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Wie gut, dass die Haare vom Kopf nicht geflüchtet, sondern nur Richtung Kinn weitergewandert sind: Comedian Johnny Armstrong bei seinem Solo „Gnadenlos“ im Salon Hansen. Foto: t&w

Witze mit Bart

Lüneburg. Seine Haare sind nicht ausgefallen. Sie sind ausgewandert. Richtung Kinn. Und tatsächlich ist Johnny Armstrongs Bart beachtlich – und das bereits bevo r er ihn vollständig aus seinem Shirt zieht. Seine Haarpracht ist für den britischen Komiker und Wahlberliner Markenzeichen und Witzvorlage in einem.

Das reicht von der Feststellung, er sehe aus wie eine Mischung aus Hooligan und Salafist über laszives Bartzwirbeln während eines nachgespielten Polizeiverhörs bis hin zu Rasiertipps. Neben einer ersten Bestandsaufnahme seines Aussehens, bei der es auch um die Farbe unterschiedlicher Körperbehaarung geht, warnt der Comedian das Publikum im Salon Hansen vor der hohen Gagdichte. Bis zu 500 Pointen in 90 Minuten sollen es sein. Gleichzeitig merkt er an, dass sein Programm nur ausreiche, um die erste Hälfte des Abends zu füllen, weshalb er alle Witze zweimal erzählen müsse. Wie sehr er das Publikum bereits zu eigenen Witzen inspiriert, zeigt der Zwischenruf einer Frau: „Das ist gut für alle, die ein bisschen dement sind. Für die ist der Witz jedes Mal neu.“

Freude am Spiel mit der Sprache

Der mehrfach ausgezeichnete Komiker tourt derzeit mit seinem Soloprogramm „Gnadenlos“ durch Deutschland. Armstrongs Humor ist derb und oft unter der Gürtellinie. Dass er es nicht dabei belässt, sondern auch immer wieder mit raffinierten Sprachspielen zu glänzen weiß, ist die große Stärke seines Programms. Die Freude am Spiel mit der Sprache ist ihm deutlich anzumerken. Der Komiker macht Witze, ohne dabei Rücksicht auf etwaige Befindlichkeiten zu nehmen, und doch ist das Programm so gut austariert, dass auch bei Geschichten über amputierte Gliedmaßen kein Lachen permanent im Halse steckenbleibt.

Entlang von Assoziationsketten, Wortfeldern und der allzu wörtlichen Auslegung bestimmter Redewendungen lotet Armstrong verschiedene Bedeutungsebenen von Formulierungen aus. Da soll ein kaputtes Auto mit Autokorrektur wieder fahrtüchtig gemacht werden, und wenn die Freundin im Sommer einen Mini trägt, ist damit kein Rock, sondern ein Kleinwagen gemeint.

Der Comedian spielt mit Klischees, ohne sich jedoch auf ihre lustige Wirkung zu verlassen. Dabei bleibt er nicht bei simplen Unterschieden zwischen Männern und Frauen oder Briten und Deutschen stehen. Unterschiede dienen ihm höchstens als Sprungbrett oder als Inspiration für die nächste Geschichte. Wie bei der Sache mit der Teewurst. Von deren kulinarischen Vorzügen ist Armstrong nicht überzeugt – aber vielleicht hat er sie bloß zu lange ziehen lassen.
In der Pause fordert Johnny Armstrong sein Publikum auf, Fragen auf Zettel zu schreiben. Zu Beginn der zweiten Hälfte des Abends dienen sie ihm als Inspiration für eine Stehgreifnummer.

Von Hannah Feiler