Aktuell
Home | Kultur Lokal | Normalerweise bleiben Fahrstühle nicht stecken
Lisbeth (Burkhard Schmeer) und Milan (Isabel Arlt) stecken im Fahrstuhl fest. Foto: t&w

Normalerweise bleiben Fahrstühle nicht stecken

Lüneburg. Aufzüge können schon mal steckenbleiben, jedoch nicht abstürzen. Aber, du meine Güte, „wer steckt heutzutage noch in einem Aufzug fest?“, schimpft Lis beth. Doch nun ist es leider passiert. Auf dem Weg hinauf in den 15. Stock geht plötzlich nichts mehr. Da steht sie nun, die alternde Schauspielerin, in der stählernen Kabine. Zum Glück nicht allein, denn auch Milan, ein schmächtiger junger Mann, der wohl aus Osteuropa stammt, wollte nach oben. Also den Alarmknopf gedrückt, der Rettungsdienst wird ja wohl bald zur Stelle sein, oder? Tut er aber nicht. Und niemand hat ein Handy dabei.

So beginnt die Komödie „Liftstopp“ von Elfriede Hammerl, das Zwei-Personen-Stück feierte Premiere im Theater-Studio. Isabel Arlt und Burkhard Schmeer spielen die unfreiwilligen Partner – und zwar andersrum, was in der Aufführungspraxis der Fahrstuhl-Farce neu ist : Arlt gibt den Milan im billigen Anzug, Schmeer, zwei Köpfe größer, die redselige Diva. Das führt zu einer interessanten Erweiterung der von der Autorin vorgesehenen Charaktere.

Wir befinden uns in irgendeiner deutschen Großstadt, in der Bürotürme zwanzig Stockwerke haben. Im fünfzehnten also wohnt Lisbeth, beengt und allein, ihr geschiedener Mann ist tot – doppelte Sicherheit, den Idioten losgeworden zu sein. Milan will auf die gleiche Ebene, dort residiert die Firma, in der er Praktikant ist, beziehungsweise war. Er verwickelt sich in Widersprüche, was will ein Ausländer eigentlich so spät nach Feierabend dort oben? Ist er ein Einbrecher? Trägt er eine Bombe im Rucksack?

Die beiden kommen ins Gespräch

Aber Lisbeth wäre nicht Lisbeth, wenn sie nicht schon bald die Wahrheit herausgefunden hätte. Die beiden kommen ins Gespräch, sie können ja auch gar nicht anders, schnell ist man im Privaten angelangt; sie wurde gerade in einem Casting abgelehnt, sein Vertrag mit der Firma wird nicht verlängert. Typisch – die Frau, sarkastisch, aber nicht ohne Wärme, plappert und hält das Gespräch in Gang. Er antwortet eher unwillig, doch es gibt Empathie zwischen diesen beiden beschädigten, frustrierten Seelen, Streit und Versöhnung, Verwirrung und Verständnis. Aber verdammt, wo bleiben die Techniker? Der Fahrstuhl ruckelt ab und zu, kann er nicht doch abstürzen?

Es gibt durchaus Klischees: Er (also Arlt) steht breitbeinig mit den Händen in den Hosentaschen herum und donnert genervt mit den Schuhen gegen die Blechwand, die Kulisse muss allerhand aushalten. Sie (also Schmeer) pudert sich dauernd die Nase und kämpft mit den unbequemen Pumps. Das alles hat etwas von Klamotte, von „Charleys Tante“, wird aber nur selten überstrapaziert, schon bald tritt die anderthalbstündige Geschichte in den Vordergrund, gewinnen die ungleichen Helden die Anteilnahme des Publikums, das an den richtigen Stellen lacht und am Ende lange klatscht. Der Applaus galt auch Kerstin Kessel, zuständig für das Bühnenbild und – zusammen mit Schmeer – für die Inszenierung.

Von Frank Füllgrabe