoshop, so entstehen knallbunte Prestos, wüste Tänze der Architekturen. Rhythmus und Wiederholung, Schwingung und Fermate, Cres­cendo und Decrescendo, Harmonie und Dissonanz, es gibt ja unendlich viele Bezüge.

Bizarre Fantasy-Welten

„Absicht und Zufall verflechten sich in einem organischen Zusammenspiel, so dass neue Ordnung, Räume und Dimensionen entstehen“, sagt Vodjani. Meistens ist die Herkunft bis in die Details hinein klar erkennbar, eine Containerwand oder das Gewirr von Takelagen. Die Reeperbahn wird hochverdichtet zu einem grellen Inferno, anderswo entstehen bizarre Fantasy-Welten, Cyberpunk, fernöstliche Märchen bis hin zum überbordenden Kitsch.

Aber es geht auch ruhiger, das morbide Venedig, eine Barkarole, der Eiffelturm, ein Chanson. Immer sind es große Flächen, gern auch Panorama-Breitwand-Formate, Sinfonien brauchen nun mal großes Orchester, gleichzeitg Hochglanz-Trennschärfe, sonst verschwimmt alles zu einem bunten Brei. Die Ausstellung läuft bis 26. Oktober.

Von Frank Füllgrabe

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